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„Beste Freundinnen“: Ein Podcast über persönliche Liebesgeschichten, Sex und Männer-Wehwehchen

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Böhmermann und Schulz turnen nebenher im TV herum. Lobrecht und Schmitt feuern ihre Gags durch Twitter und Megaarenen. Bei Max und Jakob ist das anders. Hier sprechen nur zwei Typen in ihre Mikros. Und diese Typen zeigen für Promo-Zwecke nicht mal ihre richtigen Gesichter. Nein: Minecraft-ähnliche Schädel mit ihren Quadrataugen scheinen hier die Kamera zu fixieren. Der eine trägt darunter ein weißes Shirt und hat verschränkte Arme – der andere ergänzt den Look um eine blaue Truckerjacke. Wie zwei Türsteher lehnen die Figuren in einem runden Beton-Durchgang. Ein Blick auf das Profilfoto des Podcasts „Beste Freundinnen“ bei Spotify lässt erahnen: Hinter verschlossenen Türen ist da was in der Mache.

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Tatsächlich haben sich Max und Jakob dazu entschieden, ihre echten Gesichter nicht zu sehr zu vermarkten, wenn es ans Eingemachte geht. Das schneidet die Tradition der prominenten Konkurrenz von „Fest & Flauschig“ und „Gemischtes Hack“. Während Jahn Böhmermanns Stoppelbart etwa schon über viele Bildschirme Europas huschte und Stand-Upper Felix Lobrecht nun jede Megaarena Deutschlands füllt. Ein Verstecken gibt es für diese beiden auch in ihren Hörformaten nicht. Selbst die anfänglichen Versuche anderer Genrekollegen (wie die von Charlotte Roches Ehegatten Martin Keß, sich auf allen Werbebildern des wundervollen Beziehungspodcasts „Paardiologie“ mit einem Auberginen-Emoji oder hinter Roches vorgehaltener Hand zu maskieren) zerbrachen irgendwann unter der Neugier der Fans. Wenn die „Besten Freundinnen“ hingegen über „Traumfrauen“ und „Seelenficker“ philosophieren, ist es egal, ob man ihre Gesichter kennt oder nicht. In dem Moment sind sie anonym. Das öffnet den Raum für freie Gedanken.

„Beste Freundinnen“: Ungenierte Blicke in heteronormative Männerwelten

Worum geht‘s jetzt konkret? Platt gesagt: um die großen Lieben und kleinen Leiden des Mannes, um Beziehungen und Sex. Seit 2015 beschäftigen sich Max und Jakob, mittlerweile wöchentlich, ein knappes Stündchen damit, ob Dating ermüdet, wie beziehungsunfähig Großstädter sind und was das Wort „notgeil“ unverfänglich macht. Gebrochen wird Lapidares mit Selbsterfahrungen und ethischen Fragen über das Fremdgehen, Angst, Einsamkeit, Pornosucht. Eben all das, worüber Durchschnittstypen doch viel zu selten mit der eigenen Partnerin und noch weniger mit dem besten Buddy reden. Max und Jakob tun das schon. Auch weil beide laut eigener Aussage eine starke Prägung zu ihren Müttern genossen. Früh lernten die Jungs so, ihre Herzen auszuschütten. Max hat nebenbei noch Sozialpädagogik und Jakob Psychologie studiert. Das alles gipfelt dann in Gedankenspielen wie: „Darf man sich von der Kondompackung der Ex frei bedienen?“

Mehr Radio-Flair, weniger Starkult

Was macht das jetzt mit einem? Die persönlichen Liebesgeschichten und Männer-Wehwehchen sorgen dafür, dass sich der Cast so anfühlt, als würde man einem antiken Radio-Duo lauschen. Nur, dass im Radio nicht alles in dieser Spitzzüngigkeit sagbar ist. Also eher ein Radio-Duo, das ganz ungebremst quatscht und stichelt, sobald das ON-AIR-Zeichen erloschen, die Stimmung intim ist. Bei Max und Jakob ist das so. Ihre Gesichter sind dafür nicht von Belang.

Mittlerweile gibt es schon 183 Folgen von dem Podcast „Beste Freundinnen“. Eine neue Episode erscheint jeden Sonntag und dauert im Schnitt etwa 50 Minuten.

▶ Beste Freundinnen jetzt hier Spotify hören


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