Black Sabbath


Vier Arbeitersöhne aus Birmingham schrieben ein Kapitel Rockgeschichte. Ob Metal, Grunge oder Hardrock — heute ist ihr Einfluß auf junge Bands größer denn je. Steht jetzt eine Wiedervereinigung in Urbesetzung bevor?

Auf dem Weg zur Probe sahen wir Menschen vor einem Kino Schlange stehen, in dem ein Horrorfilm lief. Wir wunderten uns, daß Leute Geld ausgeben, um sich zu Tode erschrecken zu lassen. So kam uns die Idee, Horror-Musik zu machen“, erinnert sich Sänger Ozzy Osbourne. Damals hieß seine Band noch Eanh und spielte Ten-Years-After-beeinflußlen Blues. Nach einem Film mit Boris Karloff schrieben die angehenden Gruselrokker schließlich den Song „Black Sabbath„, der prompt zu ihrer Umbenennung führte.

Black Sabbath ist momentan die einflußreichste Band der 70er Jahre, unzählige junge Gruppen lassen sich von den Rockern der Finsternis inspirieren, darunter Metallica, Faith No More, Danzig, Alice In Chains, Soundgarden sowie zahllose weitere Doom- und Seattle-Bands.

Allen Bemühungen der Jünger zum Trotz, blieb der Klang der Metal-Großväter unerreicht: Frontmann Osbourne kreischte wie eine Furie auf dem elektrisehen Stuhl, neben ihm stand Gitarrist Tony Iommi und schleuderte zentnerschwere Grabstein-Riffs aus den Boxen. Bassist Geezer Butler und Kraft-Trommler Bill Ward schließlich sorgten dafür, daß jeder Beat des zähflüssigen Lava-Rocks ein mächtiges Gewicht in sich trug. Das Briten-Quartett stammt aus Birmingham, der grauen Industriestadt in den Midlands. „Wir waren vollständig von Umweltverschmutzung und Gewalt umgeben, das hat unsere Musik stark beeinflußt“, analysiert Tony Iommi. Er und Ozzy gehörten einst rivalisierenden Straßengangs an und hatten sich bereits in etlichen Schlägereien gegenübergestanden.

Das selbstbetitelte AJbumdebüt entstand 1969 in acht Stunden auf einem 8-Spur-Recorder. Dabei kam den Studio-Greenhorns ihre Live-Erfahrung zugute, jahrelang waren sie durch europäische Clubs gezogen. „Ganze Ewigkeiten verbrachten wir im Hamburger Starclub“, entsinnt sich Osbourne: „Wir spielten sieben Sets ä 45 Minuten und hatten trotzdem keinen Pfennig auf der Naht. “ Erst das zweite Album „Paranoid“ brachte den Durchbruch und etablierte Sabbath. neben Led Zeppelin und Deep Purple, als eine der drei wegweisenden Hardrock-Bands — eine US-Stadien-Tournee jagte die nächste. Für die Folgealben pflegten sie nach Angaben Iommis „einen drogenorientierten Sound“, zusätzlich erweiterten sie ihr Spektrum um Balladen und orchestrale Arrangements. „Wir gingen Montags mit einem Beutel Koks ins Studio. Und am nächsten Montag kamen wir wieder raus „, meint Ozzy, der sich an weitere Details allerdings kaum erinnert. Der enorme Drogenkonsum des Vokalisten führte schließlich 1978 zu seinem Rausschmiß.

Nachfolger Ronnie James Dio verstand es nur kurz, der Resttruppe neue Impulse zu geben. Ihm folgte in den 80er Jahren eine endlose Reihe von Frontleuten, darunter auch Glen Hughes und Ian Gillan von Deep Purple. Die Gruppe, aus der inzwischen auch Bill Ward ausgestiegen war, büßte an Profil ein und verlor viele Fans. Erst mit dem Shouter Tony Martin fanden sie fast zur alten Form zurück. Dieser wurde jedoch gefeuert, um abermals Dio Platz zu machen. Nachdem das Original Line-Up schon 1985 beim Live-Aid-Festival zusammengespielt hatte, traten Osbourne und Konsorten zum Ende seiner (angeblich) letzten Tour wiederum gemeinsam auf. Mitte Dezember startet die Urbesetzung laut Ozzy Osbourne zu einer 18monatigen Welt-Tournee, gemeinsame Studioaktivitäten sind jedoch wegen rechtlicher Probleme weiterhin unmöglich.