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Kings of Leon spielen nicht Caleb Followills Country-Songs

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Caleb, im Internet heißt es seit Wochen, ihr würdet ein schwer Country-lastiges Album aufnehmen. Davon ist auf dem Endergebnis allerdings wenig zu spüren. Eine Ente?

Na ja, die anderen wollten meine Country-Songs nicht. Und deshalb fürchte ich, dass ich sie so lange zurückhalten muss, bis ich irgendwann ein Solo-Album mache. Was wirklich schade ist. Denn ich bin da mit ein paar Songs ins Studio, die echte Herzensbrecher sind. Also bei denen kein Auge trocken bleibt. Nur: Kaum waren sie fertig, meinte die Band, was ich denn da verbrochen hätte, und dass das ja nun wirklich nicht das wäre, worauf sie gehofft hätten. Was wahrscheinlich – und das ist meine Theorie – auch mit der Tatsache zusammenhängt, dass wir diesmal in New York aufgenommen haben, und jeder eine andere Vorstellung davon hatte, wie dieses Album ausfallen sollte. Aber: Ihr werdet die Country-Songs eines Tages hören. Das verspreche ich. Bringt mir eine Gitarre und ich spiele sie hier und jetzt. (lacht)

Und was verleitet dich dazu, sogenannte „Herzensbrecher“ zu schreiben, wenn du eigentlich der glücklichste Mensch auf Erden sein solltest? Schließlich hast du eine hübsche Freundin, jede Menge Geld und die mediale Anerkennung, nach der du immer gestrebt hast. Was ist los?

Keine Ahnung, was es ist. Aber nach dem Erfolg des letzten Albums habe ich das erlebt, was eine Menge Künstler durchmachen, wenn alles ein bisschen außer Kontrolle gerät. Also diese innere Leere und Zerrissenheit, an der Kurt Cobain ja letztlich gescheitert ist. Denn wenn plötzlich alles zu groß wird, macht dir das Angst und du denkst: „Oh Mann, jetzt werde ich für den Rest meines Lebens mit diesem einen Album oder mit diesem einen Song assoziiert.“

Mit „Sex On Fire?“

Ja, und das ist einfach eine schreckliche Vorstellung. Du hast das Gefühl als hättest du deinen Zenit erreicht und als könntest du das nie wiederholen, geschweige denn toppen. Das ist der Grund, warum ich nach meiner Heimkehr, also als ich endlich wieder in Nashville war, damit angefangen habe, diese Country-Songs zu schreiben. Ich bin zu meiner Stammkneipe gefahren oder habe meine Kumpels zu mir eingeladen, wir haben abgehangen und eine Flasche Whiskey oder Tequila geköpft und ich habe diese Stücke auf der akustischen Gitarre gespielt. Worauf jeder meinte: „Was ist das? Wann kann ich das auf Platte haben?“ Und meine Antwort war halt immer: „Wenn meine Band mich lässt, werden sie auf dem nächsten Album landen. Aber: Erwartet besser nicht zu viel, denn ich bin mir sicher, dass sie etwas Junges, Frisches wollen.“ Und genau so ist es gekommen.

Heißt das, man zwingt dich, Songs zu schreiben, hinter denen du nicht wirklich stehst?

Ganz so schlimm ist es nicht. (kichert) Denn all diese Songs, die jetzt auf dem Album sind, waren in dem Moment längst da. Wir mussten uns nur darauf einigen, was wir davon mitnehmen. Und als wir die Aufnahmen endlich abgeschlossen hatten, meinte Angelo, unser Produzent, was denn mit den anderen Songs von mir wäre – ob wir die auch noch wollten. Natürlich haben die anderen dagegen gestimmt. Aber, wie gesagt, irgendwann werde ich sie veröffentlichen.

Wobei sich die meisten Songs auf „Come Around Sundown“ um dein Zuhause als Zuflucht und als Oase der Ruhe drehen. Müssen wir uns Sorgen um dich machen? Leidest du unter solchem Heimweh?

Ich denke, die Tatsache, dass wir tatsächlich kaum Zuhause sind, sorgt schon dafür, dass wir es ein bisschen idealisieren. Also wir träumen oft davon und wünschen uns, da irgendwann mal so viel Zeit verbringen zu können, wie wir wollen und ein wunderbares, tolles Leben zu führen. Dabei ist es so, dass wir gerade bei unseren früheren Alben wie „Aha Shake Heartbreak“ ja extrem viel Zeit zu Hause verbracht haben. Und deshalb hat damals jeder Song davon gehandelt, was es da draußen in der Welt so alles gibt, und was wir schmerzlich vermissen. (lacht) Von daher würde ich sagen: Irgendwann werden wir beides erlebt haben.

Aber unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir auf der Straße aufgewachsen sind, nie ein richtiges Zuhause hatten, und direkt zu diesem Lifestyle übergegangen sind, hatten wir halt nie ein echtes Zuhause. Und deshalb war das für mich immer das Einfachste, über das ich schreiben konnte. Denn für mich ist es eine wunderbare Vorstellung, dass ich eine Veranda habe, einen Schaukelstuhl und einen Haufen Babys. Aber sollte ich das irgendwann wirklich mal erleben, werde ich wahrscheinlich ganz schnell wieder einen Song schreiben, in dem es heißt: „Wie konnte ich nur? Ich muss hier raus!“ (lacht)

Bis es soweit ist: Werdet ihr eure Tour-Aktivitäten etwas reduzieren bzw. versuchen, mehr Zeit für euch selbst zu haben?

Ich denke, nach diesem Album und der anschließenden Tour werden wir den Punkt erreichen, da ein paar von uns heiraten und Kinder haben möchten. Da nehme ich mich nicht aus. Ich würde wirklich gerne Vater werden. Wobei ich nicht genau sagen kann, wann das sein wird. Also vielleicht schon nächstes Jahr. Vielleicht aber auch erst in zehn Jahren. Nur: Wir reden darüber, 2011 eine kleine Pause einzulegen, das Familienleben zu genießen und einfach zu schauen, wie das ist, wenn du morgens aufwachst, und ausnahmsweise mal weißt, wo du bist. Und eben nicht mitten in der Nacht dringend pinkeln musst, und dann aus Versehen in der Abstellkammer landest, weil du völlig orientierungslos bist.

Passiert dir das öfter?

Regelmäßig. Gerade, wenn ich getrunken und absolut keinen Plan habe, wo ich gerade bin. Dann öffnest du halt die nächstbeste Tür in deinem Hotelzimmer und lässt laufen – was am Morgen sehr unangenehm und peinlich sein kann. Einfach, weil es bestialisch stinkt. Und da fällt es mir dann auch nicht schwer, über Zuhause zu schreiben. Was ja eine Sache ist, mit der sich viele Leute identifizieren können. Und momentan definitiv der Motor ist, der uns am Laufen hält.

Wie sieht dein Zuhause aus? Wie idyllisch darf man sich das vorstellen?

(lacht) Um ehrlich zu sein, habe ich gerade keins. Denn während der letzten Tour musste ich erfahren, dass in mein altes Haus, das ich wirklich sehr geliebt habe, eingebrochen wurde und dass dabei viele persönliche Gegenstände abhanden gekommen sind. Also musste ich es leider verkaufen, weil es dadurch ein offenes Geheimnis war, wer darin wohnt. Was ein sehr trauriger Moment für mich war. Aber gleichzeitig hat es auch etwas Positives, denn ich baue gerade ein Neues, das erst in einem Jahr fertig wird. Und das wird dann genau so, wie ich es möchte, also meine Vision von einem Haus – mit allem, was dazu gehört.

In Nashville oder in der Nähe eurer Farm in Mt. Juliet?

Es ist auf dem Gelände unserer Farm. Ich habe das alte Hauptgebäude abreißen lassen und baue genau da das neue Haus. Was bedeutet, dass ich all dieses wunderbare Land habe – und eine malerische lange Zufahrt. Klar, von der Stadt aus ist es schon eine etwas längere Fahrt, aber die kann man ja auch gut zum Nachdenken nutzen – oder um sich umzuschauen und die Landschaft zu genießen. Insofern bin ich schon richtig aufgeregt. Also ich freue mich riesig darauf. Und wenn ich erst mal da wohne, wer weiß, vielleicht gehe ich dann nur noch ins Hotel, um mal wieder in den Abstellraum zu pinkeln. (lacht)

Dein Southern Dream – wie in „Vom Winde verweht“?

Das ist es, Mann. Und weißt du, was das Beste ist: Ich verwende da alles, was ich gesehen habe und für umwerfend halte. Also jede Stadt, die wir besuchen, und in der ich etwas finde, das mir gefällt, wird später darin auftauchen. Ich mache einfach ein Foto, schicke es an meinen Cousin Nacho, der sich um alles kümmert, und sage: „Hier, das muss unbedingt noch in das Haus – lass uns das so und so machen.“

Also hast du thematisch gestaltete Gästezimmer?

Ganz genau. Nur: Sie werden natürlich andere Namen tragen. Also ich werde sie auf keinen Fall als Gästezimmer bezeichnen. Denn dann wird folgendes passieren: Die bucklige Verwandtschaft wird aus den Wäldern kommen und sich aufregen, dass da keiner übernachtet, und sich am liebsten gleich einquartieren. Dagegen baue ich vor, indem ich sie „die Bibliothek“ oder „das Studierzimmer“ nenne. Dabei sind das natürlich nur Extra-Zimmer, in denen ich meinen Spaß haben werde.

Was verstehst du darunter – und was sagt deine Freundin, Model Lily Aldridge. dazu?

Sie denkt da natürlich an Kinderzimmer. Aber wir werden sehen. Ich wollte zum Beispiel schon immer einen Billardsalon und ein eigenes Studio.

Und in einer scheinbar sehr glücklichen Beziehung zu sein – welchen Einfluss hat das auf deine Songs und deine Texte? Könntest du so etwas wie „Sex On Fire“ heute überhaupt noch schreiben oder würde das zu berechtigtem Ärger führen?

Na ja, ich schreibe immer noch über solche Sachen. Zumindest manchmal. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil ich mich so lange dagegen gewehrt habe, überhaupt eine feste Beziehung einzugehen oder mich richtig zu verlieben. Daran muss ich mich beizeiten immer mal wieder erinnern – weil es halt etwas völlig Neues für mich ist.

Und ich habe mir fest vorgenommen, nie das Herz eines Mädchens zu brechen. Deshalb bin ich auch in einer ehrlichen und leidenschaftlichen Beziehung. Und was noch wichtiger ist: Ich bin glücklich. Aber wer weiß: Wenn wir uns das nächste Mal unterhalten, kann das schon wieder anders sein – weil sie die Nase von mir voll hat, und sich einen spannenderen Typen sucht. (kichert)

Bis dahin gilt: Keine Texte über Oralsex während des Autofahrens?

Definitiv. Ich bin mittlerweile auch ein viel besserer Fahrer. (lacht)

Dagegen wirken Stücke wie „No Money“, in dem es darum geht, dass du nicht mit Geld umgehen kannst, wie pure Ironie…

Stimmt. Das könnte ironisch sein, aber es könnte auch darum gehen, dass du dein Geld bewusst versteckst, weil du eben nicht nur dafür geliebt werden willst, sondern für die Person, die du bist. Und was den Song betrifft, so kratze ich mir immer noch ein wenig den Kopf. Denn ich bin einfach ins Studio und habe ihn eingesungen. Also Freestyle – ohne Vorbereitung, ohne lange darüber nachzudenken. Und als ich mir das später angehört habe, musste ich mir selbst zusammenreimen, was das wohl bedeutet, und was ich damit sagen will. Dabei sind da immer noch jede Menge Löcher in der Geschichte, die einfach keinen Sinn ergeben.

Demnach machst du dir immer noch Gedanken über euren Erfolg – als würdest du ihm nicht wirklich trauen?

Irgendwie schon.

Musst du dich vor und während eurer Auftritte immer noch übergeben, weil du so nervös bist?

Oh ja, das verschwindet nicht einfach so. Und der Tag, an dem ich damit aufhöre, ist wahrscheinlich auch der, an dem ich mich zu sicher und zu wohl fühle.

Das Übergeben als Sicherheitsnetz oder Reality-Check?

Es hat etwas davon. Was jetzt nicht heißen soll, ich würde das genießen. Sondern es ist eher so eine Sache, die halt passiert und alle anderen in der Band wissen lässt, dass es eine richtig gute Show wird. Eben weil ich komplett am Rad drehe, weil ich nervös bin. Und egal, ob es die kleinste oder die größte Show ist: Sobald ich in den Eimer kotze, heißt es: Das Spiel beginnt. (lacht)

Wenn du auf die erste Dekade der Kings Of Leon zurückblickst und dir vor Augen führst, was ihr alles erreicht habt, also 5 Alben und Konzerte vor über 60.000 Zuschauern im Londoner Hyde Park, wie verarbeitest du das? Wie fühlt sich das an?

Es ist schon irgendwie witzig. Ich meine, manchmal fühlt es sich so an, als wäre es eine extrem lange Karriere. Aber ich kann mich eben noch an alles aus dieser Zeit erinnern – also ich habe wirklich jeden Moment vor Augen, den ich da erlebt habe. Und selbst, wenn es kitschig klingt: Es ist wirklich so, als hätten wir erst gestern angefangen und als wäre all das quasi über Nacht passiert. Zumal wir ja immer noch, also wirklich jeden Tag, irgendwelche denkwürdigen Dinge erleben.

Oder wir erinnern uns gegenseitig an etwas. Nach dem Motto: „Mann, ich weiß noch wie wir unsere allererste Show in London gespielt haben. Und wie nervös wir waren, als wir auf die Bühne gingen.“ Einfach, weil wir gar nicht glauben konnten, dass da wirklich Leute im Saal waren, die Eintritt bezahlt haben, um uns zu sehen. Und allein das hat uns völlig verstört: „Was erwarten die von uns? Was, wenn wir das nicht hinkriegen?“ Solche Sachen, die im Nachhinein natürlich extrem lustig sind.

Habt ihr angesichts eurer Omnipräsenz und eures steten Wachstums keine Angst vor einem Rückschlag – einfach weil die Leute vielleicht auch mal eine Pause von euch brauchen?

Oh, diesen Moment hatte ich schon öfter. Eben als ich dachte, das muss jetzt einfach irgendwann passieren – selbst, wenn wir schon eine relativ lange Karriere hinter uns haben. Und das letzte Album war nun mal das, das eine Menge Leute auf die Band aufmerksam gemacht hat. Was bei mir eine ähnliche Angst vor dem Erfolg ausgelöst hat wie etwa bei Kurt Cobain. Nämlich dieses Gefühl, in eine Menge zu blicken und da jemanden zu entdecken, von dem du denkst, dass er so gar keine Beziehung zu dir aufbauen kann – weil du einfach völlig anders bist.

Eben irgendein Freak. Und das ist eine merkwürdige Vision, die dich nachts schweißgebadet aufwachen lässt. Aber nach Ende der letzten Tour, als ich nach Hause kam, habe ich mich damit auseinandergesetzt. Ich habe mich quasi selbst geohrfeigt und gefragt: „Worüber machst du dir da eigentlich Sorgen? Da draußen sind so viele Leute, die lieben, was du tust. Und deshalb hast du ja auch mit dem Musik machen angefangen.“ Denn seien wir ehrlich: Keiner fängt damit an, Songs zu schreiben, um bis ans Ende seines Lebens in einer kleinen Indie-Band zu spielen. Sondern: Jeder will Erfolg haben und das Meiste aus seinem Leben machen. Deshalb kann ich diesem ewigen Vorwurf des Ausverkaufs, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden, auch nur zwei Worte entgegensetzen: „Fuck You!“ Denn wer verkauft sich hier?

Ich meine, wenn jemand ein toller Koch ist und mit seinem Essen viele Menschen glücklich macht – ist es dann ein Ausverkauf, irgendwann ein Restaurant zu eröffnen und sein Talent richtig einzusetzen? Oder wenn du jemanden siehst, der auf der Straße von einem Auto angefahren wird, ihn rettest und dich dann entscheidest, Arzt zu werden, weil du offensichtlich Talent hast – verkaufst du dich dann? Nein, das tust du nicht. Und auch ich habe letztlich in den Spiegel geschaut und gesagt: „Wir haben auf ´Only By The Night´ wirklich nichts anderes gemacht als auf allen Alben davor.

Es ist nur so, dass die Leute – aus welchem Grund auch immer – eine Beziehung dazu aufbauen konnten. Aber wir haben es nicht absichtlich kommerziell gestaltet. Also genieße gefälligst jede einzelne Sekunde davon. Denn vielleicht spielen wir schon morgen wieder in einem stickigen, kleinen Club und denken: „Mann, wären wir doch bloß da, wo wir schon mal waren.“ Das wäre doch tragisch, oder?

Also keine Selbstmordgedanken?

Nein, nein. Nichts in der Art.

Kein Wunder: Ihr residiert mittlerweile in Luxushotels wie dem Connaught in London oder dem Sunset Marquis in Los Angeles, reist schon mal im Privatjet oder Hubschrauber und lasst es euch ziemlich gut gehen…

Oh ja! Einfach weil das ein tolles Gefühl ist. Wobei ich sagen muss, dass ich eigentlich ziemlich leicht zu befriedigen bin. Ich meine, ich verlange wirklich nicht viel. Aber wenn ich etwas Außergewöhnliches bekomme, weiß ich das auch zu schätzen. Und ich würde mich selbst immer noch nicht als berühmt bezeichnen. Oder gar als Rockstar. Ich bin immer noch ziemlich bescheiden, was das betrifft. Und je besser alles wird, desto bescheidener werde ich. Im Sinne von: Da herrscht eine tiefe, innere Zufriedenheit – und überhaupt kein Verlangen, in irgendeiner Form über die Stränge zu schlagen.

Aber einem bisschen Komfort scheinst du nicht abgeneigt zu sein, oder?

Auf keinen Fall. Ich habe es sehr wohl zu schätzen gelernt, endlich in Hotels zu übernachten, die eine Klimaanlage und ein bequemes, großes Bett haben. (kichert)

Was ihr angeblich von U2 übernommen habt – auf gemeinsamen Tourneen mit Bono & Co. Stimmt das?

Das ist nur eine von vielen Sachen, die wir uns von ihnen abgeschaut haben. Eben nicht nur stilvoll zu reisen, sondern auch seine Umgebung gut zu behandeln. Also was zum Beispiel Gäste bei deinen Konzerten betrifft. Da ist es egal, wer das ist und was er macht. Es kann ein Athlet sein, ein Schauspieler, ein anderer Sänger, was auch immer – U2 behandeln jeden mit Anstand und Würde. Und das ist einfach inspirierend und nachahmenswert. Und selbst wenn wir noch nicht auf diesem Level sind – also noch nicht ganz (lacht) – so wollen wir doch, dass alle, die zu unseren Konzerten kommen, ein wirklich tolles Erlebnis haben. Also das bestmögliche, das wir ihnen bieten können. Und mittlerweile läuft es bei uns auch so gut, dass wir wesentlich stilvoller reisen können, als das früher der Fall war.

Selbst, wenn ihr zwischendurch – wie unlängst in den USA – von Tauben attackiert werdet? War das wirklich so schlimm, wie überall beschrieben?

Definitiv! Es war eine richtige Taubenplage, die wir da erlebt haben. Einige von ihnen sind gestorben und direkt vor uns auf die Bühne gefallen. Andere haben ihre Exkremente über uns abgelassen. Zuerst hat es die beiden Vorgruppen getroffen, und als wir dann da raus sind, saßen sie zwischen unseren Lichttrassen. Mein kleiner Bruder wurde direkt auf dem Kopf getroffen und auf beiden Armen. Deshalb haben wir uns nach drei Songs entschieden, dass es so nicht geht – dass wir unmöglich 20 weitere Songs spielen und dabei unentwegt mit Taubenscheiße bombardiert werden können. Wir mussten abbrechen. Und jetzt, wenn die Taubensaison vorbei ist, holen wir den Gig nach. Ich werde aber auf jeden Fall noch ein Luftgewehr in der Ecke haben – für den Fall der Fälle. (lacht)

Was erwartet uns bei euren kommenden Konzerten? Spielt ihr das komplette neue Album?

Das ist der Plan. Wenn wir das nächste Mal nach Deutschland kommen, werden wir hoffentlich ein komplett neues Programm am Start haben – aber auch immer noch die Stücke spielen, die die Leute kennen und lieben. Das versteht sich ja von selbst.


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