Jeff Tweedy: Der Wilco-kopf hat’s gern gemütlich


Jeff Tweedy vergeudet keine Zeit. Nach einem grandiosen Wilco-Konzert in New Yorks Bowery Ballroom steht er schon am Biertresen, als seine Fans noch auf eine achte Zugabe hoffen. Er schaut umher, als freue er sich, dass ihn gleich wieder mal kaum einer erkennen wird. Nicht mal auf der Bühne umweht ihn ja auch nur ein Hauch von Glamour. Und so einer wird nun zum Helden. Mit 35. Ein Musiker, ein Nerd, der an seiner Stilschmelze wie besessen Rezepte ersinnt, um dann andere den Ruhm sich ans Revers heften zu sehen. Weil Tweedy schon zufrieden ist, wenn es um ihn herum vertraut und ein bisschen gemütlich ist. Andere hätten doch im hotel yankee Foxtrott gesessen und sich sonstwas eingebildet. Man nenne mir fünf weitere, kleine Genies, die sich auf den Boden setzen, weil die Herren Rezensenten vor ihnen knien. Weil Tweedy jene Lieder singt, die Randy Newman nie eingefallen sind. Gut, der Mann hat auch keine solche Band hinter sich gehabt. Also Glück, ein bisschen, für Jeff Tweedy, dass er nicht vereinsamen musste, obwohl ihn alle lieben. Eines Tages wird man Tweedy einen Platz in der Rock’n’Roll Hall of Farne anbieten, und ihm verreckt auf dem Weg dahin die Karre und er ruft kurz aus einer staubigen Bar in Illinois an und sagt, er wäre wirklich gern gekommen und übrigens vielen Dank auch. Danke dafür: Keine Zeit für ein Interview zu haben, weil er, wenn er schon mal in Deutschland ist, Krautrockplatten kaufen gehen muss. Was hat er uns beschert? Eine Couch Potatoe wird zum Star und Genie und Idol erklärt und benimmt sich wie eine Couch Potatoe.

Was wallen wir von ihm als nächstes sehen: Eine Krautrockplatte von Wilco. Oder irgend eine andere neue Platte von Wilco (noch im Frühjahr soll’s soweit sein).