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Die 11 unpeinlichsten Momente beim ECHO 2016

Damit es nicht wieder heißt, der Musikexpress mache alles mies, was kommerziellen Erfolg habe: Nein, es war nicht alles schlecht bei der ECHO-Verleihung 2016. Gut, die 25. Ausgabe dieser Branchenselbstbeweihräucherung war auch über halbgare Bowie-Tribute und Frei.Wild-Auszeichnungen hinaus nicht arm an peinlichen Momenten. Folgende Ausnahmen aber bestätigten die Regel, und nächstes Jahr wird bestimmt alles besser wie immer.

1. Der Auftritt von The Weeknd

Ex-Echo-Kritikerpreis-Jurymitglied Jens Balzer von der „Berliner Zeitung“ griff vielleicht ein wenig zu hoch, als er The Weeknds Musik als „wagemutige musikalische Avantgarde“ bezeichnete. Im Vergleich zu all dem weichgespülten Konsensrest, der beim ECHO prämiert wurde, trifft die Beschreibung aber problemlos zu: The Weeknds „The Hills“ war ein Lichtblick, auch wenn Abel Tesfaye später im Publikum nicht den Eindruck machte, er sei so gerne hier, wie im Einspieler behauptet wurde. Aber egal, er hat zum Glück ja auch Barbara Schönebergers Witz über seine „Vogelnest“-Frisur nicht verstanden!

2. Die Drinks auf der Aftershowparty

Im Auftrag der 1Live-Sendung „Plan B“ postete Drangsal munter Fotos seiner Echo-Erlebnisse auf Facebook. Darauf fast ausschließlich zu sehen: Alkohol in jeder Form seines örtlichen Daseins.

3. Michael Müllers Laudatio auf Roland Kaiser

Der Regierende Bürgermeister von Berlin überreichte Roland Kaiser einen ECHO für dessen „soziales Engagement“ und erklärte das unter anderem mit den Worten: „Sie haben deutlich gemacht, dass es auch in diesen Zeiten in unserem Land darauf ankommt, sich zu engagieren, für etwas, das wichtig ist in unserem Land, nämlich wiederum für Solidarität, für Aufnahme, für Toleranz, für Hilfe den Menschen gegenüber, die Hilfe brauchen“. Selbst BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke lässt sich wie folgt zitieren: „Größten Respekt verdient nicht zuletzt sein mutiges Eintreten für eine weltoffene, empathische Gesellschaft als Reaktion auf die PEGIDA-Bewegung.“ Eine Begründung, die die Einladung und Auszeichnung von Frei.Wild freilich noch absurder aussehen lässt als vorher. Aber wen stören schon solche Kleinigkeiten im großen bunten Showprogramm.

4. Die Buhrufe gegen Frei.Wild

Vor drei Jahren noch kam es zum Eklat, als Frei.Wild bloß für einen ECHO nominiert wurden. Bands wie Kraftklub, Jennifer Rostock und Die Ärzte erteilten der Veranstaltung deshalb eine Absage, die Macher selbst gründeten in scheinbarer Selbstkritik einen Ethikrat. All das ist längst vergessen, heute kriegt die Rockband aus Südtirol einfach ihren Preis. Als Protest gilt offenbar schon, wenn wer im Publikum nicht klatscht. Die vereinzelten Buhrufe quittiert Frei.Wild-Sänger Philipp Burger, charmant wie immer, mit einem Mittelfinger. Mehr Eklat war dieses Mal leider nicht drin – und das in einem Jahr, in dem die Stimmung in Deutschland schon ohne Liedgut wie dem von Frei.Wild gefährlich ins Nationalistische zu kippen droht.

5. (Fast) jeder Satz von Max Raabe

Ja, Max Raabe ist ein aus der Zeit gefallener Gentleman und Kauz, der genau deshalb ein stets gern gesehener Laudator ist. Dabei fallen natürlich auch mal Sprachkonstrukte ab, deren Witz sich nicht so recht erschließen will. Aber selbst wenn Raabe sich um Lockerheit dabei bemüht, seine Distanz und Nähe zu Genres wie „Crossover“, „Rock“ und „Alternative“ zu verlautmalern, ist jedes Wort von ihm intelligenter und unterhaltsamer als von, sagen wir, Robin Schulz. Oder von Frei.Wild.

6. Udo Lindenbergs vermeintlicher Playback-Patzer

Der Patzer war natürlich keiner. Udo Lindenberg wäre nicht Udo Lindenberg, wenn er nicht genau wüsste, was er da tut, als er im zweiten Refrain munter sein Mikro kreisen lässt. Und selbst, wenn es doch ein Patzer gewesen wäre: Jemandem, der in diesem Alter noch nachts um 3 mit Benjamin von Stuckrad-Barre um die Alster joggt, will man eh nichts übel nehmen.

https://youtu.be/RRd8OYlj2eg?t=2m5s

7. Kollegahs Dankesrede

Circa 23:20 Uhr. Kollegah bekommt von Rea Garvey seinen Preis in der Kategorie „HipHop/Urban National“. Er sagt: „Dass wir Rapper immer noch bis kurz vors Ende der Show geschoben werden, ist vielleicht nicht mehr so ganz zeitgemäß. Angesichts der Tatsache, dass wir das am stärksten wachsende Musikgenre der letzten fünf Jahre sind.“ Und benennt dabei gleich zwei Problemkinder beim Namen: Ja, es geht hier um nichts anderes als verkaufte Platten. Und ja, potentielle Krawallmacher schiebt man lieber ans Ende der Sendezeit. (Bei Frei.Wild ging das nicht, weil die am gleichen Abend noch ein Konzert woanders spielen mussten/durften.)

8. (Ein paar) Sprüche von Barbara Schöneberger

„Von der Lolita zur Zellulita“, „Cro und ich haben so viel gemeinsam – ohne Maske erkennt man uns nicht“ und so weiter: Gut, Moderationsmonster Barbara Schöneberger kam auch schon mal mit weniger Selbstreferenz durch einen Showabend. Aber lustiger und mutiger als eine, sagen wir, Helene Fischer wäre sie selbst gefangen in Guantanamo noch. Weil sie es kann und weil man sie lässt. Wenigstens ein bisschen.

9. Der Kritikerpreis

Kleiner Scherz. Während der Kritikerpreis in den vergangenen Jahren an Künstler wie Kraftklub, DJ Koze und Deichkind ging, gewann 2016 mit Joris ein Newcomer, der nicht mehr und nicht weniger als radiotauglichen Songwriterpop macht, der keinem wehtut – und damit Musik, die wie gemacht ist für den ECHO. Eine Auszeichnung, die sich deshalb auch so manches Jurymitglied selbst nicht so recht erklären kann.

10. Aki Bosses Mittelfinger gegen „jedes Nazi-Schwein“

Ein Raunen ging Augenzeugenberichten zufolge durch den Saal sowie durch Deutschlands Wohnzimmer: Darf der das denn? Steht das so im Ablaufplan? Gerät die Veranstaltung jetzt außer Kontrolle? Nein, geriet sie leider nicht. Aber jemand zeigte kurz Gesicht. Für fünf Sekunden, immerhin.

11. Die Diskussionsbeiträge danach

Von „Intro“ über „Berliner Zeitung“, „Spiegel Online“, „Welt Online“ bis hin zu Yours Truly, Musikexpress: Durch die mutmaßliche Selbst-Demontage der Veranstalter waren Debatten über Sinn und Unsinn der ECHO-Preisverleihung sowie über den Umgang mit Bands wie Frei.Wild wieder in aller Munde. Und immerhin das darf doch milde optimistisch stimmen. Bis zum nächsten Jahr.


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