Ja, Panik live in Berlin – so war ihr Konzert im Lido

Mit weit offenen Armen grüßt Andreas Spechtl: „Herzlich Willkommen! Schön, dass ihr da seid“ Eine Wendung hin zum Tocotronischen? Der angry young man, der sich auf einmal ganz arg, wie der Österreicher so gerne sagt, freuen kann? Kennt man ja vom mittlerweile dauerüberwältigt wirkenden Dirk von Lowtzow. Aber Spechtl hat auch allen Grund zur Freude: Das erste „Leg“ der Tour zum neuen Album LIBERTATIA ist mit dem Berliner Konzert am 13. Februar 2014 vorbei und es ist ausverkauft – sogar so ausverkauft, dass eine Zusatzshow im Mai anberaumt wurde.

Auch die Besucher freuen sich – und zeigen das: Bei der „Gauloises“-Erwähnung in „Au Revoir“ etwa recken sie Schachteln ebendieser Zigarettenmarke in die Luft. Bei der Ankündigung, der folgende Song sei ein „Bekenntnis zur unbedingten Körperhygiene“, fegt Erkenntnisgebrüll durch die Halle: „Libertatia!“, die Single mit dem Video, das die Gruppe nackt in Spechtls Badezimmer gedreht hat. Wo wir sind, ist immer Libertatia – dieser mysteriöse Sehnsuchtsort, diese antikapitalistische Utopie, die Ende des 17. Jahrhunderts in Madagaskar existiert haben soll. Heute besetzt Libertatia das „Lido“.

Beim letzten Song des ersten Zugabenblocks, „The Evening Sun“, übernimmt das Publikum schließlich den Gesang. Die Band verschwindet und die Menge singt weiter, immer weiter. Dann kehrt Spechtl allein zurück und versucht, „Nevermind“ zu spielen. Doch er hat Gitarrenprobleme und muss unterbrechen. Zur Überbrückung stimmt das Publikum wieder ein: „I was sleeping in a room with my soul left out“. Love is in the air. Auch für die vor den Albumaufnahmen ausgestiegenen Bandmitglieder, Gitarrist Thomas Schleicher und Keyboarder Christian Treppo. „Dublin und Wien“, widmet Spechtl „Nevermind“, den Song, in dem in jeder Strophe der Name eines der fünf Mitglieder der klassischen Besetzung vorkommt. Treppo studiert jetzt in Dublin, Schleicher ist zurück nach Wien gegangen. Für sie stehen jetzt auf der Bühne: Laura Landergott von den Eternias am Keyboard und Jonas Poppe von Kissogram an der Gitarre. Einwandfrei eingespielt ist die neue Band, das detailverliebt auf Wave-Pop produzierte LIBERTATIA wird präzise wiedergegeben.

Weil der Autor dieser Zeilen neulich beim Interview das Stück „Thomas sagt“ als deutschsprachiges Pendant zu „Smells Like Teen Spirit“ gelobt hat, wird die Single aus THE TASTE AND THE MONEY scherzhaft als die Nirvana-Hymne angekündigt. Gleichermaßen nette Geste wie Grenzgang auf der journalistischen Distanz. Vermutlich darf man ab jetzt nicht mehr über diese Band schreiben. Aber das hieße auch, dass man das Licht, das man gesehen hat, nicht mehr in die Welt tragen dürfte. There is a light that never goes out. And there is a Schreiber, der nicht müde wird zu betonen: Lernen Sie diese Band kennen!

Ja, Panik live am 13. Februar 2014 im Berliner Lido – die Setlist:

„Radio Libertatia“

„Post Shakey Time Sadness“

„Trouble“

„Dance The ECB“

„Run From The Ones That Say I Love You“

„Time Is On My Side“

„Au Revoir“

„ACAB“

„Libertatia“

„Alles leer“

„Eigentlich wissen es alle“

„Alles hin, hin, hin“

„Chain Gang“

„Antananarivo“

„Thomas sagt“

„Nevermore“

„The Evening Sun“

„Nevermind“


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