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Kritik & Hintergrund

„Die Bande aus der Baker Street“ bei Netflix: Die Sherlock-Spezialeinheit

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Das Universum des berühmtesten Detektivs der Literaturgeschichte ist groß. Die Figur Sherlock Holmes entstammt der Kurzgeschichtenreihe von Schriftsteller Arthur Conan Doyle, die Spielräume für verschiedenste Produktionen, Adaptionen und Fan-Fiction der modernen Popkultur bereithält. Nicht mal eine Woche brauchte der Schriftsteller zu Lebzeiten für die kurzen Detektivgeschichten, die monatlich in einem Magazin erschienen und stets abgeschlossene Fälle durchspielten – keine Fortsetzungen. So entstand eine Fülle an Storys, Charakteren und Nebenhandlungen, in denen auch die Serie „Die Bande aus der Baker Street“ (The Irregulars) ihren Platz findet und nun als Netflix-Produktion in acht Episoden erscheint.

Hier geht es zum Trailer:

Keine Frischlinge

Dabei ist das nicht die erste Adaption, die die Sherlock-Spezialeinheit, die Londoner Straßenkinder, ins Zentrum rückt. Die BBC-Kinderserie „Die Abenteuer der Baker Street Bande“ (The Baker Street Boys) wurde hierzulande Anfang der Neunziger im ZDF ausgestrahlt. In der modernen Serienadaption „Sherlock“ werden die Kinder dagegen nicht erwähnt. Hier hilft ein Obdachlosen-Netzwerk in der Not. Die amerikanische Fernsehserie „Elementary“ – die Sherlock in New York und Dr. Watson erstmals als Frau zeichnet – nimmt dagegen in ein paar Folgen Bezug auf die Bande. Mal als „Hacker-Kollektiv“, dann wieder als Gehilfen Sherlocks, die er nur die „Irregulären“ nennt. Sogar Japanische Serienadaptionen vergessen die Bande (Kabukicho Irregulars) nicht. Doch wer genau sind diese Kinder aus der Baker Street überhaupt?

Der erste Auftritt

Schon im ersten Buch von Arthur Conan Doyle, der Geburtsstunde der Figur Sherlock Holmes, bekommt die Gruppe Londoner Straßenkinder einen Auftritt. In „Eine Studie in Scharlachrot“ (A Study in Scarlet) begegnet Dr. Watson ihnen das erste Mal und beschreibt sie mit den Worten: „Sechs schmutzige kleine Schurken standen in einer Reihe wie viele schäbige Statuetten.“ Sie sind „die Baker Street-Abteilung der Detektivpolizei“, wie der Meisterdetektiv sie später selbst vorstellt.

Er heuert sie für Aufträge und Missionen auf Londons Straßen an. Meistens Aufgaben, die er selbst nicht erledigen könnte. Denn der Vorteil der Kinder ist so genial wie banal: Sie sind unscheinbar und sehen aus wie gewöhnliche Bettelkinder. Angeführt werden sie vom jungen Oberhaupt Wiggins. Für ihre Dienste zahlt Sherlock für die damaligen Verhältnisse des viktorianischen Londons gut: ein Schilling pro Tag, Deckung aller Betriebskosten und dazu einen Extra-Bonus, für das Bandenmitglied, das den entscheidenden Hinweis liefert.

Viktorianischer Horror

In der Netflix-Serie spielen die Londoner Straßenkinder nun die Hauptrolle und Sherlock bleibt im Hintergrund. Drehbuchautor Tom Bidwell („Unten am Fluß“) ist selbst Fan des Meisterdetektivs und hatte die Idee der Serie schon lange im Hinterkopf bis er sich getraut hat, sie auch umzusetzen. Dabei herausgekommen ist eine Truppe Teenager, die nicht nur gegen fiese Schurken, sondern vor allem gegen eine magische Bedrohung kämpfen muss, die London heimsucht. „Das übernatürliche Element bringt eine Art viktorianischen Horror in die Show, der sich sehr von dem unterscheidet, was man von den Sherlock-Holmes-Romanen erwartet“, erklärt Bidwell selbst.

Doch angeführt wird „Die Bande aus der Baker Street“ diesmal nicht von einem Jungen, sondern sie bekommt bewusst zeitgemäß eine weibliche Anführerin namens Bea (Thaddea Graham). Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Jessie (Darci Shaw) und ihren Freunden Spike (McKell David), Billy (Jojo Macari) und Frischling Leopold (Harrison Osterfield) lösen die fünf mysteriöse Fälle für Dr. Watson (Royce Pierreson), der diesmal als zwielichtige Figur erscheint und die Heranwachsenden in die Welt der Magie einführt. Obwohl die Serie im viktorianischen Sherlock-Zeitalter spielt, wirken die Charaktere modern. Denn die Themen bleiben stets dieselben: Freundschaft, Teamwork und Gefühle.

Zusammen meistern sie das Böse, das diesmal im Übernatürlichen zu finden ist und dadurch eine ganz andere Baker-Street-Geschichte erzählt. Eigentlich gilt der Bewohner in Hausnummer 221b als größter Rationalist, den London je gesehen hat. Sein Schöpfer Arthur Conan Doyle glaubte dagegen an das Mystische. Er schrieb nicht nur Detektivgeschichten, sondern auch Sachbücher wie „Spuren, Elfen und andere Erscheinungen“. Nun versucht „Die Bande aus der Baker Street“ beides zu verbinden und erschafft damit ein frisches, neues Mystery-Abenteuer in der Welt des berühmtesten Detektivs.

Staffel 1 von „Die Bande aus der Baker Street“ mit Thaddea Graham und Royce Pierreson startet am Freitag, den 26.03.21 bei Netflix. Sie umfasst acht Folgen, die jeweils ca. 40 Minuten lang sind.

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