Aus der Musikexpress-Ausgabe Mai 1980: „Easter Rock“ für Spezialisten


Musik zu Ostern: 1980 sorgten The Police in der Berliner Deutschlandhalle für einen umjubelten Auftritt.

Easter Rock in Berlin, elf Stunden Musik in der riesigen Deutschlandhalle. 12.000 Leute passen in den Monsterbau, 10.000 hätten kommen sollen, 8.000 hätten dem Veranstalter die Unkosten eingespielt, 6.000 waren schließlich angereist, wovon möglicherweise 5.000 den hohen Eintrittspreis von DM 30,- bezahlt hatten. Für die Veranstalter also eher ein finanzielles Fiasko, denn ein erfolgreiches Osterwochenende.

Schuld mag das Gruppenangebot gewesen sein. Man hatte eher den Eindruck, daß der Veranstalter sich und seinen Freunden, sowie anspruchsvollen Spezialisten einen Gefallen tun wollte. Nie zuvor vor einem Festival hörte man zwar berechtigterweise so oft: „Endlich mal ein Festival mit Bands, die man in Deutschland noch nicht zu sehen bekommen hat“. Police als Headliner sollte die Massen ziehen. Nur Police allein schafften es offensichtlich nicht, die Kassen zu füllen.

Bei Ami, Berliner mit deutschen Texten im Fahrwasser von Morgenrot, machten den Einstieg. Die Flamin‘ Groovies waren gut! Nur hielten viele Zuschauer ihre seit zehn Jahren kaum veränderte Beatmusik für eine Verarschung a la Knack. Die Cramps brachten erstmals Stimmung in die lichten Reihen. Das New Yorker Underground-Quartett brachte ihren mutierte Zombie-Rockmusik unters Volk. Die Songs, die ihnen der Herrgott im Himmel eingegeben hat, haben als Textinhalte solch bizarre Themen wie den Teenage Werwolf, den Abfallmann u.ä.

Mitch Ryders Tagesform wurde für eine Live-LP konserviert.

Rockpile sehen und sterben, wünschten sich bislang viele vergebens. Über die kompositorischen, musikalischen und spieltechnischen Qualitäten der Männer Edmunds und Löwe gibt es mit Sicherheit nichts zu meckern. Gute Rock’n’Roll-Musik, mit viel Dampf. Nur passiert auf der Bühne zu wenig, als daß man sich vorstellen könnte, die Supergruppe der Achtziger gesehen zu haben…

Und Police haben eben das, was Rockpile fehlt… Auch visuell… Ihr Auftritt in Berlin war einmal mehr eine Offenbarung! Mehr über sie auf den Seiten 8-13.

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