Bob Dylan


Sub. Homesick Blues (1965)

20 Das war ein Zeter und Mordio, als es Dylan 1965 wagte, für sein fünftes Album die Gitarre stromologisch zu verstärken! Was wurde ihm nicht alles vorgeworfen wegen seines „going electric“: Verrat an den Folknik-Idealen der Protestbewegung, Überlaufen zum Establishment-Feind, Ausverkauf an den schnöden Mammon. Dabei hatte Robert Zimmermann doch nur seine Gitarre an einen Verstärker angeschlossen. Dieser Wechsel vom Akustikfolk zum elektrifizierten Rock genügte allerdings, um aus der Leitfigur aller Bürgerrechtler und dem Herold der Sixties-Jugendkultur einen Buhmann zu machen. Gerade noch hatte ihn die Teenagerwelt mit ,.Hallelujah!“-Rufen gefeiert und im nächsten Moment, als Subterranean Homesick Blues auf den Markt kam, erschallte urplötzlich ein galliges „Steiniget ihn!“. Diese Schmährufe hielten jedoch nicht lange an. Bald schon waren Songs wie „Love Minus Zero“, „Maggie’s Farm“ und „Outlaw Blues“, die Bobby an die Steckdose angeschlossen hatte, weltweit akzeptiert und die wegweisende Bedeutung von „Bringing 1t All Back Home“ (unter diesem Titel erschien das Album in den USA) allgemein anerkannt. Legionen nachwachsender Musikergenerationen folgten Dylan in Richtung Folkrock, und selbst heute wirkt die Initialzündung seines LP-Meilensteins noch in etlichen Epigonen-Werken fort (wie sich an R.E.M., Michael Penn und vielen anderen leicht ablesen läßt). Aber wie gesagt: Im Erscheinungsjahr entfachte dieses Album einen Sturm der Entrüstung und Dylans Aufbruch zu neuen Ufern (den er im Klassiker „Mr. Tambourine Man“ metaphernreich besang) wurde von Folk-Puristen als arglistiger Betrug gewertet. Doch das ist lange her. Oder um mit dem Meister selbst zu sprechen: „It’s All Over Now, Baby Blue“.