Fifa™WM™2006™, die;


„Deutschland hat die meisten Schüsse abgegeben.“ Der Satz hört sich einfach scheise an. Er steht auf der DFB-Website bei einer Aufstellung von Statistiken über die WM 2006, und fair enough: Die deutsche Elf hat das Turnier über von allen Mannschaften am öftesten den Ball in Richtung gegnerisches Tor geschossen (113 Mal; klingt irgendwie mau, oder?). Aber der Satz klingt einfach scheise. Und wenn gewisse Leute mit der „WM im eigenen Land“ vorrangig die Hoffnung verknüpft hatten, dass wir aus dem ganzen -» positivpatriotischen Jubeltrubel am Ende mit einem Deutschland rauskommen, in dem solche Sätze keinen Beigeschmack mehr haben, weil „endlich ein Schlussstrich gezogen“ wurde, dann war das wohl nix. Und Team-Manager Oliver Bierhoff, der zur beglückenden Strähne der Klinsmänner, die schöner spielten und länger im Bewerb blieben, als irgendjemand hätte erwarten dürfen, dann martialischen Mist absondern musste wie sein monumental dümmliches Zwischenfazit „Die Welt hat wieder Angst vor uns“, möchte man damals wie heute noch eins über den Schleimscheitel ziehen.

Vieles war schlimmschlimmschlimm an und um dieses Megamassenevent; die von Schäuble &. Co. im Vorfeld hochgeschraubten bigbrotheresken Sicherheitsvorkehrungen (von denen der FDP-Politiker Burkhard Hirsch der „taz“ sagte, er habe „noch nie gehört, dass solche Maßnahmen hinterher wieder abgeschafft wurden“; er dürfte Recht behalten). Die gigantische Geldmachmaschine, zu der die Fifa das Event hochgetunt hatte und sich dabei nicht schämte, auf der einen Seite Milliarden einzufahren und auf der anderen die stumpfe Arbeit vor Ort 15.000 fröhlich unbezahlten „Volunteers“ zu überlassen; Generation Praktikum in Action. Das monatelange Aufwärmen im Vorfeld war über Strecken ein Betrübnis: das Konsumgekeife, das -> Gute-Laune-Gewedel, die unwürdige „Diskussion“ über die -*¿ No-Go-Areas etc. Dann kam der Juni und dieser unglaubliche Wetterumschwung knipste den Sommer an, „die Kiste“ (Jürgen Klinsmann) nahm ihren Lauf. Und sie machte es einem überraschend leicht, sich auf sie einzugrooven und das begleitende Gelöt belustigt hinzunehmen. Den Boulevard-Quatsch, das Schwarz-Rot-Gold-Getue, man gönnte sogar dem erschröcklichen WM-Paten Beckenbauer seinen Spaß, der in seiner helikoptergestützten Allgegenwärtigkeit endgültig zu einer Mischung aus Halbgott und Maskottchen gerann und dem hosenlosen —> Goleo klar den Rang ablief.

Die Mannschaft spielte plötzlich toll, und hie und da erfreuten einen Berichte von überraschten Auslandskorrespondenten, die in ihre Länder funkten, Deutschland sei nicht ausschließlich von „Rrr“rollenden Herrenmenschen bewohnt. Man war zu Gast bei Freunden zum Glotzen oder lief-und wenn nur, um sich den fröhlichen Irrsinn mal von Weitem anzuschauen – zum —> Public Viewing und auf die Fanmeilen, man radelte in warmen Nächten durch bunt belebte Innenstädte, in denen die ganze Welt rumrannte, lag spät auf Balkons und hörte die irgendwo im Viertel noch feiernden Mexiko-Fans johlen. Es war, wenn man sich darauf einließ, tatsächlich die viel beschworene vierwöchige Party; eine, die auf viel mehr und viel reizvolleren Areas stattfand als nur dem kommerzverschrillten Ballermann-Floor („Im Feiern sind wir schon Weltmeister!!! etc.). Es war schön, es war rauschend, es war mithin der schiere Eskapismus – und drum war es gut, dass es dann auch wieder vorbei war. Die Fußballkenner fanden’s ganz entspannend, bald schon zurück im „Bundesliga-Alltag“, wieder unter sich zu sein. Ohne Eventmassen; mit Leuten, die was von Fußball verstehen.