Feminist Fight Club: Wer steckt hinter der Bewegung gegen digitale Gewalt?
Gegründet nach dem Fall um Collien Fernandes und Christian Ulmen: Der Feminist Fight Club erklärt, wer dahintersteckt und warum 13.000 in Berlin gegen digitale Gewalt demonstrierten.
Am Sonntag, dem 22. März, fand am Brandenburger Tor eine Kundgebung unter dem Motto „Sexualisierte und digitale Gewalt stoppen!“ statt.
Organisiert wurde die Demonstration vom Feminist Fight Club, der erst im Zusammenhang mit den jüngsten Vorfällen gegründet wurde. Doch wer steht hinter der Bewegung – und was genau fordern sie?
Kira Bönisch: Eine der Gründerinnen des Feminist Fight Clubs
Eine der Gründerinnen des Feminist Fight Clubs ist Kira Bönisch. Die 25-Jährige studiert Gender, Intersektionalität und Politik an der FU Berlin und ist seit Jahren bei Fridays for Future aktiv. In einem Interview mit der „taz“ erzählte sie, dass sie vom Medienbericht über Collien Fernandes und die sexualisierten Deepfakes, die mutmaßlich von ihrem Ex-Mann Christian Ulmen erstellt wurden, schockiert war. Für Bönisch steht fest: „Aber ganz egal, wer der Täter war: Dieser Fall ist ein weiterer Beleg, wie sehr das Patriarchat uns Frauen gefährdet.“
Initiative „Nur-Ja-heißt-Ja“: Reform des Sexualstrafrechts
Der Feminist Fight Club wurde von der Initiative „Nur-Ja-heißt-Ja“ initiiert. Diese fordert eine Reform des Sexualstrafrechts in Deutschland hin zum „Nur-Ja-heißt-Ja-Prinzip“. Dieses Recht gilt bereits in 15 EU-Ländern und wurde zuletzt auch in Frankreich – nach dem Fall Pelicot – durchgesetzt.
Konkret soll Sex ohne ausdrückliche Zustimmung als Vergewaltigung betrachtet werden. Dadurch soll die Verantwortung verlagert werden: Betroffene müssen sich nicht mehr rechtfertigen, warum sie nicht Nein gesagt haben. Victim Blaming wäre damit nicht mehr möglich.
Dies ist derzeit in Deutschland noch nicht der Fall. Aufgrund der schlechten Rechtslage vor Ort, hat Fernandes in Spanien Anklage gegen Ex-Mann Ulmen gestellt.
Forderungen: Digitale Gewalt online und offline bekämpfen
Der Feminist Fight Club erwartet als Teil dieser Initiative ebenfalls klare Regelungen bezüglich digitaler Gewalt. Eine Ja-heißt-Ja-Regelung soll nicht nur offline, sondern auch online gelten. Auf der Kundgebung wurde gefordert: Klare Gesetze gegen digitalisierte sexualisierte Gewalt, gegen Fake-Profile, Deepfakes, nicht-einvernehmliche Verbreitung, Drohungen und digitale Kontrolle sowie für Zustimmung und Selbstbestimmung.
Darüber hinaus müsse zunächst der Grundstein gelegt werden, um diese Ziele zu erreichen. Dazu gehören die Sensibilisierung von Institutionen und Behörden, funktionierende Verfahren sowie die konsequente Durchsetzung von Maßnahmen, die Täter:innen in die Verantwortung nehmen.
Zahlen und Ausmaß digitaler Gewalt
Was erst jetzt durch den Fall Collien Fernandes in die Öffentlichkeit gerückt ist, ist für viele Frauen längst Realität. So betreffen 99 Prozent der pornografischen Deepfakes Frauen. Auch im Kontext von Kindern und Jugendlichen ist es ein wachsendes Problem. Laut dem Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten“ waren 18.224 Frauen und Mädchen im Jahr 2024 Opfer digitaler Gewalt – ein Anstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei handelt es sich ausschließlich um gemeldete Fälle.
Der Schutz gegen digitale sexualisierte Gewalt ist für den Feminist Fight Club unzureichend. An der Kundgebung am 22. März versammelten sich 13.000 Menschen.
Prominente Unterstützung auf der Bühne
Bekannte Aktivistinnen wie Luisa Neubauer, Theresia Crone und Aaliyah Osman sowie Sprecherinnen von HateAid und „Nur-Ja-heißt-Ja“ waren vor Ort. Musikalisch setzten sich Mariybu + Ebow, IUMA, Soffie und Bahar Kizil für die Forderungen ein. Collien Fernandes warb zwar für die Demonstration, war aber selbst nicht anwesend. Ein Statement ihrerseits wurde auf der Bühne verlesen: „Der Staat kommt seiner Verantwortung für die Gewährleistung des Persönlichkeitsrechts, des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung und des Rechts auf Nichtdiskriminierung nicht nach … Wir dürfen die Täter nicht mehr davonkommen lassen.“
Nächste Demo: Hamburg, 26. März
Am Donnerstag, dem 26. März, findet ebenfalls eine Demonstration in Hamburg statt, die von Aktivistin Luisa Neubauer unterstützt wird.






