Der englische Patient: Warum Mark Ronson in den USA floppte – bis „Uptown Funk“ mit Bruno Mars erschien

Es ist erstaunlich, dass Mark Ronson bisher in den USA keinerlei Erfolge erzielen konnte. Die Musik des britischen Produzenten-Songwriters ist schließlich zu großen Teilen genuin amerikanisch. Auf dem Debütalbum HERE COMES THE FUZZ (2003) rappten bzw. sangen Ghostface Killah, Mos Def und Rivers Cuomo. 2007 war „Valerie“, die Zutons-Nummer mit Amy Winehouse am Mikro, ein Hit, dem man in Europa nicht entkommen konnte. In Amerika offenbar sehr gut. Und RECORD COLLECTION (2010) wurde von Theophilus London, D’Angelo und Alex Greenwald von Phantom Planet veredelt. Weltmusik, die dort, wo die Welt am hellsten leuchtet, wo Pop einer ihrer elementaren Bestandteile ist und wo Ronson bevorzugt abhängt, floppte.

Ich traf ihn vor einigen Jahren, da mühte er sich redlich, den Eindruck zu vermitteln, das sei ihm herzlich egal. Amerika, so diktierte er mir, sei ein Land mit einem schlimmen Geschmack. Bloß nicht das Autoradio andrehen. Nun also „Uptown Funk“. Ronsons Ticket in die Rotation. Und damit in die Hitparaden. Es ist kein schlechter Song, sondern sauber gedrechseltes Kunsthandwerk. Kuckucksuhrenpop. Kann man erklären wie einen Weißwein: ein Hauch von James Brown, dazu Nuancen vom frühen Disco-Sound der Philly-Schule. Handclaps, Parliament, im Abgang der junge Michael Jackson. Eine Produktion, die das Ganze nicht neu kontextualisiert, aber dafür sorgt, dass der Song nicht vintage, sondern diffus retro klingt.

Es dürfte aber nicht an Ronson liegen, dass Amerika zu diesen vier Minuten tanzt. Feature-Gast Bruno Mars, der die Gesangspflichten übernommen hat, ist neben Justin Timberlake der größte Popstar Amerikas. Das Goldkehlchen, dessen kompletter Katalog von Kinderzimmerflaum überzogen ist, klingt unter Ronson ganz lässig. Produzieren, das dürfen wir nicht vergessen, kann der Mann unglaublich gut. Momentan arbeitet er angeblich mit Lana Del Rey an deren neuem Werk HONEYMOON. Er scheint es sich einrichten zu wollen, da in Amerika.

Diese Kolumne ist in der März-Ausgabe des Musikexpress erschienen.

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