K.D. Lang, Hamburg Erotic Art Museum


Schon optisch ist die Marschrichtung vorgegeben: Dezentes Kerzenlicht illuminiert das Loft des Erotic Art Museums in Hamburg. Auf der ebenerdigen Bühne ein schwarzer Flügel, ein Mikrophon und ein Barhocker – sonst nichts. K. D. Lang, über die Madonna einst sagte „Elvis is back and she’s beautiful“, begibt sich in eine neue Rolle, ganz nach dem Motto: Forget „Constant Craving“! Nicht Country, nicht Pop, sondern Längs ganz persönliche Umsetzung des Themas Rauchen steht hier und heute auf dem Programm. Das Repertoire beschränkt sich auf Songs aus dem dazu passenden Album „Drag“. Umständlich erklimmt K.D. den Barhocker, blickt etwas unsicher in die Runde und beginnt zu singen. Nein, nicht zu singen, sondern den Raum mit ihrer Stimme zu füllen, den Flügel gnadenlos an die Wand zu intonieren und dem eingangs kritisch eingestellten Publikum multiple Gänsehautgefühle zu verschaffen. Teddy Borowiecki, Längs musikalischer Weggefährte seit vielen Jahren, greift beherzt in die Tasten und hat trotzdem nicht die geringste Chance, eigene Akzente zusetzen. K.D. beherrscht den Abend allein. Sie gibt die Chansonnette, verkörpert den Soul und hat den Blues. In ihrem musikalischen Reigen rund um den blauen Dunst (das Rauchen ist während des gesamten Gigs natürlich strengstens verboten) leidet Lang sich dramaturgisch perfekt durch Songs wie „My Old Addiction“, „Don’t Smoke In Bed“ oder „Smoke Rings“. Einzige Schwäche in K.D.s Performance: Die schlanke Kanadierin ist nicht eben eine begnadete Entertainerin. So fallen die Anmoderationen der einzelnen Songs nicht nur äußerst knapp aus, sondern wirken zudem auch noch ein wenig linkisch. Aber das stört hier niemanden, wirkt auf einige sogar sympathisch.

Musikalisch ist die 35jährige Künstlerin über jeglichen Zweifel erhaben und verblüfft mit ihrem Können sogar die anwesenden Vertreter ihrer Plattenfirma. So gewinnt K.D. Lang selbst dem tausendfach gecoverten Hollies-Ohrwurm“The AirThat I Breathe“ (den sie „als Zusammenfassung des Albums Drag“ verstanden wissen will) völlig neue Facetten ab. Von Kitsch keine Spur. Am Ende, nach zwei Zugaben, haben ihn alle, den Raucherblues. Doch auf so schöne Weise ist man selten traurig gewesen. Ganz zu schweigen von den wohligen Schauern, die K.D. ihrem Publikum gleich in Serie über den Rücken jagt. Bloß den „Joker“ hätte sie noch singen sollen.