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Hurricane Festival 2015, der Sonntag: Tag der alten Helden

Aufbruchsstimmung am Vormittag: Tausende Hurricane-Besucher bringen schon am Sonntag ihr Hab und Gut zu den Autos. Auf der Westerveseder Landstraße, die das Festivalgelände und den Campingplatz trennt, herrscht dementsprechend reges Treiben. Wer nach dem Abbau mit einem Bier auf dem Parkplatz entspannt, verpasst The Vaccines, die auf der Blue Stage aufspielen. Es ist ziemlich leer für die Ansprüche der Band. Die Besucher jedoch, die den Weg auf das Festivalgelände gefunden haben, genießen den Indie-Rock der Briten in vollen Zügen.

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Kooperation

Wilder und rotziger geht es kurze Zeit später auf der Red Stage zu, auf der die West-Coast-Punks Fidlar Lieder über Saufen, Kiffen und Mädchen aufreißen singen.

Death From Above 1979 outen sich während ihres Auftritts als Fidlar-Fans und halten es für eine Schande zur gleichen Zeit wie das kalifornische Quartett auftreten zu müssen. DFA 1979 erinnere stark an Royal Blood, raunt ein Zuschauer seiner Begleitung zu – viel eher müsste es doch umgekehrt heißen, dass Royal Blood an die Kanadier erinnern, die nach langer Pause wieder zurück sind. Ob die Welt diese Reunion jedoch gebraucht hätte? Nach dem Auftritt tendiert die Meinung eher zur Antwort „Nein“.

Nach Death From Above 1979 füllt sich das Gelände vor der Blue Stage rasend schnell. Milky Chance, Kassels Exportschlager Nummer Eins, spielen gekonnt ihre Hits und schnappen Death Cab For Cutie ihr wohlverdientes Publikum weg. Während des Gigs der amerikanischen Indie-Institution ist es erschreckend leer. Nichtsdestotrotz bemüht sich die Band um eine gute Miene zum bösen Spiel.

Bei Britpop-König Noel Gallagher und seinen High Flying Birds sieht es auch nicht besser aus. Gallagher erhält enttäuschend wenig Zuspruch vom Hurricane-Publikum und der nordenglische Sturkopf straft dies mit Nichtbeachtung. Die Songs von seinem Debüt und dem dieses Jahr erschienenem CHASING YESTERDAY werden blutleer heruntergespielt. Den Musikerkollegen scheint es trotzdem zu gefallen: Florence Welch tanzt während des Konzerts wie ein kleines Mädchen am Bühnenrand und auch Casper verpasst das Konzert des „Chiefs“ nicht. Mitten zwischen den Besuchern lässt er sich zum abschließenden „Don’t Look Back In Anger“ auf die Schultern seines Begleiters heben.

Florence + The Machine beenden das Hurricane 2015 zauberhaft

The Notwist spielen am frühen Abend auf der Red Stagealles und jeden an die Wand. Es scheint, als gäbe es kein Genre, das die Bayuwaren nicht beherrschen. Ob Krautrock, Trip-Hop oder klassischer Schrammel-Indie-Rock: The Notwist haben es drauf. Bleibt nur zu hoffen, dass die während des Auftritts in Massen herbeiströmenden Casper-Fan-Girls – Casper tritt als nächster Act auf der Red Stage auf – die Genialität von The Notwist zu schätzen wissen.

Nächste Woche steht der wohl wichtigste Auftritt in der bisherigen Karriere von Florence + The Machine bevor: Headliner auf der Pyramide Stage des Glastonbury Festival. Die Generalprobe in Scheeßel ist grandios gelungen. Florence + The Machine spielen das schönste Konzert des Wochenendes. Es passt einfach alles in diesen 90 Minuten: Die Songs, das Publikum, diese Frau. Florence Welch, barfuß und komplett in weiß gekleidet, bewegt sich elfenhaft wie eh und je, läuft von einer Ecke der Bühne zur anderen und sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum. Dabei fährt sie die von ihr bekannten theatralischen Armbewegungen auf ein Minimum zurück und dirigiert ihre Band und das Publikum mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit. Dass zum Schluss der Regen wieder einsetzt und Florence + The Machine die Besucher ohne Zugabe in die letzte Hurricane-Nacht schicken – geschenkt. Dieses Konzert wird auch Tage später noch nachklingen, wenn der graue Alltag wieder die Oberhand gewonnen hat: Als zauberhaftes Ende des Hurricane 2015.


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