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Kaputter als Doherty – die Fat White Family in Berlin

Man sollte sich Sorgen machen um die Fat White Family, zumindest wenn man ihren Facebook-Posts Glauben schenkt: Dort fragt die britische Band ihre Fans, ob jemand von ihnen Gras oder Haschisch in Camberwell habe, vor dem Brixton-Gig interessieren sie sich für Menschen mit Valium. Bevor das Konzert im Berliner Musik&Frieden losgeht, fragt die Family allerdings nicht nach Substanzen über das soziale Netzwerk, sondern nach einem harmlosen Schlafplatz für die Vorband Swutscher aus Hamburg. Während die im noch leeren Musik&Frieden spielt, stehen die Londoner Hausbesetzer in den vorderen Reihen, lauschen gebannt, trinken Bier und brüllen nach dem letzten Song rum… wie ganz normale Engländer eben. Erst im Februar hat die Fat White Family ihr zweites Album SONGS FOR OUR MOTHERS veröffentlicht, die eben keine Songs für Mütter sind, aber scheinbar für Lady Gaga. Die postete Anfang Mai Bilder und Videos aus dem Backstage des Fat-Family-Konzertes in New York.

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🚬😇

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Während Frontmann Lias Saudi sich zwei Tage vorher beim Immergut Festival in Neustrelitz gar ganz entblößte, kommt er in Berlin wenigstens mit nacktem Oberkörper und Berliner Kindl auf die Bühne. Auch die großen Gesten hebt er sich nicht für später auf: Saudi steigt auf die Lautsprecherboxen, leert sein halbes Bier über dem Publikum aus und wagt gleich beim dritten Song „Whitest Boy On The Beach“ den Sprung ins Publikum. Das – in Berlin häufig schon mal eher zurückhaltende –Publikum spendet den Briten nicht nur Zigaretten, sondern holt auch direkt zum Mitgrölen und Pogen der Lo-Fi- und Punk-Hymnen aus.

Spätestens nach den Songs „Auto Neutron“ und „Touch The Leather“ vom ersten Family-Album CHAMPAGNE HOLOCAUST kehren nicht nur erste Fans zerstört aus dem Moshpit zurück, auch Lias Saudi muss pausieren und legt sich dafür mitten auf die Bühne. Währenddessen trägt Gitarrist Saul Adamczewski mit seiner Kinder-Sonnenbrille die Ballade „Goodbye Goebbels“ vor, die etwas an Carl Barat von den Libertines erinnert. Ohnehin lässt dieser Abend im Musik & Frieden erahnen, wie es sich Anfang der 00er-Jahre bei Libertines-Konzerten angefühlt haben muss – zumindest was die Publikumsenergie angeht. Die Boys in der Band wirken auf der Bühne nämlich um einiges verstrahlter und kaputter, als es Pete Doherty jemals sein wird.

Diese authentische Kaputtheit lässt nicht nur den Isolation-Berlin-Gitarristen Max Bauer und den Family-Vertrauten King Khan staunend zurück, sondern auch nach knapp einer Stunde Fat White Family auch keine Zugabe mehr zu. Während die Sonnenbrille vom Adamczweski nach dem Konzert auf der Bühne liegen bleibt und ein Pärchen in der ersten Reihe noch schweißgebadet rumknutscht, werden am Ausgang Flyer zur Aftershow-Party mit dem Titel „Sauls Sex Party“ verteilt. Trotz aller Räudigkeit und (Drogen-)Exzessen muss man sich um diese Familie wohl doch keine Sorgen machen.

 

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