Kate Nash macht’s mal anders


Auf Nash's zweitem Album „My Best Friend Is You“ gibt's Bläser- und Streichersätze satt, dazu mehr Geschrei, mehr Gekiekse als zuletzt.

 

Inhaltlich betrachtet „My Best Friend Is You“ eher die Fallstricke der Liebe als die Liebe an sich ….

Das mag sein, aber die gehören eben dazu. Ich mag keine Schwarzweiß-Malerei. Deshalb habe wirklich massive Probleme damit, wie die Liebe in den Medien dargestellt wird, aber auch, wie sie in Werbung und Filmen transportiert wird. Am Anfang ist es ein Wettbewerb, danach soll alles die ganze Zeit Fun sein, eine einzige Ansammlung toller Momente! Das stimmt natürlich nicht. Die Liebe innerhalb einer Familie ist eine ganz gute Blaupause dafür, wie die Liebe auch aussehen kann: Meine Schwestern und ich, wir prügelten uns regelmäßig fast tot, als wir jünger waren. Fünf Minuten später saßen wir nebeneinander und sahen gemeinsam fern! Insgesamt sollte einem einfach klar sein, dass die Liebe nicht eine Reihe emotionaler Höhepunkte ist.

Das klingt nach einer sehr ausführlichen Beschäftigung mit dem Thema!

Oh, das war es auch. Für eine Special Edition des Albums entwerfe ich gerade ein zusätzliches Buch, das ein bisschen was über den Hintergrund der Platte erzählen soll. Über den Entstehungsprozess, über die Kleidung, die ich auf der Tour trage, aber auch über den Inhalt. Deshalb bat ich meine Fans, mir ihre persönlichen Liebesgeschichten zu senden. Es waren viele. Es waren wirklich wahnsinnig viele. Fünf oder sechs Seiten meines Hotmail-Accounts waren nach ein paar Tagen voll. Ich habe es leider immer noch nicht geschafft, sie alle zu lesen, aber was ich las, war durch die Bank spannend. Lange Geschichten, kurze Geschichten, Notizen, Gedichte. Es ist schön, einmal einen Blickwinkel auf die Liebe zu bekommen, der so direkt ist, der sie in all ihren Facetten beleuchtet.

Was gab den Ausschlag für diese Geschichtensammlung?

Das Leben meiner Großeltern. Mein Großvater war im letzten Jahr ziemlich krank. Und meine Großmutter pflegte ihn. Es war für mich recht ungewohnt, das zu sehen, weil ich natürlich ein ganz anderes Bild von ihnen als Paar habe. Ich kenne, seit ich ein Kind bin, diese tollen Schwarz-Weiß-Fotos aus den 30er- oder 40er-Jahren, auf denen sie einfach großartig aussehen. Er war Boxer – und sie wirkte wie ein Filmstar. Sie waren schon sehr glamourös. Jetzt ist jeder Tag für die beiden ein Kampf. Sie streiten, sie beklagen sich, sie sind oft sehr traurig. Dass sie das aushalten, das sie sich umeinander kümmern, das ist eine schöne Liebesgeschichte. Das echte Leben ist nicht wie ein Film. Aber es schrieb mir auch ein kleines Mädchen, das zum allerersten Mal ein Date hatte und mit dem Jungen ewig auf den Schaukeln eines Spielplatzes herumsaß. Und der letzte Satz war: „Und dann umarmten wir uns. Ich habe noch nie einen Jungen umarmt!“ Es war schön zu sehen, wie rein und unschuldig die Liebe auch sein kann.

Gab es denn auch Einsendungen, die von einer Liebe erzählten, die nichts mit der klassischen Paarkonstellation zu tun hatte?

Da war eine Sache, die wirklich ziemlich heftig war – vor allem, weil sie brilliant geschrieben war. Eine Mutter schrieb mir übe ihre vierjährigen Tochter, die Leukämie hat und sterben muss. Dann erzählte sie von der Tierwelt. Davon, dass da die Mütter wie selbstverständlich für ihre Jungen sterben. Sie fragte sich, ob sie das tun würde, ob sie die Krankheit anstelle ihrer Tochter aushalten würde.