„Fight Club“ erhält in China ein anderes Ende

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Der 1999 erschienene Kultfilm „Fight Club“ von Regisseur David Fincher endet mit einer legendären Szene: Die „Protagonist“ genannte Figur Edward Nortons schafft es, sich seines Alter Egos Tyler Durden (Brad Pitt) zu entledigen und beendet damit sein bizarres Doppelleben. „Where Is My Mind?“ der Pixies ertönt, und wir sehen ein explodierendes Bankgebäude nach dem anderen.

Auch, wenn man das Ende auf verschiedene Arten interpretieren kann, hat sich mittlerweile eine Lesart des Films durchgesetzt: Mit der Zerstörung der Bankenhochhäuser wird auch die Konsumgesellschaft zerschlagen; und in der Anarchie gibt es Raum, damit etwas Neues entstehen kann.

In China scheint die Message des 23 Jahre alten Films dagegen nicht so gut anzukommen. Beim chinesischen Streamingdienst Tencent Video gibt es ihn nur mit einem alternativen Ende zu sehen. Statt der Explosionen wird ein Schwarzbild eingeblendet. Dort ist sodann zu lesen: Die Polizei hätte den Plan durchkreuzen und alle Kriminellen fassen, die Anschläge hätten dadurch verhindert werden können.

Die Handlung geht dank chinesischer Fantasie sogar noch weiter: Nach dem Gerichtsverfahren sei Tyler in eine Psychiatrie geschickt und von seinem eingebildeten Alter Ego geheilt worden. 2012 sei er aus dem Krankenhaus entlassen worden. In dieser Darstellung kann der „Protagonist“ also wieder ein produktiver Teil der Gesellschaft werden. Gewissermaßen wird das ursprüngliche „Fight Club“-Ende in sein Gegenteil verkehrt.

Urheberschaft ist unklar

Es ist durchaus üblich, dass Hollywood-Studios alternative Filmschnitte veröffentlichen, in der Hoffnung die chinesischen Zensurbehörden zu überwinden. Bisher ist deshalb streng genommen nicht klar, ob der Film von den Produzent*innen des Film bearbeitet wurde oder ob die chinesischen Behörden das neue Ende eigenhändig angeordnet haben. Bei chinesischen Zuschauer*innen sorgte die Alternativfassung jedenfalls für große Empörung, gerade auch, weil viele dort das Original längst kennen, und sei es als Raubkopie.

Und auch die Romanvorlage von Chuck Palahniuk bietet noch ein weiteres Ende an. Wegen eines Fehlers explodieren die Bomben nicht. Der Erzähler erschießt sich daraufhin selbst, erwacht aber wieder in einem Krankenhaus, wo ihm suggeriert wird, dass sein Plan fortgesetzt werde.

+++Dieser Artikel erschien zuerst auf rollingstone.de+++


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