Hotlist 2017: Goat Girl machen den Londoner Süden hip und cool

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Londons Westend: zu Tode gentrifiziert. Der rotzige Norden sitzt in der Nostalgiefalle. Der Osten ist so hip, dass man vor lauter Hipness nichts anderes auf die Reihe kriegt, als Schuhe und Shirts zu designen und zu kaufen. Bleibt: ausgerechnet der Süden. Peckham oder Brixton? Bitte hin da!

Denn hier gibt es noch die Pubs und Clubs, in denen junge Bands Bühnen finden, und seien sie noch so klein und ranzig. Endlich wieder Gruppen mit Gitarren! Und in denen spielen – wir machen drei Kreuze – nicht nur Jungs mit engen Jeans und den immer gleichen Haarschnitten.

Goat Girl sind vier junge Frauen in bunten Klamotten. Ruhig mal im Netz den Bandnamen suchen, es gibt zur Belohnung allerhand sehr seltsame Bilder von Ziegenmädchen. Und auf jeden Fall „Country Sleaze“ hören, die kurze erste Single. Sängerin Lottie hat eine dunkle Stimme, man denkt an Liz Phair und kramt die Geraldine Fibbers aus den dunklen Winkeln der Plattensammlung. Es steckt aber auch Postpunk-Flirren und Morricone-Drama in dieser fabelhaften Musik. Zu den Goat-Girl-Gigs fährt so ziemlich die geschlossene Londoner Szene nach Süden über die Themse.

Als Label suchten sich die vier Rough Trade aus, Boss Geoff Travis glaubt an eine echte Indie-Rock-Renaissance. Dazu passt das Video zu „Country Sleaze“ (samt vorgeschalteter Epilepsie-Warnung), gedreht von Douglas Hart, Gründungsbassist von The Jesus & Mary Chain. Die ganz alte begegnet der neuen Generation Indie. Treffpunkt: Londons Süden.


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