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Kritik

„Berlin Alexanderplatz“: Dem Schicksal entkommt man nicht

Die „Goldenen Zwanziger“ haben wieder begonnen. Doch wie gülden glänzend kann das neue Jahrzehnt werden? Der Klimawandel droht die gefährlichste Waffe zu sein, die der Mensch selbst zu verantworten hat, rechtsradikale Anschläge in Halle und Hanau haben das Jahr 2020 so tragisch wie möglich eingeleitet, in Griechenland wird an den Außengrenzen auf Geflüchtete geschossen und seit Wochen horten Menschen weltweit Essenvorräte, um dem Coronavirus zu entgehen.

Dem gegenüber steht das mythenumwobene und romantisierte Bild von Berlin in den 1920er-Jahren: Partys, Feierwut, Freiheit. Was also haben die „Goldenen Zwanziger“ des vergangenen Jahrhunderts mit der heutigen Zeit zu tun? Sehr viel, würde Burhan Qurbani sagen. Der Regisseur hat etwas Großes gewagt und Alfred Döblins Literaturklassiker „Berlin Alexanderplatz“ aus dem Jahr 1929 als Analogie zur heutigen Zeit neu verfilmt. Das Ergebnis: ein fantastischer Film – mit jedoch einer großen Problematik.

Für Zuschauer*innen, die weder das Buch gelesen noch das fünfzehnstündige Epos von Rainer Werner Fassbinder gesehen haben, steht die Story von „Berlin Alexanderplatz“ erst einmal für sich: Francis (Welket Bungué) ist auf der illegalen Überfahrt von Afrika nach Europa, als das Boot in einen Sturm gerät. Verzweifelt schwört sich Francis, dass er ein anständiges Leben führen möchte, sollte er diese Flucht überleben. Als er es letztendlich nach Berlin schafft, verfolgt er diesen Schwur weiter. Doch aufgrund der erschwerten Bedingungen, deren sich Francis als Geflüchteter ohne Pass und Arbeitserlaubnis ausgesetzt fühlt, wird die Versuchung eines kriminellen Daseins immer größer. Letztendlich lässt sich Francis auf den Drogendealer Reinhold (Albrecht Schuch) ein, der sich ihm als loyaler Freund präsentiert und ihn aus dem Flüchtlingsheim herausholt. So wandelt sich Francis‘ Dankbarkeit bald in Naivität um und er driftet immer stärker in kriminelle Gefilde ab – bis er die Prostituierte Mieze (Jella Haase) kennenlernt und sich in sie verliebt. Plötzlich muss sich Francis entscheiden, welchen Weg er gehen möchte.



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