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Konzertbericht und -fotos

Foals live in Berlin: Alles andere als süß und zahm

Eigentlich beginnt alles so malerisch schön. Fast schon zu schön. Ohne großes Drängen oder Schubsen füllt sich die Columbiahalle. Alle scheinen sich lieb zu haben, schütten beim Vorbeiquetschen kein Bier über die Jacken der Anderen und viele haben sogar ein Lächeln auf den Lippen. Ein seltenes Bild in Berliner Konzertsälen. Man gibt sich hier sonst nicht so schnell die Blöße. Aber die Foals haben offenbar eine Portion Liebe mit nach Berlin getragen.

Mit ebendieser (Fan-)Liebe wird die Band aus Oxford an diesem Abend auch begrüßt. Ganz anständig wird applaudiert und bei dem zuckersüßen „My Number“ tanzen sich alle fröhlich, ohne Pogen und mit Rücksicht auf den Nachbarn, hüpfend ein. Dass das nur ein winziger Ausblick auf das spätere Geschehen bei diesem Konzert sein sollte, hätte man zwar ahnen können, aber so richtig vorbereitet war wohl keiner der Besucher.

>>> Fotos: So ging es bei Foals in der Berliner Columbiahalle zu

Bevor die Band um Yannis Philippakis das volle Programm serviert, zügelt sie ihre Fans mit sanfteren Nummern wie „Birch Tree“, die zwar das Tempo aus der Show nehmen, aber nicht die Begeisterung aus dem Publikum. Dieses hat nämlich mehr als genug Energie mitgebracht und kann sie auf der Strecke kurz vor dem großen Finale gezielt einsetzen: Denn die Foals haben sich für die Zugabe mit Tracks wie „What Went Down“ und „Two Steps, Twice“ offenbar vorgenommen, die Halle in Schutt und Asche zu legen. Philippakis flitzt als vor Schweiß triefender, zum Menschen gewordener Blitz munter über die ganze Bühne, ins Publikum und wieder zurück. Zwischendrin legt er etwas orientierungslos einen kleinen Abstecher ein, der ihn auf die oberen Tribünen der Columbiahalle führt und schließlich mit einem kraftvollen Sprung wieder mitten ins Publikum.

Dieses Konzert, das zunächst so friedlich, beschaulich und nett begann, eskalierte zum Schluss in einer großen Rock’n’Roll-Inszenierung. Doch offenbar gehören die Foals zu den Bands, bei denen das gesamte Publikum sich in einem großen Mosh-Pit in Bewegung setzt und danach so glücklich torkelnd aus der Halle purzelt wie der Sänger von der Bühne.


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