Janet Jackson

NEW YORK. Als der große Bruder in LA mit tränenerstickter Stimme vor die Kamera trat und seine Unschuld beteuerte, flössen auch in New York die Tränen. „Let’s bow our heads“, wisperte Schwester Janet in den gerührten Madison Square Garden, „and say a silent prayer for my brother Michael.“ Und dazu kullerte (an allen vier Abenden!) eine kleine, videogene Träne über die schwesterliche Backe.

Nicht nur die Träne war für die lebensnotwendigen Videoscreens bestimmt. Choreografie, Kostümwechsel, bewegliche Kulissen — alles war arrangiert, als habe Mr. MTV persönlich Regie geführt. Doch was bei Bruder Michael (oder auch bei Prince) optische Gamierung ist, gerät Janet zum faden Hauptgericht: Ihre Songs, auf Platte von den Produzenten Jam & Lewis meisterlich in Szene gesetzt, bleiben auf der Bühne blaß und identitätslos. Hier ein bißchen HipHop für die Dancefloor-Gemeinde. dort ein paar Balladen-Spritzer für Mainstream-Amerika, einmal sogar eine Techno-Verbeugung vor den Trend-Kids — dazwischen aber nichts, was auch nur ansatzweise einen Hinweis auf Substanz und kreatives Rückgrat hätte liefern können.

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