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Am Kiosk: der neue Musikexpress mit Lady Gaga!

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Sie ist der erste wirkliche Popstar des digitalen Zeitalters: 268 Millionen Hits bei Google, 1,89 Milliarden Views auf YouTube, die meisten Downloads in der Geschichte der digitalen Musik – kein Star vor Lady Gaga wusste, wie man die digitale Klaviatur wirklich spielt.

Also war es nur konsequent, dass Stefani Germanotta ihr längstes Interview vor der Veröffentlichung von Born This Way ihrem mächtigsten Verbündeten, dem Suchmaschinen-Konzern Google, gab. Über 54.000 Fragen reichten Gagas Monster ein, eine Viertel Million Fans stimmten darüber ab, welche Fragen Gaga beantworten solle. Dies beeindruckte uns so sehr, dass wir die Rolle des Interviewers bereitwillig Euch, den Fans, und der ersten Frau von Google, Marissa Mayer, übergeben haben.

Lady Gaga: (Klettert auf einen Stuhl) Uh, die Stühle bei Google sind ein wenig hoch. (Winkt ins Publikum) Hey, hallo. (Zeigt auf jemanden aus dem Publikum) Bist du gerade aus dem Knast entlassen worden? Ich auch!

Marissa Mayer: Wir freuen uns sehr, dass Sie bei uns sind.

Lady Gaga: Oh, es ist eine große Ehre. Alle meine Schulfreundinnen wollten hier einen Job haben. Und ich habe immer versucht, so zu sein wie sie.

Marissa Mayer: Am nächsten Montag feiern Sie Ihren 25. Geburtstag.

Lady Gaga: Kann ich nicht einfach weiterhin behaupten, ich sei 24?

Marissa Mayer: Wir werden Sie nicht verraten. Google schon, wir nicht. Aber nun zu den Fragen der kleinen Monster: „Gaga, wann war der Moment, in dem Du wusstest, dass Du ein großer Superstar bist?“

Lady Gaga: Ich fühle mich immer noch nicht, als wäre ich ein Superstar. Ich weiß, es hört sich absurd an. Aber zum Beispiel heute morgen noch wollte ich twittern, dass ich hier bin. Und ich habe sicherlich fünfzehn aufgeregte E-Mails bekommen: „Twitter das nicht, die bei Google wollen nicht, dass irgendjemand weiß, dass du da bist.“

„Wann hast Du das erste Mal einen Deiner Songs im Radio gehört?“

Lady Gaga: Das war in Kanada. Ich habe so sehr auf diesen Moment hin gearbeitet, drei Shows am Abend gespielt, den Tag über bei Radiosendern verbracht, dazu noch Telefoninterviews gegeben. Ich war sehr müde und musste bald auf die Bühne. Als ich dann meinen Song im Radio hörte, habe ich angefangen, zu weinen. Mein Tour-Manager David fragte mich, wie sich das anfühlt. Ich habe nur gesagt: „Es wird verdammt noch mal end­lich Zeit!“

„In der Schule warst Du nicht besonders beliebt. Hat sich, jetzt da Du berühmt bist, je jemand Deiner alten Mitschüler entschuldigt?“

Lady Gaga: Eines der unangenehmsten Dinge, die mal jemand zu mir gesagt hat, war: „Sieh an, sieh an, wie sich der Spieß umgedreht hat.“ Aber ich bin nicht rachsüchtig. Ich war immer der Loser, und das hängt mir noch an. Aber möchte ich irgendjemanden dafür verantwortlich machen? Nein, ich möchte einfach nur Musik machen.

„Nimmst Du eigentlich immer noch Klavier- und Gesangsstunden?“

Lady Gaga: Wenn ihr diese furchtbaren Fotos von mir seht, auf denen ich aussehe, als wäre ich betrunken in einer Piano-Bar, probe ich in Wirklichkeit gerade. Ein paar Martinis, ein paar Paul-Carter-Songs, so lerne ich gerne. Aber geht ja weiter zur Schule!

„Wie kannst Du Dich bei den vielen Klamotten, die Du hast, entscheiden, was Du trägst?“

Lady Gaga: Das ist gar nicht so schwer, wie man vielleicht denkt. Bestimmte Teile plane ich über Monate. Zum Beispiel das Gefäß von Hussein Chalayan für die Grammys – obwohl es als das „Ei“ bekannt wurde, möchte er, dass ich daran erinnere, dass es ein Gefäß ist. Die Konzeption hat Monate gedauert. Und ja, ich verstehe das Gefäß als ein Kleidungsstück. Aber heute trage ich das gleiche schwarze Kleid, das ich auch in dem Ankündigungsvideo für dieses Interview trage. Branding.

„Warum sind all Deine Tattoos auf Deiner linken Körperhälfte?“

Lady Gaga: Mein Vater bat mich, wenigstens auf einer Seite etwas normal zu bleiben. Ich glaube, er sieht, dass das meine Marilyn-Monroe-Seite ist und die andere meine Iggy-Pop-Seite.

„Wie kommst Du eigentlich auf die Ideen für Deine Videos?“

Lady Gaga: Das Wichtigste ist, dass man seine Ideen niemals ignoriert. Man muss sie ehren. Man darf seine Kreativität nicht von den gesellschaftlichen Konventionen beeinflussen lassen. Ich weiß noch, wie ich einmal meinen Manager Troy Carter aus Amsterdam anrief: „Pass auf, ich wäre gerne in einem von der Regierung eingenommenen Alien-Territorium. Außerdem will ich meinen eigenen Kopf gebären.“ Ich hörte nur noch das Rauschen der Leitung und dann: „Warum?“ Ich antwortete: „Wenn ich mich selbst und meine Fans betrachte, fühlt es sich so an, als hätte ich sie geboren und sie mich.“ Später habe ich ihm Bilder von Francis Bacon gezeigt, aber er hat mich nicht verstanden. (lacht) Wenn ihr denkt, ich sei schlimm, wir haben ein Video mit Nick Knight gedreht und er ist einfach … whooo. So schlau. Ich liebe ihn, aber ich verstehe ihn einfach nicht. Was ich sagen will: Gerade letzte Nacht hatte ich eine Idee für ein Outfit. Ich bin aufgestanden, hab es schnell aufgemalt und bin wieder schlafen gegangen. Wenn Gott anruft, geh verdammt noch mal ran.

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