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Fundstück

Iggy Pop: „Bowie und ich sind nun wirklich keine Busenkumpel“

Dieses Interview ist ursprünglich in der Mai-Ausgabe 2013 des Musikexpress erschienen und damit unter anderem vor den Toden von Scott Asheton und von David Bowie. Anlässlich Iggy Pops 70. Geburtstag könnt Ihr es nun online nochmal nachlesen.

Dein Gitarrist Ron Asheton ist im Januar 2009 an einem Herzinfarkt gestorben. Dennoch führst du die Stooges weiter.

Ich habe darüber nachgedacht, die Band aufzulösen. Und sei es nur, weil ich ja noch andere Sachen mache. Aber ich hatte das Gefühl, dass bei den Stooges noch etwas fehlt, dass das Kapitel nicht abgeschlossen ist. Gewisse Dinge kommen so in Fahrt, dass man sie nicht unterbrechen kann, wie manchmal Krieg oder Sex. Bist du erst einmal mittendrin, kannst du nicht abrupt aufhören. Darin liegt aber auch eine große Gefahr. Weshalb ich nächstes Jahr eine längere Auszeit plane. Die Stooges sind ein gottverdammtes Monster, die fressen dich auf.

Als Ersatz für Asheton kam James Williamson, der auch auf RAW POWER mitgewirkt hat. Wo hat der die letzten 40 Jahre gesteckt?

Er war im sogenannten „mittleren Management“ tätig – als Führungskraft im Sony-Konzern. Nachdem sich die Stooges Mitte der 70er-Jahre getrennt hatten, hat er sich für eine klassische Berufsausbildung entschieden, einen Abschluss in Elektrotechnik gemacht und für verschiedene Computerfirmen an der Westküste gearbeitet, ehe er zum Vizepräsident bei Sony Electronics America ernannt wurde.

Also sehr Rock’n’Roll?

Und wie! Aber hey: Als ich ihn angerufen und gefragt habe, was er so macht und ob er sich vorstellen könne, seine Rente mit Gitarrespielen aufzustocken, war er Feuer und Flamme. Es war so etwas wie sein unerfüllter Jugendtraum. Und den lebt er jetzt – als alter Sack.

Wie ist die Stimmung in der Band?

Wir sind eine schrecklich nette Familie. Jeder hasst jeden. Es kommt immer wieder zu Situationen, in denen wir zusammen im Flugzeug sitzen und ich James frage, ob seine Frau eigentlich jemals die Original-Stooges gesehen hat. Dann antwortet er: „Ja, sie musste miterleben, wie du deinen Penis herausgeholt und auf die Bühne des ‚Whiskey a Go Go‘ in Los Angeles gepinkelt hast.“ Ich muss mir bis heute anhören, was ich damals alles falsch gemacht habe, welchen Schaden ich der Band damit zugefügt habe. Ich hingegen gebe mir echt Mühe, nicht vorwurfsvoll zu sein.



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