Cult Club


„Am liebsten mag ich die Musik der 6Oer Jahre, da steckt so viel Energie, so unglaublich viel Phantasie drin.“ Der da so schwärmt, ist nicht etwa ein greiser Veteran der ersten Hippie-Stunde. Nein, Ian Astbury, blutjunge 23, gehört als Sänger der britischen Band THE CULT zu den selbst ernannten Pionieren der nicht-abebben-wollenden Neo Psychedelic-Welle.

Für das erfolgversprechende Projekt, das anfangs den Namen Death Cult trug, ließ Astbury seinen Southern Death Cult sausen, um sich mit dem Gitarristen/Songschreiber Billy Duffy von Theatre Of Hate und dem Bassisten/Keyboarder Jamie Stewart zusammenzutun. Als Vierter im Bunde schwang zunächst Nigel Preston die Schlagstöcke; nachdem der sich verabschiedet hatte, sprang für kurze Zeit Big Countrys Mark Brzezicki ein. Als festes Mitghed fand sich schließlich Les Warner, der schon für Julian Lennon und Randy California arbeitetete.

In London sprach es sich in Windeseile herum, daß The Cult mit ihrer Mischung aus psychedelischem Hard Rock und Punk, mit den berauschenden Gitarrenbögen, den strammen Drumkaskaden und Astburys beschwörendem Gesang jedes ihrer Konzerte in eine Hypnose-Sitzung verwandelten. Ihr zweites, vom Wham-Produzenten Steve Brown betreutes Album LOVE schnellte gleich nach Erscheinen auf den vierten Rang der heimischen Charts.

Nach seinen musikalischen Favoriten befragt, zählt Astbury, vom Styling her mit seinen langen, mittelgescheitelten Haaren und den schwarzen Klamotten im Psychedelic-Wave-Stil ganz Neo-Hippie, natürlich seine musikalischen Vorfahren auf: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und John Lennon.

Also reiner Totenkult? Nein, nein, er mag auch Lebendige. „Blixa Bargeld find ich gut und Nico. Und Velvet Underground war auch nicht übel. „

Bei so viel Liebe zur Vergangenheit wundert es nicht, daß sich Astbury auch in seinen Texten mit Themen wie „Nirvana“ und „Revolution“ herumschlägt; allerdings wärmt er sie vorwiegend in einem harmlosen Aufguß auf. „In ,Revolution‘ geht es nicht um einen politischen Umsturz, sondern um den ganz persönlichen Bereich. Um die Energie, die Kraft zur Veränderung, die in allen Jugendlichen steckt.“

Im Gegensatz zum Londoner Billy Duffy kommt Astbury aus einem kleinen Dorf bei Liverpool und fühlt sich in London nicht sonderlich wohl. „Ich lebe hier nur, weil die Plattenfirma hier ist, weil sich hier für unsere Band alles abspielt. Ansonsten nervt mich diese Musiker-Inzucht-Clique.“