Filmrezension

„Der Teufel trägt Prada 2“: Mode, Macht und Medienkrise

Meryl Streep & Anne Hathaway sind zurück. Wir sagen, ob das Prada-Sequel den Kultfilm würdig fortsetzt.

Zwanzig Jahre nach dem Kultklassiker kehrt „Der Teufel trägt Prada“ zurück – und wirkt dabei erstaunlich zeitgemäß. Während der erste Film die gnadenlose Mechanik der Modewelt als persönliches Machtspiel entlarvte, verschiebt das Sequel den Fokus: weg vom Einzelkampf, hin zu einer Branche im Umbruch zwischen Printkrise, Cancel Culture und digitaler Dauerbeschleunigung.

„Der Teufel trägt Prada“ katapultierte uns 2006 in ein New Yorker Glitzerinferno: Die naive Andy Sachs (Anne Hathaway) wird zur Assistentin der eiskalten Runway-Chefin Miranda Priestly (Meryl Streep) – einer Figur, die klar an die Vogue-Legende Anna Wintour angelehnt ist. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman, den Wintours ehemalige Assistentin Lauren Weisberger über ihre Chefin schrieb.

Zwischen Chanel-Chaos, Paris Fashion Week und einem Umstyling durch Nigel (Stanley Tucci) opferte Andy Freund:innen und Moral, bis sie zum Schluss kam: Die Industrie frisst Seelen. Der Film wurde ein globaler Hit und machte Wintour zur unfreiwilligen Ikone – trotz anfänglicher Branchenängste vor Karikatur trug sie zur Premiere sogar Prada.

Der Sequel-Hype zeigte sich bereits vor der Premiere: Hathaway und Wintour moderierten bei den Oscars 2026 und Streep posierte als Miranda mit Wintour auf dem Vogue-Cover – ein historischer Bruch, da die Chefin sich noch nie zuvor auf dem Cover gezeigt hatte. Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna, Regisseur David Frankel und Komponist Theodore Shapiro sind für den zweiten Teil auch wieder mit von der Partie. Der deutsche Kinostart ist der 30. April 2026.

Zurück zu Runway

Andy Sachs kehrt als gefestigte Journalistin zu Runway zurück. Miranda Priestly sieht sich derweil mit dem Niedergang klassischer Printmedien und wachsendem öffentlichen Druck durch einen Skandal konfrontiert. Inmitten wirtschaftlicher Krisen und Rivalitäten muss Andy zwischen Loyalität, Karriere und ihren alten Werten balancieren – während ein neuer CEO alles auf den Kopf stellt. Der Film verbindet Mode-Glanz mit den Medienrealitäten des Jahres 2026.

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Cast & Figuren

Meryl Streep ist erneut das Zentrum des Films – kühl, präzise, ikonisch. Es wirkt, als hätte sie Miranda Priestly nie verlassen. Ihre Präsenz trägt das Sequel mühelos. Anne Hathaway spielt Andy reifer und kontrollierter, aber mit einem unterschwelligen Rest an Chaos, der die Figur weiterhin greifbar macht. Stanley Tucci als Nigel bleibt das stilistische und emotionale Rückgrat des Films – charmant, klug und mit feinem Gespür für Mode und Menschen. Emily Blunt darf als Emily endlich weiter eskalieren und zeigt sich im Dior-Exzess mit bissigem Humor und herrlich boshafter Schärfe.

Unter den Neuzugängen stechen besonders Caleb Hearon als Assistent mit perfektem komödiantischem Timing sowie Simone Ashley als elegante, subtile Gegenfigur im Runway-System hervor. B.J. Novak als Irvs Sohn überzeugt als rücksichtsloser, überzeichnet-idiotischer CEO, der Tech-Bro-Arroganz in Reinform verkörpert.

Die Cameos – von Law Roach bis Donatella Versace – bleiben eher dekorativ, fügen sich aber organisch ins Modeuniversum ein, ohne den Film zu überladen. Eine charmante Randnotiz liefert Kenneth Branagh, der Mirandas Ehemann verkörpert: In „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ spielte er Gilderoy Lockhart – und schafft damit eine subtile, aber wirkungsvolle Verbindung zum ersten Teil, in dem die Kinder des Mode-Moguls von Harry Potter besessen sind.

Inszenierung, Stil & Musik

Visuell ist der Film genau das, was man sich von einem Prada-Sequel erhofft: eine durchgestylte Fashionwelt zwischen Zeitlosigkeit und Gegenwart. Mirandas Look bleibt wie gewohnt und auch Nigel liefert erneut stille Stil-Philosophie.

Andy wirkt modisch souveräner und weniger fremdbestimmt – auch wenn sie weiterhin in Situationen landet, in denen Nigel sie „retten“ muss. Emilys Dior-Phase hingegen ist bewusst überzeichnet und fast schon ein ironischer Kommentar auf Markenfixierung.

Die Mode-Montagen machen visuell großen Spaß, und aktuelle Trends weben sich organisch ein: Gorpcore wird im Meeting erwähnt, Social-Media-Diskurse finden statt, und Priestly muss aufpassen, was sie sagt – alles subtil, weder belehrend noch nach unten tretend.

Musikalisch bleibt der Film jedoch hinter seinem Vorgänger zurück. Zwar wird Madonnas „Vogue“ klug eingesetzt, insgesamt fehlt aber ein wirklich erinnerbarer Sound.

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Sequel statt Neuerfindung

„Der Teufel trägt Prada 2“ ist kein Versuch, den Originalfilm zu übertreffen – sondern ihn in eine neue Medienrealität zu übersetzen. Der Fokus auf Strukturwandel statt persönlichem Aufstieg funktioniert überraschend gut, auch wenn nicht jede Nebenfigur gleich stark gezeichnet ist. Die Protagonist:innen finden alle ihren Weg und schließen ihre Geschichte rund ab. Das Sequel thematisiert Print-Tod, journalistische Integrität und virales Chaos smart und präzise, ohne sich in Influencer-Hysterie oder Social-Media-Diskursen zu verlieren.

Getragen wird der Film klar von Streep, Hathaway und Tucci, die ihre Rollen mit einer Selbstverständlichkeit spielen, als hätte es nie eine Pause gegeben. Die Neuzugänge sorgen für frische Energie, ohne das Zentrum zu verdrängen.

Am Ende bleibt eine Fortsetzung, die weniger revolutionär als klug beobachtend ist – und genau deshalb funktioniert. Keine Fashion-Beben wie 2006, aber ein eleganter Spiegel einer Branche im Dauerumbau. Um es in Mirandas Worten zu sagen: Das war’s.