Astra Kid

Die Standortfrage verfolgt die Vier von Astra Kid, deren Standort nun mal ist: Datteln, Bochum, Ruhrgebiet. Indierock-Diaspora, wo Scheitelfrisuren und Trainingsjacken auf der Bühne wenig Lobby haben. „Wir haben uns echt überlegt, eine Releaseparty in Würzburg oder Berlin zu machen, da kennen uns mittlerweile mehr Menschen als im Ruhrgebiet“, sagt Sänger und Gitarrist Pele Götzer (23). Die Band hat Erfahrung mit dem Hallo-ist-da-wer?-Syndrom. Vor drei Jahren hagelte es für Planet der Affen, das erste Astra Kid-Album, das sacht an Tocotronic gemahnte, gute Kritiken. Allein, die Hörer blieben aus. „Irgendwas ist beim Verkauf schief gelaufen, wir wissen bis heute nicht genau, was es war.“ Dabei machen Astra Kid nichts falsch. Sie schrammeln liebenswertkluge Lieder über die gesammelten Befindlichkeiten von Jungmenschen, haben perfekte Hooklines und strotzen vor sympathischer Melancholie. Mit Müde, ratlos, ungekämmt bekommt das taube Volk jetzt die zweite Chance, und laut Pele „vielleicht das bessere Debüt, weil ich beim Songschreiben nicht nur depressiv war“. Losgelöst vom alten Affen Tocotronic und mit neuem Selbstbewusstsein ist in Datteln etwas entstanden, das am deutschen Indie-Himmel hell leuchtet.

Müde, ratlos, ungekämmt (V2),

VÖ: 15.09.2003; www.astrakid.de

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