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Kathy Sledge (Sister Sledge) im Interview: „Selbst Kinder können ‚We Are Family‘ mitsingen!“

Gemeinsam mit ihren Schwestern und Hits wie „We Are Family” erlangte Kathy Sledge Ende der Siebzigerjahre als Sister Sledge Weltruhm. Als Solokünstlerin setzte sie diese Karriere mit Erfolgen wie „Falling Deep In Love Again” fort. Nun spielt sie aus der Quarantäne heraus für Rolling Stone, Musikexpress und Metal Hammer ein Konzert zum Durchhalten.

Wie geht es dir aktuell und wo verbringst du die „Quarantäne”?

Kathy Sledge: Uns geht es eigentlich ganz gut, die Situation fühlt sich aber an wie in einem Science-Fiction-Film. Eigentlich lebe ich zwischen New York und Philadelphia, bin jetzt aber in unserem Haus in Los Angeles – gemeinsam mit meinen erwachsenen Kindern und meinem Mann. Wir machen das Beste aus der Situation.

Was bedeutet dieses „Beste” aktuell für dich? Wie sehen deine Tage aus?

Kathy Sledge: Wir haben uns gleich zu Beginn dafür entschieden einen festen Plan einzurichten. Ich habe da wirklich Glück: Mein Sohn ist Personal Trainer und Ernährungsberater und meine Tochter hat ein Yoga-Zertifikat.

Das klingt, als hättest du gerade die gesündeste Zeit deines Lebens!

Kathy Sledge: Ja, das könnte durchaus sein. Montags, mittwochs und freitags ist um Punkt 12 Uhr Training; dienstags, donnerstags und samstags Yoga. Das ist ziemlich gut, denn so hat jeder von uns einen festen Termin am Tag. Egal was wir gerade tun: Da müssen wir hin! Ansonsten filmen wir manchmal auch kleine Konzerte zuhause. Zum Beispiel für Rolling Stone, Musikexpress und Magenta.

Mit dem ganzen Gesundheitsprogramm, dem Sport und den Konzerten: Bleibt da überhaupt noch Zeit für Kreativität? Dürfen wir uns auf neue Songs von dir freuen?

Kathy Sledge: Auf jeden Fall! Ich habe darüber viel nachgedacht und wollte aber nicht so rüberkommen, als würde ich sagen „Hey, hier sind Songs, die müsst ihr jetzt hören”. Immerhin ist das ja mehr oder weniger ein gefangenes Publikum. Darum habe ich mich dazu entschieden zunächst ein paar „Songs Of Comfort” zu spielen. Fans und Freunde schicken mir ihre Songwünsche auf Facebook oder Instagram und ich singe regelmäßig einen davon und veröffentliche ihn dann auf Instagram. Vor kurzem war das „Say A Little Prayer”, der erschien mir selbst auch sehr passend. Mir hat danach jemand geschrieben, das hätte sich wie eine warme Tasse Tee angefühlt. Und das war schön, denn jeder von uns kann etwas beitragen, und bei mir ist es eben die Musik.

Also denkst du, dass Musik die Leute ein wenig ablenken und in einer solchen Situation auch zusammenbringen kann?

Kathy Sledge: Mehr als das sogar. Musik kann die Leute nämlich nicht nur ablenken, sondern ihnen auch ein gutes Gefühl geben – sie umarmen. Und auch ganz konkret zusammenbringen: Mit meinen Musikerfreunden probe ich für neue Projekte – zurzeit sogar manchmal gemeinsam über das Telefon.

Sister Sledge in ihren Anfangstagen: Debbie, Kathy, Joni und Kim

RS: Home Office für Kreative also… Eine andere Sache, die aktuell wohl viele tun, ist sich zu erinnern. An welche Momente aus deiner Karriere erinnerst du dich am liebsten?

Kathy Sledge: Kurz bevor das hier alles losging, habe ich mich mit Sonia Friedmann getroffen (eine Theater-Regisseurin – Red.). Aktuell arbeite ich an einem Theaterstück über Sister Sledge und die Geschichte hinter „We Are Family”. Deswegen erinnere ich mich aktuell nicht nur, sondern reflektiere sogar. Und ich spreche mit verschiedenen Leuten über unsere Geschichte. Jeder kennt Sister Sledge als Familie, aber genau wie andere Familien oder Gruppen hatten auch wir unsere Probleme. Das Stück wird „Lost In Music” heißen. Und so nutze ich die Zeit auch, um wirklich etwas für mich zu ändern. Unser Wochenplan steht tatsächlich auf einem großen Board. Und darauf zähle ich nicht die „Tage der Quarantäne”, sondern die „Tage der Veränderung”. Habe ich dieses Buch gelesen? Habe ich diesen Song endlich geschrieben? Habe ich die fünf Kilo verloren?

Noch eine Frage zu deiner frühen Zeit mit Sister Sledge – bei den Aufnahmen zu eurem Hit „We Are Family” soll es auch einige Schwierigkeiten gegeben haben. Insbesondere mit den Produzenten Nile Rodgers and Bernard Edwards.

Kathy Sledge: Ich will etwas klarstellen, denn Ärger ist das falsche Wort. In Wirklichkeit war es Genie! Die Arbeit mit Nile und Bernard war eine besondere, denn die beiden waren genau das: Genies. Das Besondere war, dass wir die Musik erst zu hören bekamen, als es Zeit für die Aufnahme war. Da waren die beiden extrem strikt. Als 16-Jährige dachte ich damals erstmal „Naja…”. Wir waren so etwas einfach nicht gewohnt und besonders für meine Schwestern, die in den Songs Background gesungen haben, war es nervig. Inzwischen verstehe ich aber voll und ganz, was Nile und Bernard damit bewirken wollten. Sie wollten Spontaneität in ihren Songs! Das war ihre Hit-Formel und die wollten sie natürlich auch anwenden.

Gab es denn auch Songs, bei denen das nicht so gut funktioniert hat?

Kathy Sledge: Naja, also die Antwort ist eigentlich recht einfach: Ihre Songs sind alle große Hits geworden. Ich sehe Produzenten generell als Regisseure. Die wissen genau worauf sie hinauswollen und warum sie etwas von den Künstlern verlangen. Und bei den beiden hat man das Skript eben erst bekommen, wenn es losging. Also ja, ihre Hit-Formel hat sehr gut funktioniert!

In den vergangenen Jahrzehnten hattest du auch viele eigene Welt-Hits, ganz ohne Sister Sledge. Macht es denn noch Spaß die alten Songs zu singen? Oder ist das eher etwas, das du vor allem für dein Publikum tust?

Kathy Sledge (lacht): Oh nein, überhaupt nicht! Ich liebe es, die alten Hits zu singen. Ganz besonders „Thinking Of You”. Das ist mein Soundtrack zur Quarantäne geworden. Das ist ein Song, der einem einfach ein richtig gutes Gefühl gibt. Und natürlich „We Are Family” – wenn alle im Publikum einstimmen und mitsingen. Selbst Kinder, die noch gar nicht auf der Welt waren, als dieser Song ein Welthit wurde, aber jedes einzelne Wort mitsingen können. Ich denke, den Song werde ich auch für Rolling Stone und Musikexpress spielen.

Und bestimmt sitzen alle vor ihren Bildschirmen und singen mit…

Kathy Sledge: Das würde mich wirklich sehr glücklich machen!

Kathy Sledge bei #DaheimDabeiKonzerte: Donnerstag, 28. Mai um 19 Uhr auf rollingstone.de, metal-hammer.de und musikexpress.de


Alle Konzerte auf magenta-musik-360.de und #dabei/MagentaTV sehen.

Gilles Petard Redferns

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