Cat Power Berlin, Volksbühne


Auf dem Soulteppich: Chan Marshall bringt die Memphis Rhythm Band nach Berlin.

Chan Marshalls Art, Musik zu machen, ist ziemlich wagemutig: Sie spielt direkt aus der Seele in den Raum, trägt ihr Innerstes rückhaltlos nach außen. So etwas wie Rollen oder Routinen sind nicht vorhanden bei der unter dem Namen Cat Power bekannten Singer/Songwriterin. Das ermöglicht einerseits die atemberaubende Ehrlichkeit und Echtheit ihrer Musik, die sie andererseits immer wieder in finstere Abgründe reißt. Die Liste der Desaster-Konzerte in Cat Powers elfjähriger Karriere ist ziemlich lang und reicht von verzweifelten Abbrüchen bis zu erratischen Endlos-Gigs. Dazu kamen massive Alkoholprobleme und Depressionen, die Anfang des Jahres nun zu einem Klinikaufenthalt inklusive Entzug führten.

So ist man vor dem Konzert ein wenig nervös; hofft, dass sie gut drauf ist, dass sie nichts stört. Alle Sorgen verschwinden schnell, als zunächst einmal nur die Memphis Rhythm Band auf die Bühne kommt und einen zehnminütigen Jam spielt. Einige der elf Musiker waren schon bei den Aufnahmen zu Cat Powers aktuellem Album THE GREATEST dabei, dessen Sound maßgeblich von den einstigen Al-Green-Kollegen Mabon „Teenie“ und Bruder Leroy „Flick“ Hodges beeinflusst ist. Genau die beiden sind heute Abend leider nicht dabei, doch auch so meistert die Band ihre Aufgabe grandios: Sie rollt einen weichen Blues-Soul-Teppich aus. auf dem sich Chan Marshall ruhig und gut behütet bewegen kann. Sie kommt von links hereingeschlichen und legt los mit dem großartigen Titelsong der neuen Platte. Ihre tiefkehlige Stimme hypnotisiert sofort den kompletten Saal. Zwei Stunden lang sind alle hier auf eine Weise warmherzig konzentriert, als wollten sie kollektiv dazu beitragen, dass die zerbrechliche Frau da vorne gut über die Runden kommt. Wie wichtig diese Atmosphäre ist, zeigt sich, als Marshall nach 40 Minuten allein auf der Bühne bleibt – und gleich mal einen Songanfang verhaut. Doch sie sammelt sich und spielt eine betörende Version von Bowies „Wild Is The Wind . Danach ein spukiges „House Of New Orleans“, das ihre seelenstripartige Art der Performance eindrucksvoll demonstriert. Zwischendurch zeigt sich die 34- Jährige von ihrer witzigen Seite: führt staksige Pantomimen-Tänze auf oder bricht die Schwere eines Herzschmerz-Songs durch Feuerzeugschwenken. Mit der zurückgekehrten Band spielt sie eine Hybridversion ihrer Songs „Cross Bone Style“ und „Nude As The News“ sowie eine tolle Interpretation von Gnarls Barkleys „Crazy“ . Und weil es gerade so schön ist, gibt es dann noch zwei weitere Solo-Stücke am Klavier. Sie bilden den phänomenalen Abschluss eines der bewegendsten Konzerte, die man dieses Jahr in Berlin erleben durfte

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