Boom Tschak: Anti-Musik von Darren Cunningham aka Actress

Wenn man Darren Cunningham aka Actress fragen würde, ob er der aktuellen elektronischen Tanzmusik nahesteht, würde er das verneinen und sagen, dass es ihm darum geht, Anti-Musik zu machen. Anti-Musik als Reaktion auf Musik-Musik, und schon sind wir drin im freien Spiel der Kräfte im Pop. Cunningham ist ein Künstler, ein Avantgardist, dessen Kunst weit über das hinausweist, was in den Clubs aktuell so geschieht, aber ohne Kenntnis dieser Geschehnisse nicht möglich wäre. Nehmen wir seinen „Sixinium Bootleg Mix“ vom Kelis-Song „Rumble“ aus dem vergangenen Jahr. Es ist eine elektronische Fantasie, die mit Atmosphären aus den dunkelsten Kellerecken aufgeladen ist und erinnert an nichts, was es in dieser Form schon gegeben hätte. Ganz abgesehen davon, dass die Instrumentalversion des Remixes nicht ein einziges Element des Original-Songs enthält, was immer eine schön respektlose Sache ist. Also den „Rumble“-Remix im Plattenregal lieber unter „A“ einsortieren als unter „K“.

Jetzt hat Actress eine Ausgabe der Mix-Reihe DJ-KICKS kompiliert, oder „kuratiert“, wie man heute sagen muss. Reden wir nicht weiter über den fantastischen Exklusiv-Track „Bird Matrix“, der im ME bereits besprochen wurde, sondern über den Gesamtmix als Kunstwerk. Actress wechselt zwischen Klassikern und hochaktuellen Acts, zwischen Kickdrum, Breakbeat, Ambientflächen und Atmosphären. Er setzt Tracks mit einer relativen Verwandtschaft zu Techno und House in ein Umfeld aus musikalischen Abstraktionen wie „Pen Expers“ von Autechre. Nicht nur einmal gibt es krasse Brüche im Mix, Beatmatching spielt eine untergeordnete Rolle, es geht um Atmosphären und nicht um technische Virtuosität. Was Actress mit seiner DJ-KICKS erreicht: aus (Fragmenten von) 20 Einzeltracks schafft er eine einstündige Klangcollage, die weit mehr ist als die Aneinanderreihung von Musikstücken, es ist ein Kunstwerk aus eigenem Recht.

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