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Blog des Monats: Interview mit den Machern von „lowtape.com“

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Unser aktueller Blog des Monats heißt „lowtape.com“ und wird von einem Trio aus Berlin betrieben. Seppowitz, Djangoboogie und AnaLogue bestücken den Musikblog täglich mit neuen Albenkritiken, News und Downloads. Wir führten ein Interview mit den Machern und stellten Fragen über den Blog und die Netzkultur der Zukunft.

Seit wann gibt es euren Blog?
Der erste Eintrag ist vom 19. Januar 2011. Wir sind also noch ein recht junger Blog und das Ganze sah zunächst auch recht unprofessionell aus, um es mal so zu bezeichnen. Als wir uns dann sicher waren, dass wir da auf jeden Fall dran bleiben werden, die Besucherzahlen ein wenig stiegen und Natalie zu uns beiden Jungs stieß, ging es schnell darum die Seite schicker zu machen und etwas zu strukturieren. Man möchte sich ja durchaus gerne von seiner guten Seite zeigen.

Wie habt ihr drei euch zusammengefunden?
Privat kennen wir uns schon eine ganze Weile. Basti (Djangoboogie) kam irgendwann auf die glorreiche Idee: „Ich will einen Musikblog machen, Seppi hast du Lust?“. Das klang spontan großartig. Vollkommen fertig war die Teamformation aber erst, als Natalie dazu kam. Eigentlich war am Anfang noch ein weiterer Kumpel von uns dabei, aber der ist Papa geworden und hat demnach grad besseres zu tun.

Hat euer Name „lowtape“ etwas mit Lo-Fi-Musik zu tun?
Als wir uns über den Namen Gedanken gemacht haben, ging es darum etwas zu finden, das bodenständig klingt, nicht irgendwie gekünstelt und übertrieben. Low steht also für „auf dem Boden bleiben“. Tape – damit verbinden wir die „guten alten“ Zeiten und wie schön doch alles früher war. Auf Kassette, auf Vinyl, einfach analog. Dennoch bewegen wir uns in Richtung Zukunft, ohne dabei die „Anfänge“ zu vergessen. Natürlich wären wir damals, als noch Holzstamm, Palmwedel und Ziegenfell die Charts bestimmten, gerne dabei gewesen.

Wenn ihr die Chance hättet, mit wem würdet ihr gerne mal ein Interview führen (egal ob tot oder lebendig) und warum?
Oh, die Liste ist lang. Kurt Cobain? Ian Curtis? Das sind Menschen, die Generationen beeinflusst haben oder die Stimme einer ganzen Jugend waren. Auch über ihren Tod hinaus prägen sie noch immer den Musikgeschmack und den Sound vieler Leute und haben sich somit unsterblich gemacht, wenn auch auf tragische Art und Weise. Für uns definitiv interessante Persönlichkeiten, mit denen wir uns gerne unterhalten würden. Aber in Wirklichkeit würden wir  vor lauter Bammel wahrscheinlich kein Wort raus kriegen.

Viele halten das Bloggen für den Journalismus der Zukunft. Was denkt ihr darüber?
Das ist eine schwierige Frage. Journalismus zu definieren ist ja schon nicht einfach. Wo zieht man da die Grenze? Wir glauben, dass im Bereich Musikjournalismus über kurz oder lang der Hauptfokus auf dem Bloggen beziehungsweise auf dem Veröffentlichen von Inhalten im Internet liegen wird – auch in Deutschland. Die Printmedien werden jedoch nicht komplett von der Bildfläche verschwinden, sondern das Ganze ergänzen. Es wird immer Zeiten geben, in denen Sachen, die man in der Hand halten und darin rumblättern kann einfach menschlicher sind. Dadurch behalten sie auch in Zukunft ihre Daseinsberechtigung.

Was unterscheidet euren Blog von anderen?
Einer der Hauptunterschiede zu vielen Blogs scheint die Länge unserer Artikel zu sein (wenn man mal die wirklich großen Blogs wie Pitchfork außen vorlässt, mit denen wir uns selbstverständlich nicht messen lassen können). Bei Bandvorstellungen oder Albumreviews schreiben wir ja vergleichsweise viel, was jetzt aber nicht besser oder schlechter ist, als Videos zu posten und dazu die nötigsten Informationen zu ergänzen. Es wird bei uns eben gerne geschrieben und deswegen wird dann in Kauf genommen, dass die einzelnen Artikel aufwendiger sind und man dafür nicht ganz so viel posten kann. Wir schreiben Artikel, die wir selbst gerne finden und lesen würden und hoffen das es anderen auch so geht.

Was bei uns noch sehr auffällig ist: Wir haben letztendlich doch einen recht unterschiedlichen Geschmack und ergänzen uns dadurch. Jeder von uns kann auch mal etwas Bloggen, mit dem die anderen zwei nicht so wirklich was anfangen können und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Darüber hinaus sind wir nicht nur auf der Suche nach dem „nächsten neuen Ding“, sondern huldigen gerade mit unserem Musikkanal auch mal „älteren“ Bands, die wir fantastisch finden. Wir haben einfach Spaß an der Sache und sehen das alles mit einem großen Augenzwinkern, was vor allem auch unsere „Namen“ auf der Seite zeigen. Djangooboogie, AnaLogue und Seppowitz – so heißt doch keiner.

Wie finanziert ihr euch? Ist eure Seite kommerziell oder privat betrieben?
Wir sind komplett privat und haben keinerlei Einnahmen. Der Blog ist also ein Produkt unserer Freizeit, dem wir nach Feierabend frönen.

Bloggt ihr nur das, was euch gefällt oder bekommt ihr auch Auftragsarbeiten?
Es kommen durchaus Anfragen von Musikern, ob wir denn nicht über sie schreiben wollen. Letztendlich schreiben wir aber nur über das, was uns auch gefällt. Beauftragt werden wir also von keinem. Ist ja unser Blog und da kommt natürlich nur das drauf, was wir wollen. Das ist ja im Grunde auch einer der größten Vorteile von unkommerziellen Blogs: sie können grundsätzlich unabhängig bleiben.

Gibt es jemanden, über den ihr für kein Geld in der Welt bloggen würdet?
David Hasselhoff. Wir wissen: Don’t hassel the Hoff, aber das geht einfach gar nicht (auch wenn blogintern durchaus schon eine Schallplatte von ihm den Besitzer gewechselt hat). Und Schlagermusik. Wir hassen Schlagermusik.

Habt ihr einen Lieblingsblog?
Wir haben keinen Blog, der uns beeinflusst und den wir regelmäßig als Inspirationsquelle zu Rate ziehen. Wir stehen natürlich mit verschiedenen anderen Blogs in Kontakt, wie z. B. mit iamnosuperman.com. Man tauscht sich gerne aus, diskutiert und am Ende des Abends hat man sicherlich seinen Horizont erweitert. Interessant ist, dass man eigentlich mit dem eigenen so beschäftigt ist, dass man fast keine Zeit für die Kollegen hat.

Weitere Artikel:
Blog des Monats Juli: lowtape.com.
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