Collien Fernandes: Morddrohungen und Sicherheitsbedenken

Eigentlich wollte sie auf dem Hamburger Rathausmarkt sprechen. Dann kamen die Drohungen. Collien Fernandes über Angst, Schweigen und digitale Gewalt.

Collien Fernandes hat sich mit einem eindringlichen Statement an die Öffentlichkeit gewandt und gleichzeitig ihren geplanten Auftritt bei einer Großdemonstration in Hamburg abgesagt. Der Grund: konkrete Morddrohungen und ernsthafte Sicherheitsbedenken.

In einem Instagram-Posting machte die Moderatorin deutlich, wie real die Gefahr für sie geworden ist. Ursprünglich hatte sie vor, bei der Kundgebung auf dem Hamburger Rathausmarkt am 26. März zu sprechen. Stattdessen muss sie aus Selbstschutz fern bleiben. Die Kundgebung ist Teil einer wachsenden Protestbewegung, die sich zuletzt auch in Städten wie Berlin und Hannover formiert hatte. Laut „NDR“ werden etwa 7.500 Teilnehmer:innen erwartet.

Wenn Öffentlichkeit zur Gefahr wird

Fernandes hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen öffentlich gemacht und geschildert, angeblich über Jahre Opfer von Identitätsmissbrauch und manipulierten, sexualisierten Inhalten gewesen zu sein.

Die Reaktionen folgten einem bekannten Muster: breite Solidarität – aber auch gezielte Einschüchterung. Morddrohungen sind dabei eine extreme, leider jedoch häufig vorkommende Form dieser Dynamik. Sie verschieben die Grenzen des Sagbaren und wirken faktisch als Mittel, um aus der Öffentlichkeit zu drängen.

Dass Fernandes ihre Teilnahme absagte, ist daher Symptom eines größeren Problems: Wer spricht, setzt sich Risiken aus.

„Wir müssen ganz dringend Licht in das Dunkelfeld bringen!“

Auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte Collien Fernandes ein Statement, das die persönliche Dimension der Debatte unterstreicht. Das Bild: ein schwarz-weißes Porträt, ihr Mund mit Klebeband verschlossen – eine visuelle Metapher für das Verstummen durch Angst und Druck.

In der dazugehörigen Caption schildert Fernandes detailliert den bisherigen Verlauf ihrer Anzeige. Sie habe bereits im November 2024 Anzeige gegen Unbekannt gestellt und den Ermittlungsbehörden umfangreiche Hinweise übermittelt. Dennoch habe sie über Monate hinweg keine Rückmeldung erhalten und erst durch Medienberichte erfahren, dass der Fall weitergegeben und schließlich eingestellt worden sei.

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Besonders eindringlich wird ihr Ton, als sie die Morddrohungen thematisiert, die letztlich zu ihrer Absage der Hamburger Demo führten. Sie richtet sich direkt an ihre Angreifer und stellt die Frage, wie Frauen unter solchen Bedingungen überhaupt den Mut aufbringen sollen, sich öffentlich zu äußern. Ihre Worte machen deutlich, wie eng persönliche Betroffenheit, institutionelle Abläufe und gesellschaftliche Reaktionen miteinander verwoben sind.

Zugleich ruft Fernandes zur Solidarität auf und appelliert an ihre Community, stellvertretend für sie laut zu sein. Sie verweist auf das große Dunkelfeld bei Gewalt gegen Frauen: Nur ein Bruchteil der Fälle werde überhaupt angezeigt, insbesondere im Bereich digitaler Gewalt.

Unter dem Posting sammelten sich zahlreiche Reaktionen. Der Comedian Nico Stank reagierte mit Herz-Emojis, während der offizielle Account von „UN Women Deutschland“ betonte, dass Hass und Drohungen gegen Frauen, die ihre Stimme erheben, ein strukturelles Problem seien. Auch Rapperin Mariybu äußerte öffentlich Unterstützung mit den Worten „Wir stehen hinter dir“, ebenso wie Katy Karrenbauer mit „Volle Solidarität!“.

Forderungen nach Schutz und Konsequenzen

Organisiert wird die Hamburger Demonstration von der SPD-Politikerin Annika Urbanski, die einen grundlegenden Wandel im Umgang mit sexualisierter Gewalt fordert.

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Im Zentrum der Forderungen stehen strengere gesetzliche Regelungen, mehr Sensibilisierung und ein effektiverer Schutz vor digitaler Gewalt – insbesondere in Fällen von Identitätsdiebstahl und Deepfakes.