Hazeldine


DIE LOKALEN FOTOGRAFEN SCHIESSEN, ALS GÄBE es kein Morgen mehr. Das Publikum aber hält noch Abstand, tummelt sich an der Bar des Indie-Clubs „Zebra“. Hier, wo „Indie“ noch nicht Unwort ist, wo unbekannte Hardcore-Kapellen Triumphe feiern. Doch heute spielen Hazeldine in Hausen eine vielgepriesene Softcore-Kapelle. Deshalb vielleicht auch die vielen Fotografen, die zunächst mit der feuerhaarigen Fee im Vorprogramm vorlieb nehmen müssen. Unni Wilhelmsen heißt sie und gurrt,fleht, seufzt zum Fingerpicking-Zweiklang. In ihrer Heimat Norwegen stürmt sie die Charts; dem Publikum in Hausen bescherte sie vorerst nur die Sehnsucht nach Holzfeuergeknister in endlosen Polarnächten. Sympathische Pubgänger von altem Schulterklopferschlage dürften hingegen Jack Logan & Bob Kimbell aus Athens/Georgia sein. Das angefressene Truckfahrer-Outfit der Countryrocker kann glücklicherweise nicht darüber hinwegtäuschen, daß hier zwei sensible Songwriter zusammengefunden haben. Zwar haben sie Stimmen wie Engel, samtige Instrumentierungen, ein Beach-Boys-Cover als strahlendes Ende – doch Jack Bob und Backingband können auch fürstlich rocken und poltern. Ein solches Vorprogramm freilich kann schnell zur schweren Bürde werden, und Hazeldine haben schließlich ihre liebe Mühe mit der Dramaturgie des Abends: Ein Bluegrass-Standard, Hazelwoods „Summerwine“, das energische „Tarmac“ vom Debüt „How Bees Fly“. Das war’s. Der Rest drosselt, verhängt, kehrt Anfangseuphorie in Melancholie. Erdig und schwer fallen verzerrte Achtel, Shawn Barton und Tonya Lamm klagen hingebungsvoll über ein Leben „full of lies and fallen tears“, sie zittern und beben – Neil Young hätte seine dunkle Freude, bei allen anderen aber mag, nach Stunden weichgespülter Wehmut, keine rechte Freude aufkommen. Einmal auf das verhaltene Balladentempo eingestellt, erklatscht sich das dankbare Publikum artige Zugaben. Dann dürfen auch noch einmal Jack und Bob Percussionsdienste tun – und Füße endlich tapsen.