Highlight: Musiker erzählen von den Abenteuern, die sie erlebt haben als die Berliner Mauer fiel

Banks live in Berlin: Der Underdog ist zur Göttin geworden

Jillian Banks an diesem Samstagabend zu Gesicht zu bekommen, ist zunächst mit einigen Hindernissen verbunden. Sturm „Herwart“ pflügt durch Deutschland und lässt die Unwetterwarnungen auf dem Smartphone aufploppen – und wir wissen ja alle, was das das letzte Mal zu bedeuten hatte. Die Warteschlange vor Huxleys Neue Welt in Berlin-Neukölln zieht sich noch kurz vor dem Start der Show bis weit auf die Straße. Und dann wäre da noch der Support Act, der mit der Hauptkünstlerin des Abend musikalisch in etwa so viel zu tun hat, wie Banks mit Britney Spears. A.Chal stammt aus Peru, sieht aus, als hätte er den Einstieg bei One Direction verpasst und wird von einem Typen begleitet, der irgendwo aus einer Metal-Band gepurzelt ist und sich nun seinem Schicksal gefügt hat. Gemeinsam machen sie Musik, die wahrscheinlich kompletten betrunkenen Klassen auf Abifahrt am Mittelmeer das „Woo“ entlockt.

Ein Konzert wie im Schaukasten

Als Banks dann schließlich mit Nebel, schummrigem Licht und Tänzerinnen die Bühne betritt, ist die Smartphone-Dichte über den Köpfen des Publikums so hoch, dass man die Sängerin nicht wirklich sieht. Dafür kann die 29-Jährige aber nur mehr oder weniger etwas, denn sie liefert tatsächlich eine Performance ab, an die man sich gerne noch länger erinnern möchte. Die Kluft zwischen Künstlerin und Publikum scheint aber zunächst groß: die Menge scheint vorwiegend laut zu kreischen und schafft es sogar die Musik zu übertönen. Das Geschehen auf der Bühne wirkt, als würde es in einem Schaukasten aus rötlich-blauem Licht stattfinden, in dem Banks mit Eleganz und Erhabenheit mit zwei Tänzerinnen interagiert und wie eine unnahbare Göttin wirkt.

 

Stets im dunklen Farben gehüllt: Banks im Huxleys in Berlin am 28. Oktober 2017
Stets im dunklen Farben gehüllt: Banks im Huxleys in Berlin am 28. Oktober 2017

Vom vermeintlichen Außenseiter zur starken Frau

Im Laufe des Konzerts reißt sie aber diese gefühlte Mauer vor dem Bühnenrand ein, fordert das Publikum zum Mitsingen auf und erzählt die ein oder andere Anekdote. Zum Beispiel, dass sie sich wünschen würde, ihrem 14-jährigen Ich sagen zu können, dass es mal ganze Hallen voller Menschen geben wird, die ihre Texte fehlerfrei mitsingen. In diesen Momenten ist sie nicht mehr diese komplett in schwarz gehüllte „goddess“, sondern eine Frau, die einen langen Weg hinter sich hat. Von dem Mädchen mit der rauen, kratzigen Stimme, die sich stets als Außenseiterin fühlte, hin zu Banks, der Künstlerin, die an diesem Abend in Berlin den ganzen Raum einnimmt. Mit einem Cover von „Fast Car“ dankt sie Tracy Chapman, dank der sie sich in ihrer Jugend nicht wie ein „kompletter Freak“ gefühlt hat.

Mit vollem Körpereinsatz: Banks am 28. Oktober 2017 im Huxleys in Berlin.
Mit vollem Körpereinsatz: Banks am 28. Oktober 2017 im Huxleys in Berlin.

Die Berliner Fans haben Glück gehabt. Das Konzert gehört zu den letzten ihrer Tour zum 2016 erschienenen Album THE ALTAR, nachdem eine Handvoll Termine im November aufgrund „unvorhergesehener Umstände“ abgesagt werden mussten. Vielleicht geht es für Banks bereits an die Arbeit für das dritte Album – einen kleinen Vorgeschmack, in welche Richtung es gehen könnte, haben die Fans bereits in Form des neuen Songs „Underdog“ erhalten. Mit eben jenem Song schließt sie die Show in Berlin – immer noch im Nebel, tanzend, aber nie übertrieben und dem Titel ihres Debüt alle Ehre machend: GODDESS.

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Frank Hoensch Getty Images/Redferns
Frank Hoensch Getty Images/Redferns

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