Eurovision Song Contest 2022: Was Peter Urban und Jörg Seisselberg über Malik Harris und die Ukraine als möglicher Gewinner sagen

von

Am Samstag (14. Mai) geht das Finale des Eurovision Song Contest 2022 über die Bühne. Doch kein ESC ohne Peter Urban: Wer Musik liebt, kennt „die Stimme“ aus TV und Radio. 2022 ist es das 25. Mal, dass der 74-Jährige die Show im deutschen Fernsehen kommentiert. Zwei Tage vor dem ESC erreichten wir Urban per Mail, seine erste Antwort: „Ich stecke zwischen Proben und Texteschreiben, für drei Shows – zwei Semis und ein Finale“. Unsere Fragen nach der Bedeutung des ESC im Heute und seinen Gedanken nach 25 Jahren beantwortete er trotzdem gerne. 

Peter Urban, wie er zum ESC kam: „Ich kam vor 25 Jahren wie die Jungfrau zum Kind. Der beim NDR verantwortliche Jürgen Meier-Beer, mit dem ich große Rock-Events im TV realisiert hatte, fragte mich Anfang 1997, ob ich nicht deutscher Kommentator des ESC sein wolle. Ich war erst zögerlich, mein Verhältnis zum Contest hatte sich in den 80ern und 90ern merklich abgekühlt.“

Aber die Herausforderung, eine große Musikshow live im Fernsehen zu kommentieren, sei verlockend gewesen. Jedes Jahr in einer anderen Metropole Europas. Seitdem habe sich der ESC ständig verändert, schreibt Urban dann, er sei in jeder Hinsicht umfangreicher geworden und die größte Unterhaltungsshow in der Welt. „Und außerdem ist diese Show auch von der Fernseh- und Bühnentechnik her absolut State of the Art. Immer wieder werden dort technische Neuerungen ausprobiert und eingeführt, beispielsweise ein mit Videos bespielbarer Bühnenboden und viele andere Tricks. Diese Sachen würden gar nicht entwickelt ohne den ESC“, weiß Urban.

Peter Urban über die Ukraine beim ESC

Seine Mail schließt er mit den Worten: „Unter den ersten 12 des letzten Jahres waren kaum Mainstream-Titel, sondern eigenständige spannende Songs aus verschiedensten Genres, Hard Rock, Chanson, Soul, Avantgarde Pop, Ethno-Dance und so weiter. Auch das Publikum ist breiter gefächert und jünger geworden, der ESC hat die sozialen Medien geschickt genutzt.“

Über die Rolle der Ukraine beim ESC sagte er zur Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (online): „Natürlich herrscht in Europa eine große Solidarität und Sympathie für die Ukraine und das wird sich sicherlich auch in der Stimmabgabe auswirken. Den Ukrainern ist aber nicht geholfen, wenn sie viele Punkte beim ESC erzielen. Die brauchen andere Hilfe und Solidarität. Insofern denke ich eigentlich nicht, dass die Ukraine gewinnen wird.“

ESC-Experte Jörg Seisselberg über Malik Harris und die politische Botschaft der Ukraine

Auch ARD-Rom-Korrespondent Jörg Seisselberg ist als ESC-Experte vor Ort in Turin. Als er mit dem ME sprach, befand er sich in der Hotellobby nahe der Eventlocation, zwischen Proben und Interviews – und Contest-Teilnehmer*innen im Eingangsbereich des Hotels.

Jörg Seisselberg vor Ort in Turin für den ARD

Russland ist dieses Jahr nicht dabei. Verändert das nicht den Grundgedanken des ESC, wird also nicht weniger die Musik bewertet als vielmehr das politische Geschehen?

„Dass Russland diesmal ausgeschlossen wurde, ist nachvollziehbar: Der Angriffskrieg gegen die Ukraine widerspricht den Werten, die der ESC lebt – Toleranz, Freundschaft, Liberalität. Was die Ukraine anbelangt: Wenn Kalush Orchestra gewinnen, dann weil sie gut sind, nicht nur wegen der politischen Situation. Ihr Song ist kein Schrott-Titel, der nur aufgrund des politischen Rahmens ganz nach oben kommt. Es ist schon politische Botschaft genug, dass sie überhaupt hier sind; junge Männer, die jetzt in der Ukraine zum Militär eingezogen werden und eigentlich keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen – außer zum ESC.“

Malik Harris – wie ist der Kandidat für Deutschland hinter der Bühne?

„Malik, der dieses Jahr für uns antritt, ist krass: 24 Jahre jung, beherrscht sein Publikum wie sonst nur die Großen, singt toll, besitzt viel Ausstrahlung. Malik ist auch hinter der Bühne so, wie man ihn wahrnimmt, er ist intelligent und redet freundlich mit jedem. Da ist nichts gespielt.“

Der 66. Eurovision Song Contest findet im Zeitraum vom 10. bis zum 14. Mai 2022 im Pala Alpitour in der italienischen Stadt Turin statt, nachdem die italienische Band Måneskin mit dem Titel „Zitti e buoni“ den Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam gewinnen konnte. Das Motto 2022 ist „The Sound of Beauty“. Für Deutschland singt Malik Harris mit dem Titel „Rockstars“ an Startplatz 13. 


beabadoobee stellt zweite neue Single „See You Soon“ aus „BEATOPIA“ vor
Weiterlesen