Aus dem großen Prince-Special – alle Alben im Überblick

Es wird sich zeigen, wie sein Nachlass geregelt ist. Aber höchstwahrscheinlich wird es nicht bei den 39 Studioalben bleiben, auf denen der Name Prince (oder sein Liebessymbol) steht. Thomas Weiland und Albert Koch haben für unsere Juni-Ausgabe all diese Alben rezensiert, und noch ein paar Veröffentlichungen mehr.

1978: FOR YOU (Warner)

★★★

For-You-Prince-Album-Cover

Das hätte es werden können, das sensationelle, weit in die Zukunft weisende Debütalbum eines musikalischen Genies. War es aber nicht. FOR YOU ist eher ein konventionelles, zeittypisches — wenn auch immer noch sehr unterhaltsames — R’n’B-Soul-Album. Der beste Song, die funky Muschi-Hymne „Soft And Wet“, zeigt zumindest den Weg auf, den Prince in den nächsten Jahren inhaltlich gehen wird. (ko)

 1979: PRINCE (Warner)

★★★★

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Allmählich wird es ernst. Mit dem für Discos maßgeschneiderten „I Wanna Be Your Lover“ feiert Prince seinen ersten US- Hit. Gleichzeitig zeichnet sich ab, wie sein Sound in Zukunft aussehen wird. Knisternde Funk-Tracks mit sexuellem Innuendo stehen ebenso auf dem Programm wie Rocksongs im Stil von Mother’s Finest. Abgesehen davon deutet der Wuschelkopf mit dem später von Chaka Khan bekannt gemachten „I Feel For You“ seine Fähigkeiten als Pop-Autor an. Der Grundstock ist gelegt. (tw)

1980: DIRTY MIND (Warner)

★★★★★ 1/2

Dirty-Mind-Prince-album-cover

Das erste Pflichtalbum des umtriebigen kleinen Mannes ist ein minimalistisches Meisterwerk. Wie zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere üblich, spielt Prince alle Instrumente selbst, wobei hier dem Synthesizer sein Hauptaugenmerk gilt. Mit ihm reduziert er den Aufwand, den schwarze Funkateers in den 70ern mit ihren Big Bands betrieben hatten. Auf dieser Basis sind „Uptown“ und „Head“ veritable Partyhits. Gleichzeitig beeindruckt die Sicherheit, mit der dieser Don der schmutzigen Fantasie sein Stilrepertoire bedient. Der new-wavige Titelsong und „When You Were Mine“, wenig später von Cyndi Lauper gecovert, ragen heraus. (tw)

1981: CONTROVERSY (Warner)

★★★★

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Bis einschließlich zu diesem Album ist das Multitalent ein Geheimtipp unter Clubgängern. Und genau die bekommen hier munteren Nachschub. Der Titelsong ist einer dieser unsterblichen Funk-Feger aus dem Prinzengemach und „Let’s Work“ steht dem in puncto Hüftanimation kaum nach. Texte wie in „Jack U Off“ sind so anzüglich, dass man sich wundert, ob der kleine Mann je auf den großen Erfolg spekulierte. (tw)

1982: 1999 (Warner)

★★★★★ 1/2

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Zum ersten Mal erreicht der Akkordarbeiter volle Betriebstemperatur. 1999 kennt man natürlich wegen des eigentlich ganz guten, aber während der Millenniumsfeierlichkeiten totgenudelten Titelsongs. Darüber hinaus ist dieses Doppelalbum eine ekstatischere Ausgabe von DIRTY MIND. Die langjährige Funk-Dominanz wird zugunsten von Verweisen auf die Musikkultur der damaligen Zeit zurückgeschraubt. „Little Red Corvette“ war der erste wirkliche Prince-Hit im Pop-Rock-Format. Wegen seiner Bezüge zu New Wave und punkigem Funk klingen viele Songs immer noch sehr aktuell. (tw)

1984: PURPLE RAIN (Warner)

★★★★ 1/2

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Eines der Alben der 80er schlechthin, aber auch ein nicht ganz unproblematisches. Zum ersten Mal präsentiert sich der Meister in Begleitung einer Band (The Revolution) und als Autor eines Soundtracks zu einem Film, der nicht die Bohne interessiert. Für seine übertriebene Pop- Inszenierung sucht Prince die Inspiration nicht mehr in der Gosse und in der Subkultur, sondern auf dem Kitschbasar. Der Titelsong ist, sind wir ehrlich, einfach too much. Mit „Let’s Go Crazy“ geht es stramm in Richtung Rock-Oper. Dem gegenüber stehen Geistesblitze wie „When Doves Cry“ oder das schrille „Darling Nikki“. (tw)

1985: 94 EAST – THE HISTORIC 1977 RECORDINGS (Hot Pink)

★★ 1/2

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Es ist immer dasselbe. Ein Musiker wird erfolgreich, und schon sind Leute zur Stelle, die angesichts dieses Umstands Geld machen wollen. Es ist zu bezweifeln, dass Prince über die Veröffentlichung dieser 1977, also noch vor FOR YOU, entstandenen Demoaufnahmen begeistert war. Ursprünglich wurden sie unter dem Pseudonym Minneapolis Genius verkauft. Es handelt sich durchweg um indifferente Funk-Jams, zu denen sich Gitarrensoli, Saxofon und zarte Frauenstimmen gesellen. Für einen 19-jährigen Sessionmusiker ist das passables Material. Einen Hinweis auf Erfindungsreichtum sucht man indessen vergeblich. (tw)

1985: AROUND THE WORLD IN A DAY (Warner)

★★★★

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Auf den großen Durchbruch mit PURPLE RAIN reagierte der Magier mit stilistischer Veränderung. Über diesem gerne unterschätzten Werk liegt der psychedelische Hauch von SGT. PEPPER’S … Gewohnte Konturen des Rock, Funk und Pop stellen sich als leicht verwischt dar. Eine neue inhaltliche Neigung zu Religion und Mystizismus verstärkt den rätselhaften Eindruck. Dennoch gehört das Material zu den essenziellen Arbeiten des Thronfolgers, allen voran das schwelgerische „Paisley Park“ und der Hit „Raspberry Beret“. Oder sagen wir es so: AROUND THE WORLD IN A DAY ist die Platte, die Lenny Kravitz immer versprochen, aber nie abgeliefert hat.

1986: PARADE (Warner)

★★★★★★

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Spekulation: Wäre der Nachfolger SIGN O’ THE TIMES niemals erschienen, würde PARADE heute als das Prince-Referenzalbum gelten. Der Soundtrack zum katastrophalen Film „Under The Cherry Moon“ zeigt Prince & The Revolution in einem bis dahin unerhörten Eklektizismus (Funk’n’Jazz, unpeinliche Balladen). Komplexes wird fantasievoll arrangiert („I Wonder U“), Überflüssiges weggelassen (der furztrockene Funk-Minimalismus des „Parade-Stücks“ „Kiss“), neue Standards gesetzt: PARADE nimmt vieles von dem vorweg, woran sich Prince in den nächsten Jahren orientieren wird. Heute klingt das Album immer noch so ungewöhnlich, frisch und zeitlos wie zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung. (ko)

1987: SIGN O’ THE TIMES (Warner)

★★★★★★

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Wer sich fragt, welche von den unzähligen Prince-Veröffentlichungen denn nun wirklich die absolut unverzichtbare ist, findet hier die Antwort. Ohne seine zwischenzeitliche Begleitband The Revolution brennt der Alleskönner ein Feuerwerk ab. Unter die gewohnten wilden Partyhymnen, überdrehten Popsongs und hocherotischen Momente mischt sich ein Gespür für die Zeichen der Zeit. Armut, AIDS, Drogenmissbrauch, der Wunsch nach fester Partnerschaft werden angeschnitten. So eine gesunde Dosis Realismus hat dem Genie noch zur Übergröße gefehlt. Marvin Gaye hat WHAT’S GOING ON, Prince SIGN O’ THE TIMES. (tw)

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