Dunkle Depeche-Mode-Songs: Die 10 besten nach BLACK CELEBRATION
Von „Sister of Night“ bis „My Cosmos Is Mine“: Hier kommen zehn wirklich dunkle Depeche-Mode-Tracks.
You want it darker?
1. „To Have And To Hold“ (von MUSIC FOR THE MASSES, 1987)
Zu Beginn ist ein sowjetischer Radiosprecher zu hören, der über die Gefahren des atomaren Wettrüstens berichtet. Der Song basiert auf einem Gore-Demo, das noch deutlich poppiger klingt. Alan Wilder verschiebt es in klaustrophobische Dunkelheit.
Martin Gore lässt seine ursprüngliche Vorstellung aber nicht ganz fallen: Als „To Have And To Hold (Spanish Taster)“ ist seine leichtere Variante ein Bonus-Track der CD-Version des Albums.
2. „Death’s Door“ (vom Soundtrack von „Until the End of the World“, 1991)
Wim Wenders hat für den Soundtrack zu seinem Film bereits eine erstaunliche Riege zusammengetrommelt: U2, R.E.M., Nick Cave, Patti Smith, Lou Reed. Depeche Mode hätte er auch noch gerne. Gore schlägt ein Stück vor, das er übrig hat, weil es nicht zum Sound von VIOLATOR passte. Wilder arrangiert es als düsteres Cool-Jazz-Stück im Stil des Soundtracks von „Twin Peaks“. Ein etwas wärmerer „Jazz-Mix“ wird später die B-Seite der 1993er-Single „Condemnation“.
3. „One Caress“ (von SONGS OF FAITH AND DEVOTION, 1993)
Ein Ausflug in die „E-Musik“: Beinahe aus einer Laune heraus übernimmt ein Streichquartett die Instrumentierung, Martin Gore singt beinahe spontan dazu, mit einer gewissen Ehrfurcht vor dem Können der studierten Musiker. Die Komposition klingt sakral, auf diffuse Art feierlich – und wie kein anderes Stück der Band.
4. „Judas“ (von SONGS OF FAITH AND DEVOTION, 1993)
Zu Beginn lassen Depeche Mode mit Hall unterlegte Dudelsäcke aufspielen, dann geht der Song in einen langsamen Rhythmus über, bevor im Refrain dunkle Streicher die Melodie unterlegen. Der Text handelt von toxischer Liebe: von Verrat, Zweifeln – und dem Fehlglauben, Liebe habe etwas mit Unterwerfung zu tun. Für das finale Mantra „If you want my love“ nutzt die Band mehrere Dutzend Gesangsspuren.
5. „Sister Of Night“ (von ULTRA, 1997)
Dave Gahan hat einen Suizidversuch hinter sich, das Heroin bestimmt sein Leben und ruiniert seine Fähigkeiten als Sänger. Im Studio in New York bekommt er nicht viel hin, teilweise muss er die Tracks Zeile für Zeile einsingen.
„Sister Of Night“ wird dennoch zur Glanzleistung: Gahan steigt in die dunkle Welt von Gores Komposition ein, singt wahrhaftig und mit dunkler Eleganz.
6. „The Dead of Night“ (von EXCITER, 2001)
Eine Zombiegeschichte über das kaputte Nachtleben in London Ende der Neunziger, inspiriert von einem Club im Eastend, in dem der Drogenkonsum in den V.I.P.-Areas eine teuflische Zombiewelt entstehen lässt, in der kaputte Gestalten sich selbst zerstören. Die Synthesizer sollten möglichst dreckig klingen. Kaum ein Song der Band haut einen so sehr aus der Komfortzone: uneasy listening.
7. „The Darkest Star“ (von PLAYING THE ANGEL, 2005)
Der inoffizielle Titeltrack des Albums PLAYING THE ANGEL – der Titel verweist auf das ewige innere Duell zwischen Engel und Teufel. Der Text ist zugleich eine Hommage an die Fans der Band, an die „eternal outsiders“, die den Mut haben, sich ihrer dunklen Seite zu stellen: „Stay as you are the darkest star / Shining for me, majestically.“
8. „Jezebel“ (von SOUNDS OF THE UNIVERSE, 2009)
Wie so häufig landet die Liebe bei Gore über einige Umwege in der Hölle. In einem Interview sagt er: „Verrat, Sehnsucht, Leid, Religion und Sex – alles in einem Song. Vielleicht habe ich endlich den ultimativen Depeche-Mode-Songtext geschrieben?“
Die Musik klingt wie ein kosmischer Elektro-Marsch, durchaus erhebend, aber Vorsicht: „You’re going straight to hell.“
9. „The Worst Crime“ (von SPIRIT, 2017)
SPIRIT ist ein Album mit Liedern über weltliche Sünden: den Rückschritt der Zivilisation, das Versagen des Westens – oder, in diesem Stück, den Klimawandel als menschengemachte Apokalypse in progress. Ein größeres Verbrechen ist für Martin Gore nicht vorstellbar.
Die Musik klingt nach der Endzeit-Variante eines Morricone-Soundtracks.
10. „My Cosmos Is Mine“ (von MEMENTO MORI, 2023)
Zerschossen von den Nachrichten und Übergriffen der vergangenen Monate, verbittet sich Gore im Text jegliches weitere Eindringen: „My Cosmos Is Mine“.
Die Musik zischt und poltert, bietet einen sensationellen Zwischenteil, der an die Art-Pop-Theatralik der Sparks erinnert – nur halt ausgelebt im Keller.






