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Die Alben der Woche: 9. – 15. April

Platte der Woche: Die Ärzte – Auch
Farin Urlaub beschränkt sich in seinen Liedern diesmal weitgehend auf die ganz leichte Muse, sieht man mal ab von den personal politics im Punkrock-Themensong (ein DÄ-Standard) „Ist das noch Punkrock?“ und dem theologisch-philosophisch-blasphemischen Exkurs „Waldspaziergang mit Folgen“, in dem der „gläubige Atheist“ (U. über U.) über „einen Gott bei mir im Regal“ falsettiert (!). Es sind wieder die Farin-Songs, die am schnellsten ins Ohrwurmzentrum vordringen – eine Metal-Pastiche, ein Disco-Feger, Flamenco-Gedöns, der selbstreferenzielle Stil-Hackbraten „TCR“ inkl. Schnittstelle für Live-Späße. Das hat routinierten Schmiss, gewohnt hohe „production values“, Witz und Selbstironie, aber die letzte Schraubendrehung in Richtung Wahnsinn, der kompromisslose höhere Blödsinn und die „niveautechnische Grenzwertunterschreitung“, die „TCR“ beschwört, fehlen seltsam. Wollen die Ärzte dieses Feld auf lange Sicht Deichkind überlassen?“ (ME-Autor Josef Winkler)

J
Jason Mraz – Love Is A Four Letter Word  

K
Krazy Baldhead – The Noise In The Sky

M
Mariee Sioux – Gift For The End
Mittekill – All But Bored, Weak And Old
Es könnte auch ein Schlaflied sein, für euch, liebe coole Mitte-Kids, die ihr nach der täglich’ Medienzeit noch in den Runterfahrmodus kommen müsst: „Mach die Augen zu, finde deine Ruh’“. Das sind die ersten Zeilen, die Friedrich Greiling auf dem neuen Mittekill-Album nur vom Piano und einem Klackern im Hintergrund begleitet singt, so sanft, fürsorglich und bedächtig. Doch alsbald werden des Sängers Worte gründlich von Wehmut eingeholt: „Hast dein Leben lang danach gesucht / es ist jetzt vollbracht, ich halte für dich Wacht / an der letzten Tür sag ich Lebwohl zu dir“. So geht das bei Mittekill 2012, im sanften Gesumm stürzt die Welt ein, im „Chinaimbiss Berlin“ erinnert der Sänger sich an die „abgefuckteste Nacht“, im bohemistischen Wohnzimmerravetrack „Jobs“ verweigert er sich der kapitalistischen Arbeitsethik („wenn Autos sich stauen, küss ich lieber Frauen“). Diese Songs kommen Lesezeichen im großen Almanach der Mitte gleich, in dem zu erfahren ist, was den Kindern auf dem Planeten Berlin so schrecklich weh oder gut tut.“ (ME-Autor Frank Sawatzki)



„The Rocky Horror Picture Show“ ist eine zutiefst biedere, kopfschmerzige Bonbon-Ekstase
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