Highlight: Die 100 besten Stimmen der Musikgeschichte

Aus dem Archiv: Zu Besuch bei Prince in Minnesota

Aus unserer April-Ausgabe 2006: Prince – Das Ende einer Ära

Vier Stunden bevor diese exklusive Veranstaltung so elegant entgleist, wissen zum Glück weder Prince noch die Gäste, was der Abend bringen wird. Die „VIP Listening Party“ beginnt durchaus vielversprechend: Wer es auf die „Master Guestlist“ geschafft hat, übergibt in einer der engen, steilen Straßen, die sich über dem Sunset Boulevard in die Hollywood Hills schlängeln, den Wagen an einen uniformierten Bediensteten. Mit einem Luxusvan wird man vom Tor bis zu einer breiten Treppe kutschiert (die 50 Meter dürfen nicht per pedes zurückgelegt werden), die durch Palmen und Bananenstauden zum Eingang der palastähnlichen Villa führt, in fast zu geschmackvollem Ambiente an der Decke ein Kristalleuchter, in der Ecke ein Flügel, in den Regalen alte Bücher und an den Wänden moderne Kunst – werden eine halbe Stunde vor Mitternacht die ersten Drinks serviert.

Prince – Der Mann mit der perfekten Serie

Hat man sich sattgesehen an der makellosen Innenarchitektur, geht es über Treppen immer weiter nach oben, von Bar zu Bar, von Dachterrasse zu Dachterrasse, bis hin zu einem Brunnen, in dem Wasser über eine Steinskulptur fließt, die aus den Zahlen 3121 besteht. Diese Zahlen, die in dieser Kombination auch Titel des neuen Albums sein werden, sind omnipräsent: Sie sind auf Servietten gedruckt und in Handtücher gestickt und wurden per Sondergenehmigung dem Anwesen auch als außerplanmäßige Hausnummer aufgezwungen. Als eine japanische Journalistin beginnt, über die Bedeutung der Zahl zu spekulieren, eilt ein Universal-Mitarbeiter aus Kanada herbei. „Verzeihung, daß ich mich einmische, aber ich kenne die Geschichte. Die Ziffern haben nichts mit den Zeugen Jehovas zu tun“, berichtete er hastig, obwohl niemand einen derartigen Verdacht geäußert hatte. „Prince ist eines Tages an einem Anwesen mit dieser Hausnummer vorbeigefahren, und das hat ihm gefallen. Das ist alles. Aber, oh je, man hat uns ja gesagt, daß wir das niemandem weitererzählen dürfen.“

Prince gefällt sich in der Rolle des unsichtbaren Gastegebers

Brisante Insider-Informationen, ohne Zweifel. Und eine hervorragende Einstimmung auf die brandneue Musik des Prinzen. Gerne reißt man sich nun von dem atemberaubenden Blick auf das goldene Lichtermeer von Los Angeles los, um in einer Art Partyraum, dessen Dach ein Tennisplatz ist, die Weltpremiere von 3121 zu erleben. In Abwesenheit des Meisters – Prince gefällt sich die erste Hälfte des Abends offenbar in der Rolle des unsichtbaren Gastgebers, dessen Präsenz doch überall zu spüren ist – wird dem erlesenen Kreis Song für Song präsentiert.



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