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Foals What Went Down


Transgressive/Warner VÖ: 28.08.2015

Man darf dem Selbsttest im Club nicht trauen. Reicht denn jetzt schon ein Whisky, um einfach hinzunehmen, was aus dieser wundersam verspielten, rhythmisch elendig vertrackten und angenehm emotional-komplexen Band wurde? „What Went Down“, die erste Single des gleichnamigen Viertlings der Foals funktioniert natürlich als schweißtreibender Motor, um brüllend im Refrain sein Lieblingsshirt zu zerreißen; zwar bleibt die Frage, ob man das auch so will, allerdings bleibt sie auch vermessen.

Weiß man selbst besser, was eine Herzensband gefälligst im Tonstudio zu schaffen hat? „Natürlich“, lautet die inoffizielle Antwort, aber es gehört auch Vertrauen dazu, ein „sie mal machen lassen“. Diese Platte sollte laut Milchbubi-turned-Rockstar Yannis Philippakis die vertonten „primal urges“ werden, ein Album mit prachtvollem Bart, ein Löwe, der auf seine Beute lauert („When I see a man I see a lion“, aus „What Went Down“), triebgesteuert und eins mit Natur und den hauseigenen Urinstinkten, hier und da ein Grunzer und alles wird gut. So weit, so männlich. Nun ist die Platte aber gar kein brachiales Noise-Monstrum mit Neandertaler-Gestus geworden, dafür – und hier setzt das angesprochene Vertrauen wieder ein – kann eine Band mit ihrem längst gefundenen Sound gar nicht anders, als diese Momente weiter auf ihre Songs zu sprenkeln.


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An den passenden Stellen wird der Dreck und der Wahnsinn zu einem einzigen Rausch wie im neuen Mad-Max-Film. Da wäre insbesondere „Mountain At My Gates“, die stolpernde, klingelnde und im Ohr klebende Fortsetzung der Grooveminis­ter „Miami“, „Total Life Forever“ oder „My Number“ der Vorgängerplatten, welche erst im großen Finale die Anlage aufdreht. Finale, das ist immer etwas gewesen, was sie können.

Ob große oder kleine Geste, die Outros bleiben, so auch „A Knife In The Ocean“, eine wippende, verschleppte Referenz an die damals bei Nacht zusammenimprovisierten B-Seiten. Wir finden weiterhin die kleinen, flirrenden Gitarren, wie im Intro zu „Birch Tree“, ein sonst kurios nach Blood Orange klingender Spätsommer-Tune mit HipHop-lastigem Beatgerüst. Natürlich werden jetzt trotzdem endgültig die Bühnen neu vermessen, auf denen in der kommenden Tour zu spielen sein wird. „Snake Oil“, noch so ein wüster Song mit sich durch das Album ziehender Wildnis-Termini sucht verdächtig oft den verzerrten Blues-Rock der Black Keys und kommt der im Vorfeld verkündeten Vision der Platte noch am nächsten.

Anders dagegen die obligatorischen Balladen. Im Kitsch gebettet, hat „Give It All“ erst mal nicht die besten Karten, und was man sich bei „Night Swimmers“ dachte – einen Kitsuné-Remix einer rockenden Fingerübung? – bleibt ein Geheimnis. Trotzdem: Traut dem Selbsttest, sei es mit Whisky. You can take riffs into Foals. But you can’t take Foals out of Foals.


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