David Knopfler


Er warnte vor: "Ich bin bekannt dafür, daß ich nicht gerade zimperlich bin, wenn es darum geht, die Arbeit anderer Musiker zu kommentieren." Und in der Tat nahm David Knopfler beim Blindhören kein Blatt vor den Mund. Schließlich stellt er als ambitionierter Songwriter höchste Ansprüche. Trotzdem fand der eine oder andere Kollege noch gnädiges Gehör.

Cactus Rain: „Till The Morning Comes“

„Das klingt nicht übel. Aber der Text — auweia! Das ist bestimmt eine deutsche Sängerin -Sandra? Was. eine englische Produktion? Das hätte ich nicht gedacht. Das Trompetensolo in der Mitte finde ich gut, aber die Sängerin mag ich nicht. Die Snare-Drum scheint mir ein billiges Sample zu sein. Aber es könnte ein Hit werden, zumindest in Deutschland. Wenn’s im Radio liefe, würde ich’s jedenfalls nicht gleich ausmachen.“

Simple Minds: „Let There Be Love“

„Interessant, ein guter Sänger, eine gute Produktion. Aber wieder ein schlechter Text: Your music talks to me — autsch! Das alles klingt ja ganz angenehm, aber wenn ich ,1 Still Haven’t Found What I’m Looking For‘ von U 2 daneben höre, dann verblaßt dieses Stück doch sehr. Ich könnte mir vorstellen, daß da auch ein Deutscher oder Italiener singt. Oder ist es ein Schotte? Vielleicht Big Dish oder Big Country? Was, das waren die Simple Minds? Für ihre Verhältnisse ist das ein schwaches Stück, die waren schon viel besser. Ich finde es überraschend gewöhnlich.“

Carter: „Bloodsport For All“

„Das erinnert mich an den punkigen Stoff der 70er Jahre. Es wirkt jedenfalls nicht sehr zeitgemäß. Der Break in der Mitte ist gut. Das Ganze ist zwar nicht mein Ding, aber ich denke, es wird viele Freunde finden. Scheint mir eine sehr junge Band zu sein — ich wünsche ihr viel Glück.“

Queen: „Innuendo“

„Scheußlicher Stadion-Rock der 70er Jahre! Das hört sich an. als hätte jemand zu viel von Queen gehört, und ich hasse Queen. Das ist Queen? Ich dachte, es wäre eine billige Parodie. Ich verstehe nicht, wie diese Band so viel Erfolg haben kann. Ich kann Freddie Mercurys Gesang nicht ausstehen. It’s a piece of shit. erstaunlich vulgär und hohl.“

Black: „Here It Comes Again“

„Das ist doch nicht Rick Astley. oder? Ich glaube, ich tippe heute andauernd daneben. Diesen Herren finde ich jedenfalls ein wenig schmalzig. Dieser klebrige Background-Chor gefällt mir nicht. Das ist also Black? Enttäuschend, wenn du mich fragst. Er ist ziemlich schlaff geworden. Aber ich denke, das muß man öfter hören, das könnte mir in ein paar Jahren gefallen.“

Dream Warriors: „Ludi“

„Hoppla, was ist das? Ist das dieser Typ, der ,Don’t Worry, Be Happy‘ sang? Ja, das finde ich lustig, das sollte Nummer eins werden. Der verrückteste Song, den ich seit Jahren gehört habe. Schön! Ich kenne die Dream Warriors zwar nicht, aber ich wünsche ihnen viel Erfolg. Endlich mal was Originelles.“

Enigma: „Mea Culpa“

„Yeah, yeah, yeah, sehr sexy — das konnte die zweite Single von Enigma sein. Nicht übel. In einer spanischen Disco um drei Uhr morgens kommt das sicher sehr gut. Aber ich würde es nicht unbedingt mit Kopfhörern zuhause genießen wollen. Auf jeden Fall ist es eine gute Formel, die auch bei der zweiten Single funktioniert.“

Steve Winwood: „I Will Be Here“

„Es fängt schwach an, aber diese Akkordwechsel erinnern mich an Steve Winwood. Genau, das ist er. Was soll man über ihn noch sagen? Die wenigen Takte, die ich bis jetzt gehört habe, gefallen mir. Ich habe den Text auf der Platte gelesen und nicht eine Zeile verstanden. Aber wenn er singt, stimmt plötzlich alles — er ist einfach ein guter Sänger. Da ist es fast wurscht, was er singt. Respekt.“

OMD: „Sailing On The Seven Seas“

„Das Schlagzeug gefällt mir nicht, da ist mir wieder zu viel Computer drin. Der Song kommt mir ziemlich kindisch vor, wie eine schlechte Parodie der Cocteau Twins. Ich habe in letzter Zeit nicht viel Radio gehört, aber mir scheint, viel habe ich nicht versäumt. Wo sind heutzutage die guten Songschreiber? Die Musikverleger müßten sich eigentlich die Haare raufen, wenn sie mit solchen schwachen Sachen konfrontiert werden.“