„Der erste Teil war eine ziemliche Schwanzparade“: Regisseur Gareth Evans im Interview über „The Raid 2: Berandal“

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Regisseur Gareth Evans mit Protagonist Iko Uwais.

Ein testosterongeladener Spaß: Das Martial-Arts-Meisterwerk THE RAID von 2011 hat mittlerweile Kultstatus. Jede Menge Blut, Kampfkunst und ein Alterslimit ab 18 Jahren erwartet uns auch im zweiten Teil THE RAID II: BERANDAL, der am 24. Juli in die deutschen Kinos kommt. Mit unserer Autorin Annabella Kittel sprach Regisseur Gareth Evans über starke Charaktere, Schwanzparaden und neue Herausforderungen.

ME: Schneller, aggressiver, spektakulärer – für die Fortsetzung von THE RAID haben Sie sich doch noch ganz schön was einfallen lassen.

Gareth Evans:Ich hasse es, wenn die Fortsetzung eines Filmes im Grunde dieselbe Geschichte ist – ich mag keine Wiederholungen. Für mich war es daher klar, dass ich neue Wege beschreiten und neue Dinge entdecken und ausprobieren wollte. THE RAID I spielte in nur einem Haus – was spannend war, uns aber auch extrem eingeschränkt hat. Wir haben daher das Universum des ersten Teils genommen und es an andere Orte gebracht. Das waren plötzlich ganz neue Freiheiten – wir dachten uns „Warum nicht ein Kampf in der U-Bahn?! Oder im Auto! Eine Verfolgungsjagd!“.

ME: Klingt so, als hätten Sie Ihren Kameramann vor so manche Herausforderung gestellt.

Evans (lacht):Jaja, mich und meinen Kameramann verbindet eine Hassliebe! Wir sprechen immer darüber, wie wir welche Actionszene machen wollen – bei THE RAID I haben wir beispielsweise eine Szene gedreht, für die wir die Kamera durch ein Loch im Boden gehoben haben. Ich habe dieselbe Technik für den zweiten Teil vorgeschlagen: „Wir könnten dasselbe doch auch in einem Auto machen!“, meinte ich, und mein Kameramann sagte: „Ja, klar, das können wir machen!“. Als ich allerdings ergänzte, dass die Autos sich währenddessen eine wilde Verfolgungsjagd liefern sollen, ist er erstmal ausgeflippt und hat mich wüst als Wahnsinnigen beschimpft. Als die Szene dann schlussendlich doch irgendwann im Kasten war, waren aber alle glücklich und friedfertig. Für den nächsten Film habe ich bereits ein paar noch wildere Ideen im Kopf, für die er mich bereits wieder angeschrien hat!

ME: Einige Ihrer Figuren sind besonders charakterstark. Was hat es beispielsweise mit Prakoso, dem machetenschwingenden Handlanger des Untergrundbosses Bangun, auf sich?

Evans:Der Charakter Prakoso (gespielt von Yayan Ruhian, der im ersten Teil als „Mad Dog“ zu sehen war, Anm. d. Red.) stellt eine Art Spiegel zum Protagonisten Rama (Iko Uwais) dar. Es war mir wichtig, seinen inneren Zwiespalt aufzuzeigen: einerseits Mörder, andererseits liebender Familienvater. Er zeigt auf was Rama passieren könnte, wie auch sein Leben verlaufen könnte, wenn dieser nicht das tun würde, was er zum Ende hin schließlich tut.

ME: Das „Hammer Girl“ ist ein weiteres Highlight im Film. Ist ihr Charakter an den von Gogo Yubari in Quentin Tarantinos KILL BILL angelehnt?

Evans: Das könnte schon möglich sein. Aber vor allen Dingen haben mich meine Freunde darauf aufmerksam gemacht, dass THE RAID 1 eine ziemliche Schwanzparade ist (lacht)! Es war also Zeit für eine starke weibliche Figur. Sie sollte genauso austeilen können wie die Männer. Inspiriert wurde ich dabei viel von den Film „Chungking Express“, mit dem man vor allem die ikonische Brigitte Lin verbindet. In Zukunft möchte ich definitiv mehr Frauencharaktere involvieren. Wenn ich allein daran denke wie hart Julie Estelle ganze sechs Monate für die Rolle als „Hammer Girl“ trainiert hat, ohne einen Martial-Arts-Background zu haben, will ich mehr davon. Im Moment produziere ich auch einen weiteren Film mit Julie, den ein Freund von mir macht. Er heißt „The Night Comes For Us“. Da kann sie dann auch ohne Waffen ordentlich zuschlagen. Ihre Entwicklung ist einfach Wahnsinn und davon möchte ich noch länger profitieren können.

ME: Es erscheint überraschend, dass Sie jemanden gecastet haben, der zu Beginn nicht mit Martial Arts vertraut war.

Evans: Ich habe ein offenes Casting für die Rolle ausgeschrieben. Das ging über fünf Tage, in denen sie gegen einander antreten mussten. Wer zu spät oder gar nicht kam, war raus, da war ich sehr strikt. Am letzten Tag mussten sie sich alle noch einmal präsentieren, denn mir war nicht nur das Kämpfen, sondern auch das Performen wichtig. Und Julie war mit ihrem Fokus, Engagement und ihrer Energie schnell über jeden Zweifel erhaben. Sie filmte sich jeden Tag beim Üben, um sich das Video im Nachhinein anschauen und sich dadurch verbessern zu können.

ME: Wie gehen Sie an die Musikauswahl Ihrer Filme heran?

Evans:Normalerweise arbeite ich eng mit den Komponisten zusammen, um so den Stil und die Tonalität des Films zu festigen. Bei THE RAID 2 habe ich es aber anders gemacht. Ich wollte weniger kontrollieren und schauen, was sie für Ideen zu den einzelnen Szenen entwickeln würden. Dafür kollaborierten indonesische und amerikanische Komponisten und konnten dadurch eine Fusion unterschiedlichster Stile erreichen. Traditionelles traf auf Elektronisches. Das hatte etwas sehr Erfrischendes für mich. Außerdem nutzten wir noch für das Finale des Films zwei Songs von Nine Inch Nails. Ich fand es so aufregend als Trent Reznor über THE RAID 1 etwas Positives twitterte, denn ich bin ein großer Fan seiner Musik. Also traute ich mich und fragte ihn, ob wir im Sequel Musik von ihm nutzen könnten. Das wollte ich so unbedingt! Wir hatten sogar am Set die Songs von Nine Inch Nails laufen.

ME: Gab es etwas beim Dreh, das ganz und gar nicht so gelaufen ist wie Sie es sich vorgestellt haben?

Evans: Es ist zum Glück nichts passiert, was man nicht mit einer Tasse Tee und zwei Stunden Ruhe hätte wieder gut machen können. Aber bei einer Szene, die im Matsch und Regen spielt, habe ich beim Drehen meine Schuhe verloren. Danach hatte ich keine Lust mehr auf noch mehr Matsch. Ich bin Mitte Dreißig und zu alt für solch einen Mist! Das war mein ganz persönliches Glastonbury!

THE RAID 2: BERANDAL startet am 24. Juli 2014 in den deutschen Kinos.



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