Hans Hartz


Nichts aber auch gar nichts bekam ich in den Griff“, erinnert er sich seiner Jugendsünden. „Außer Musik.“ John Hart nannte er sich damals noch und zog mit den Avalons („Die ersten nordischen Weißen, die schwarze Musik machten“) jahrelang in Dortkneipen und Stadt-Discos die harte Beat- und Tanz-Mucke ab. Der beste Nährboden für die spätere Solokarriere, die gleich mit der ersten LP abging: STURM. Besonders die „Müden weißen Tauben“ trugen ihn aus der heimatlichen Nordsee-Tiefebene empor in die Paraden, die die Welt bedeuten. Ein Song, der. „nicht geplant, voll in die Friedensbewegung reinknallte.“ Schon damals wehrte sich der nordische Heuler mit der Granit-Röhre gegen die Ansiedlung im Liedermacher-Lager. Eine Abgrenzung, die er für seine neue LP MORGENGRAUEN noch strikter beansprucht. So redet er von „produzierter Flocklyrik, um das Wort Liedermacher nicht zu gebrauchen. “ Hart und engagiert fiel diese Lyrik aus, aggressiv und rauh: etwas altbacken, aber ehrlich, die dazu geschmiedeten Töne. „Bissiger als alles zuvor. Ich wollte mich verändern, also habe ich mich wegen Unstimmigkeiten auch nach neuen Musikern umgesehen.“ Die Instrumentalisten von Lake mußten den Studio-Profis Curt Cress, Billy Lang, Udo Arndt. Hermann Weindorfer und Günther Gebauer weichen. Zusammen mit Partner und Produzent Christoph Busse zielte Hartz bewußt darauf, nicht im Trend zu stochern.

Auch sein Engagement für Greenpeace (mit dem Song „Vor meinem Fenster steht ein Baum“) reduziert er aufs Machbare und kokettiert nicht mit blindem Aktivismus: „Ich gehe konform mit den Idealen von Greenpeace. Ich kann aber, weil ’s meine Zeit nicht ertaub!, nichts anderes a/s meine Solidarität mit einem Song wie diesem kundtun. “ Obwohl er durch die Wahl seiner Songthemen bei diversen Radiound TV-Leuten auf Boykott stößt, hält der durch langjährige Erfahrungen gehärtete Blondschopf an seinen Idealen fest: „Rockmusik ist wie Preisboxen. Wenn du da nicht Keile nach links und rechts verteilst, bekommst du immer was auf’n Kopf. Da entwickelst du dann Härte. Wir wollen primär die Leute zum Nachdenken anregen. Damit sich eventuell sekundär im positiven Sinne etwas verändert – im Rahmen des Möglichen. Davon laß ich mich von keinem abbringen.“