Highlight: Das solltest Du beachten, wenn Du Dein erstes Konzert organisierst

Berlin Festival: mit Glitzer, Bumms und vielen Fotos!

Der megalomanische Nazi-Bau des Tempelhofer Flughafens sieht vor der grauen Wolkenkulisse noch bedrohlicher aus als sonst. Doch hinter dem Gebäude liegt das hell erleuchtete Gelände, bunte Scheinwerfer blinken von allen Seiten in die einbrechende Nacht, aus den Hangars dröhnt Musik hoch in den ehemaligen Wartebereich. Also rein ins Getümmel! Am Eingang hatte man den netten Einfall, die Bändchenausgabe an den ehemaligen Check-In-Schaltern von Mitarbeitern im Flugbegleiteroutfit machen zu lassen. Leider erinnern die zwei Sicherheitsschleusen und das übertriebene Abtasten dann wieder an die unguten Seiten des Fliegens.

Ein kurzer Abstecher zu We Have Band macht Spaß, aber wirklich nahe kommen wir der Band nicht, weil das Gedränge vorne schon zu groß ist. Aber gut, zu „Oh!“ kann man auch in der letzten Reihe noch das Tanzbein schwingen. Passt! Auf zu Grimes.

Grüße aus dem Auenland: Die zierliche Künstlerin mit den koboldhaft abstehenden Ohren und ihrem hohen, sphärischen Gesang wirkt hinter dem großen Pult wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Ihre Tänzer tragen lustige Lichtgirlanden, und kreiseln und hüpfen um die Meisterin. Dass die Technik während des Auftritts versagt, und an manchen Stellen außer einem wummernden Bassbrei nichts beim Publikum ankommt: geschenkt. Die Stimmung ist trotzdem gut, kann sie ja nichts dafür. Gegen Ende hüpft dann auch Friends-Sängerin Samantha Urbani barbusig auf die Bühne. Ob es sich dabei um einen kollegialen Akt handelte, um die Show zu retten, bleibt offen.

Wir wagen uns für eine halbe Stunde in den Nieselregen, und harren der Dinge, bzw. des Nicolas Jaar. Ob daraus der nächste Ricardo Villalobos wird, dessen Omnipräsenz im Berliner Nachtleben einen Blogger zu diesem verzweifelten Artikel trieb, bleibt abzuwarten. Aber der Sound scheint wieder zu funktionieren im Hangar 4, und ja, er ist tatsächlich gut, der Knabe. Die düsteren Bässe, die gemeine Attacken auf den weichen Ambient-Sound unternehmen, laden die Stücke mit einer unglaublichen Spannung auf, die den Zuhörer packt und nicht mehr los lässt.

Dann noch kurz zu Major Lazer, die eine Stimmung mit- und rüberbringen, dass es eine rechte Freude ist. Diplo rollt im aufgeblasenen Ball durchs Publikum und hat mindestens soviel Spaß bei der Sache wie das Publikum.

Der Freitag im Club ist ein wenig dünn besetzt: Von den Crookers gibt es nur die Ein-Mann-Besetzung, und Andy Butler von Hercules & Love Affair hat sich zwei mittelmäßige Sängerinnen im Schlussverkauf geholt, das Konzert ist so enttäuschend, dass das Publikum den Saal verlässt. Aber auf Metronomy ist wie immer Verlass, ein Lichtblick an einem ansonsten mittelmäßigen Clubabend.

Samstag, zweiter Tag: Kurzerhand und ohne schlechtes Gewissen streiche ich den Besuch bei First Aid Kit zugunsten der extremst guten Whomadewho aus meiner Liste, und bereue es keine Sekunde. Die Dänen machen inklusive laszivem Öffnen des Hemds alles richtig. Sie wissen um ihren Sex-Appeal, und daher ist das weird gesungene Cover von Benny Benassis „Satisfaction“ selbstverständlich Pflichtübung. Alles tobt, alles gut, so soll es sein!

Dass Franz Ferdinand ihr Fach beherrschen, dürfte klar sein. Stimmung bis in die letzte Reihe, hier gibt es den Auftritt für die Daheimgebliebenen als Video:

Sizarr, die wie Grimes auf der unseligen Hangar 4 Bühne spielen, haben mehr Glück mit dem Sound. Die Technik hält bis fast zum Schluss durch, gelobt seien Shiva, Buddha und die allmächtige Erdgöttin! Sänger Deaf Sty bedankt sich schüchtern und höflich nach fast jedem Song beim Publikum. Gegen Ende blubbert dann doch wieder der kaputte Bassverstärker rum, aber zum Ohrwurm „Boarding Time“ läuft zum Glück alles wieder.

Kalkbrenner lassen wir diesmal ausfallen, weil, man könnte ja was verpassen. Also auf zu The Soundtrack Of Our Lives, und wie der Bandname bereits vermuten lässt, geht es hier mit viel Pathos zur Sache. So gut sie auch sein mögen, sie fallen, wie auch am Vortag die Killers aus dem Rahmen. Kein Glitzer, kein Gefunkel, kaum Synthesizer – sie wirken hier so fehl am Platz wie Marius Müller Westernhagen im Vorprogramm der Village People.

Im Club geht es erstmal zu Light Asylum, die mit ihrem darkwavigen Sound im Glashaus, wo man einen tollen Blick auf die Spree bei Nacht hat, spielen. Bei den Junior Boys fehlt ein wenig die Spielfreude, auch wenn nichts schief geht, so ein bisschen was sollte es schon live zu sehen geben, und guter, aber nicht außergewöhnlicher Gesang plus Knöpfchendrücken machen noch keine Show.

Ebenfalls Opfer der Technik werden die Totally Enormous Extinct Dinosaurs im tollen Glitzeroutfit – auch hier gab es technische Probleme, gut ist die Show aber trotzdem. 

Aber Pannen gehören dazu, und bei dieser Location und dem tollen Booking sind sie schnell wieder vergessen. Zumal das Berlin Festival ein wunderbar entspanntes, nettes Publikum anzieht, gröhlende Saufkumpanen sind nirgends zu sehen, und die kontrastreiche Kulisse tut ihr übriges. Eine gelungene Sache!

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