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Review

„Mute“ auf Netflix: David Bowies Sohn verlegt Berlin in die Welt von „Blade Runner“

Für Regisseur Duncan Jones kommt sein Engagement bei Netflix genau zur richtigen Zeit. Sein letzter Kinofilm „Warcraft“ war ein Flop, der das Studio viel Geld und ihn viele Nerven kostete. Dabei war Jones, Sohn der verstorbenen Ikone David Bowie, zuvor durch „Moon“ als einer der spannendsten Regisseure des neuen Jahrtausends gehandelt worden.

Mit „Mute“ dürfte er seine Reputation ein Stück weit wieder herstellen, das kleinere Budget und der wegfallende Kassendruck befreien den Regisseur anscheinend. Jones begibt sich für seinen Science-Fiction-Thriller nach Berlin. Es ist die Stadt, in der auch sein Vater einst immense Kreativität schöpfen konnte – eine Parallele, die dem Thriller vom Start weg eine gewisse Intimität verleiht. Den Look für das in die Zukunft versetzte Berlin fand „Mute“ dabei offensichtlich bei „Blade Runner“, allerdings ohne dreist zu kopieren.

Jones nimmt sich Zeit, um seine Figuren einführen und den Zuschauer an seine Variante der Zukunft zu gewöhnen. In der tanzen nämlich Roboter-Stripperinnen zu Dubstep an der Stange, die Anwohner von Neo-Noir-Berlin sehen aber genauso abgewichst aus wie 2018. Der Kotti übrigens auch. Größer in der Zukunft ist Spiegel TV, die haben anscheinend einen 24/7-Nachrichtensender, auf dem Jones‘ Lieblingsschauspieler Sam Rockwell einen Gastauftritt hat.

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Eine eigene Welt trotz etlicher Referenzen

In dieser Welt schrillen und lauten Zukunft fällt Leo (Alexander Skarsgård) besonders auf. Nicht nur, weil er stumm ist, weil er als Kind einen Unfall hatte. Sondern auch, weil er aus einer Amisch-Familie kommt und inmitten der vielen Bildschirme und technischen Errungenschaften einen sehr altmodischen Lebensstil pflegt. Er kleidet sich noch klassisch im Anzug, mag Smartphones nicht und schmeißt routiniert den Plattenspieler an. Der Barmann nimmt Ermittlungen auf, als eine von ihm sehr geliebte Kollegin spurlos verschwindet. Zuvor hat er sich bereits mehrfach für sie geprügelt, als Ganoven sie bedrängten.

Es folgt ein Streifzug durch blau angeleuchtete Bars und Unterwelt-Locations, Leo trifft zwielichtige Gestalten, sein Weg ist dabei gesäumt von Referenzen an Science-Fiction-Filme und Noir-Klassiker. Duncan Jones erschafft trotz der vielen Anspielungen aber eine weitestgehend eigene Welt, weil er immer wieder Sets einstreut, die sich von heute bis ins Jahr 2050 kaum verändert haben.

Paul Rudd in „Mute“.

Irgendwo in dieser Welt läuft auch der von Paul Rudd (Klischee erfüllt: mit Tochter) herum. Er spielt eine Figur namens Cactus Bill, die illegal Cyber-Transplantationen bei zahlenden Kunden durchführt. Es ist klar, dass er irgendwann Leo seine Stimme wiedergeben wird, wann die Figuren aber endlich eine gemeinsame Handlung finden, daraus bezieht „Mute“ tatsächlich viel seiner Spannung.

Der Film hat zwei große Gewinner

Rudd ist zwar der größte Star, aber auch die größte Schwachstelle des Films, der ansonsten nur mit kleineren ereignislosen Momenten die Geduld der Zuschauer auf die Probe stellt. Der Amerikaner will unbedingt raus aus Berlin, flucht und witzelt sich von Szene zu Szene. Und dies sehr unglaubwürdig.

Lieber würde man da die komplette Zeit dem stillen Leo folgen, dem die unterdrückte Wut nur so ins Gesicht geschrieben steht, im nächsten Moment aber wieder eine Sanftmütigkeit, die man Alexander Skarsgård nicht zugetraut hätte. Der Schwede ist der zweite große Gewinner dieser Netflix-Produktion. Neben Duncan Jones natürlich, der hier endlich wieder beweist, dass er einer der besten Sci-Fi-Regisseure sein kann – wenn die Budgets nicht zu groß werden.

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