Depeche Mode

Knüppeldick kam’s gleich zu Beginn: Drei Mann im Darth Vader-Outfit enterten die Bühne, eine halbe Stunde vor offiziellem Konzertbeginn. Front 242 aus Belgien prügelten sich durch eine halbe Stunde Industrie-Disco, ohne Rücksicht auf Verluste. Trockeneis, zuckende Blitze, schummrige Beleuchtung und immer wieder der knochentrockene Computer-Beat — zur Apokalypse fehlte lediglich die Lautstärke, die wohl seitens der Headliner nicht gewährt wurde. Die Teenager mochten’s überraschenderweise trotzdem.

Dann wurde es ernst. Richard Wagner hätte seine Freude gehabt, als zu den aufbrausenden Orffschen Klangkaskaden von „Pimpf das Licht in der Halle gelöscht wurde. Plötzlich kam Wind auf. der effektvoll den von hinten beleuchteten, fast durchsichtigen Vorhang blähte. Und unheilschwanger entstiegen unsere jugendlichen Helden den Nebelschwaden.

Es gibt kein Schlagzeug, nur drei Podeste, auf denen jeweils ein Sampling-Keyboard Platz hat. Das komplette Drum-Programming wird per Sequenzen eingespielt, was niemanden auch nur ansatzweise stört. Hier geht’s ja auch nicht um irgendwelche veralteten Rock’n’Roll-Klischees, hier befinden wir uns in der MIDI-Welt (Musical Instrumental Digital Interface), wo Freund Mikroprozessor den Takt angibt.

Was Depeche Mode auszeichnet, ist das schier endlose Hit-Reservoire. Eine Top Ten-Melodie nach der andern wird in die Menge genagelt, immer mollschwanger destruktiv an der Basis, mit anschliessendem Sonnenaufgang-Refrain. Sänger Dave Gahan zeigt, daß er mittlerweile auch den „C’mon-everybody — clapyour-hands!“ — Frontappeai drauf hat und läßt genüßlich seinen Hintern kreisen.

Die Lightshow, natürlich der Genesisgepflegte Varilite-Standard, ist diesmal sehr geschmackvoll in Pastellfarben gehalten, mit effektvoll bestrahlten Stoffvorhängen, die als Hintergrund eine variantenreiche Dekoration abgeben. Die Fangemeinde in der nur zu zwei Drittel gefüllten Olympiahalle hat keinen Grund zur Beschwerde. Man wird von frühen Werken wie „Everything Counts“ über „People Are People“ bis hin zur magischen letzten Single „Never Let Me Down“ umfassend versorgt. Einige Abstimmungsprobleme der zugespielten Sounds mit den tatsächlich live erzeugten, fallen sowieso nur so Parade-Nörglern wie Kritikern und ähnlichem Gesindel auf.

Warum wird Iggy Pop nach Dekaden mit einigen Höhen und tiefsten Tälern jetzt verehrt und geliebt wie nie zuvor? Antwort liefert unsere Titelgeschichte über den „Godfather of Punk“. Dem Heft liegt exklusiv eine Vinyl-Single mit Live-Versionen von „The Passenger“ und „Lust For Life“ bei, festgehalten während des 2023er Konzerts beim Montreux Jazz Festival. Die MUSIKEXPRESS-Ausgabe gibt es hier bequem zum Bestellen.