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Joakim Levin: Punk-Revolte mit Nudie Jeans

Label-Gründer Joakim Levin hatte als Drummer mit Bands wie Räserbajs oder Speed Of Sound Enterprise an der Fortsetzung der schwedischen Punk-Historie geschrieben. Mit Designerin Maria Erixon entwarf er die schmale Denim-Linie, die wie die Faust aufs Auge des Britpop passte. Wenn Levin Inspiration sucht, greift er auf eine Band zurück, deren Rebellenpose so klassisch geworden ist, wie er es sich auch für Nudie erträumt: The Clash.

Musikexpress: Wie kommt man von der Musik zur Jeans?

Joakim Levin: Die ersten vier, fünf Jahre fühlte sich Nudie genau wie eine Band an. Ein Haufen Jungs und Mädchen tut sich zusammen, um was Eigenes aufzubauen. Punk bedeutet: Do it yourself. Was will ich? Nicht: Was will der Konsument? Nudie ist eine Punkband. Du hast den Gitarristen, den Sänger, den Drummer … Ich bin der Drummer, das Rückgrat. Die Rolle hatte ich in den Bands – die habe ich bei Nudie. Ich trommle einfach weiter.

ME: Du hast Dich aber nicht komplett von der Musik abgewandt?

Levin: Ich gehöre zum Gründungsteam des Live-Clubs Pustervik in Göteborg. Zur Eröffnung traten The Soundtrack Of Our Lives auf und sie spielten in unserem Nudie Concept Store. So schließt sich der Kreis.

ME: Mit Nudie-Jeans mischt Ihr Euch in eine ur-amerikanische Tradition ein?

Levin: Ich war schon als Teenager sehr americana-orientiert. Aber ich bevorzugte die britische Adaption: Beatles, Stones. Die Kinks hatten keine Marshall-Verstärker, nur Vox-Verstärker. Sie klangen wie die schmalbrüstige Variante der US-amerikanischen Bands. Aber genau das machte ihren Charme aus. Meine Lieblingsband waren immer The Clash, Engländer, die ein Elvis-Albumfoto nachstellen … Und es entstand etwas viel Schärferes. Siehst du die Parallele zu Nudie? Allerdings kennt Schweden auch eine eigene Denim-Tradition. In den 70er Jahren beherrschten mehrere heimische Jeansmarken den Markt. Die schwedische Jeans war schon immer schmaler geschnitten als die amerikanische.

ME: Welche Bands machen in Jeans die beste Figur?

Levin: The Libertines waren die Coolsten – wie The Clash. The Strokes sahen in der Kombination aus Jeans und Chucks verdammt gut aus. Und natürlich The Hives. Aber am meisten beeindrucken mich immer noch die Fotos von den Stones aus der Villa Nellcôte in Südfrankreich, in der sie EXILE ON MAIN ST. aufgenommen haben. Das kommt sehr dicht an meine ästhetische Idealvorstellung heran: der Mix aus dekadent enger Rock’n’Roll-Jeans und feudalem Luxus.

Das Interview mit Joakim Levin ist auch in der Dezember-Ausgabe des Musikexpress erschienen.


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