Kolumne 1: Schnipo Schranke übers Lügen

Fritzi: Alles Gute zum Geburtstag. Wann hast du das letzte Mal gelogen?

Daniela: Als ich allen erzählt hab, dass wir jetzt eine Kommune im Musikexpress haben.

F: Oder kurz danach, als du mir gesagt hast, du wüsstest, dass es Kolumne heißt.

D: Das sind beides keine Lügen. Das eine war ein Versprecher, das andere die reine Wahrheit. Als wir gesagt haben, uns sei völlig klar, dass wir Geld für so eine Kolumne bekommen, das war eine echte Lüge. Ich hab schon viel gelogen in meinem Leben. Ich kann auch voll gut lügen.

F: Ich kann nicht so gut lügen. Zum Beispiel damals, als ich diesem Blockflötenschüler per SMS mitgeteilt hab, dass ich krank bin und deshalb nie wieder kommen kann. Ich hab immer noch ein schlechtes Gewissen, aber ich glaub, dass das für alle die beste Lösung war.

D: Das ist Übungssache. Je öfter man lügt, desto geringer ist die Hemmschwelle. Ich hab als Kind oft Geschichten erfunden. Manchmal hab ich Tage damit verbracht, mir Erlebnisse auszudenken, die ich zu Hause erzählt hab.

F: Als ich zehn war, gab es in der Schule eine Party, discomäßig, so mit Musik, und dann hörte ich zum ersten Mal „Blue“ von Eiffel 65 und war sofort melancholisch ergriffen. Eine fragte mich, was los sei und ich hab ihr erzählt – in der fünften Klasse –, dass mein Ex zu diesem Song mit mir Schluss gemacht hat.

D: Ja genau, oft versucht man ja nur, seine Gefühlslage zu rechtfertigen. Ich wollte emotional etwas ganz Bestimmtes erreichen.
Das hat sich mit dem Alter gelegt.

F: Aber hast du nicht auch mal deinem Mann Ente Geschichten erzählt?

D: Das hab ich verdrängt, weil es mir so peinlich ist. Das war gleichzeitig der Todesstoß für diese Marotte, weil er es gemerkt hat.
 Es war gut zu spüren, dass er Schluss machen könnte deswegen. Da hab ich begriffen, wie schlimm es für andere ist, angelogen zu werden. Ob die Leute sich angelogen fühlen, wenn wir auf der Bühne immer so tun, als wären wir cool?

F: Das ist doch kein Lügen.

D: Außer, wenn man zum Mikrofon greift und sagt:

F: Ich fühl mich so unglaublich lässig heute!

D: Die Wahrheit ist nicht immer 
der beste Weg für eine soziale Gruppe. Manche Dinge auszusprechen, ist ja einfach nicht wichtig.

(Plötzlich betreten Fick und Fotzi, die Butler von Schnipo Schranke, den Salon, um frisch gekaufte Limonade zu reichen.)

F: Hi. Fällt euch noch was zum Thema Lügen ein?

Fick: Ihr erzählt den Leuten doch ständig, dass ihr ganz okay leben könnt von den Bandeinnahmen.

Fotzi: Aber jetzt rein in die Lackschuhe, Ladies, Ente hat die Jacht schon vorgefahren!

Diese Kolumne ist zuerst im Musikexpress 7/2017 erschienen – unserer Relaunch-Ausgabe.

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