Interview mit Mark Bowden: „Cyberangriffe könnten mit Militärschlägen beantwortet werden“


Wir sprachen mit dem Journalisten Mark Bowden über dessen Buch „Worm“, das den ersten digitalen Weltkrieg, ausgelöst durch den Computerwurm Conficker, beschreibt. Lesen Sie hier Teil 2.

Musikexpress präsentierte exklusiv Auszüge aus Mark Bowdens („Black Hawk Down“, „Killing Pablo“) neuem Buch Worm, das den Kampf von Computerexperten gegen den Wurm Conficker beschreibt, der 2008 Millionen Rechner infizierte. Wir sprachen mit Bowden.  Lesen Sie hier Teil 2.

Haben Sie Ihren eigenen Computer abgesichert, bevor Sie ihren Kampf gegen Conficker aufnahmen?
Bowden: Ich arbeite mit einem iMac, bin also nicht gefährdet durch diesen Wurm. Allerdings hat mich die Arbeit an dem Buch stärker sensibilisiert, ich lade mir Security-Updates runter.

Das Internet, schreiben Sie, befinde sich in einer Wild-West-Phase. Sollte das Netz zivilisiert werden – und wenn ja, wie kann man das tun ohne die Freiheiten einzuschränken?
Bowden: Ich denke, man kann das Netz „zivilisieren“. Das wird auch geschehen. Das Internet-Ideal – jegliche Information sollte frei zugänglich sein für alle – ist sicherlich antiquiert. Die meisten von uns sehen ein legitimes Interesse darin, Daten zu schützen. Persönliches wie Bankdaten, Krankenkassen-Informationen. Datenschutz betrifft aber auch Regierungsangelegenheiten, die nur durch Geheimhaltung den Schutz der Gesellschaft gewährleisten – Militärdaten etwa. Es mag unterschiedliche Auffassungen darüber geben, wie viele Daten gesichert und geheim bleiben sollten. Aber es gibt sicher niemanden mit der Auffassung, dass nichts geheim bleiben sollte. Das Internet ist immer noch sehr neu; die freien Gesellschaften wägen noch ab, was genau beschnitten werden sollte und warum. Spannungen in den freien Gesellschaften wird es immer geben. Wahrscheinlich wird in Zukunft das passieren: Es existieren verschiedene Internets zueinander parallel, die sich in ihren Zugangsmöglichkeiten unterscheiden. Und die nichts mit dem Internet zu tun haben, das wir derzeit benutzen.

Gibt es Unterschiede zwischen „guten“ und „schlechten“ Würmern? Der Wurm Stuxnet soll das iranische Atomprogramm beschädigt haben, eingesetzt wurde er wohl von den USA oder Israel.Bowden: You view the world from where you sit.  Ich bin mir sicher, dass die Wissenschaftler, die im Iran ihr Uran anreichern wollten, Stuxnet sicher nicht als gutartigen Wurm betrachteten. Software ist ein Werkzeug. Und so wie jedes Werkzeug kann es für gute oder schlechte Zwecke eingesetzt werden.

Halten Sie es für angemessen, dass das Verteidigungsministerium der USA erklärte, auf Cyberangriffe mit Militärschlägen zu antworten?
„Worm“ dokumentiert, wie unvorbereitet die US-Regierung auf Cyberbedrohungen war. Wie problematische diese Bedrohungen sind, wurde erst in den vergangenen Jahren erkannt. Präsident Obama zitierte Conficker im Jahr 2009 als vorangiges Beispiel dafür, wie schlecht die USA vorbereitet gewesen sind. Ich denke, jeder Krieg der modernen Streitkräfte wird von nun an auch mit Cyberwaffen geführt; jede Nation, die darauf verzichtet, wird klar benachteiligt sein. Also, ja, das Verteidigungsministerium hat das Recht Cyberattacken als „Act of War“ einzustufen. Und falls Cyberangriffe tatsächlich zum Verlust von Menschenleben führen könnten, sollte darauf mit Militärschlägen geantwortet werden. Conficker löste den ersten digitalen Weltkrieg aus. Blut wurde nicht vergossen. Die Behörden arbeiten seit Conficker stärker mit der Freiwilligengruppe der Experten zusammen.

Hatten Sie schon einmal Angst vor dem Internet?
Bowden: Noch nie. Aber ich bin vorsichtiger geworden, über diesen Kanal Informationen zu teilen.

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