Drei is ’ne Party: Warum Paul McCartney, Rihanna und Kanye West Febreze-Feeling versprühen

Als ich neun oder zehn Jahre alt war, bestand Popmusik für mich aus den Arbeiten von Paul McCartney, und das kam so: Meine Eltern bevorrateten zwar eine große Sammlung an Klassik-Schallplatten, aber nur eine, die ich mochte, nämlich das „rote Album“ von den Beatles. Mein Bruder war Anhänger von McCartneys Solo-Katalog, vor allem „Ebony And Ivory“, der Song mit Stevie Wonder, suppte mit schöner Regelmäßigkeit aus seinem Zimmer. Mein bester Schulfreund schaute gerne eine Sendung namens „Kinder-Wurlitzer“, in der häufig das Video zu „Say Say Say“ gespielt wurde. Bekanntermaßen ist das ebenfalls ein Duett. Noch heute sind diese beiden Lieder meine liebsten von Paul McCartney, ich bin da also sehr tolerant.

Umso mehr freute ich mich, als ich von vorliegendem Song hörte. Macca gemeinsam mit Rihanna, um die ich mir zuletzt Sorgen machte – sie hat weder im letzten noch im vorletzten November ein Album veröffentlicht –, und Kanye West! Meine Erwartungen waren hoch. Das Resultat erinnert leider an eine halbgare Ofenkartoffel. „FourFiveSeconds“, das sich gerade anschickt, weltweit Erfolg zu haben, ist ein Reißbrettsommerhit, dem nicht nur der Stallgeruch McCartneys abgeht. Zwar singt Rihanna gewohnt angenehm, zwar singt auch Kanye West, sogar ohne den Einsatz technischer Hilfsmittel. Trotzdem: Das Lied transportiert ein Febreze-Feeling, das man so von keinem der Beteiligten kennt. Das könnten auch die Black Eyed Peas sein.

McCartneys Klampfe klampft, RiRi erwähnt, dass man noch „three more days ’til friday“ habe, was andeutet, dass der Song an einem Dienstag aufgenommen wurde, und was häufig wiederholt wird. Später bittet Kanye West sie, im Falle eines Falles für seine Kaution aufzukommen. Gefängnis­aufenthalte sind bei dieser Fun-Generation offenbar als Kollateralschäden des hart Feierns eingepreist. Paul McCartney bleibt während des Songs mit seiner Gitarre im Hintergrund und ansonsten still, vermutlich deshalb. Drei sind meis­tens ohnehin einer zu viel.

Diese Kolumne ist in der Mai-Ausgabe des Musikexpress erschienen.

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