TV-Kritik

„Late Night Berlin“ mit Klaas Heufer-Umlauf: Politik mit Halligalli-Anstrich

Nein, den großen Knall gibt es nicht zum Auftakt von Klaas Heufer-Umlaufs eigener Late Night Show auf ProSieben. Schlimm ist das nicht, allerdings schraubt der Moderator die Erwartungen an die kommenden Wochen mit seiner Premiere im Spätprogramm des Privatsenders auch nicht gerade nach oben. Sein „Late Night Berlin“ fühlt sich nämlich schon nach wenigen Minuten erstaunlich routiniert an, Ablauf und Themen sind klassisch bis vorhersehbar. Die Aussage „Wir arbeiten daran, dass sich irgendwann das gewohnte Late-Night-Gefühl einstellt“, die Heufer-Umlauf ins Studio stellt, ist dementsprechend leer, das gewohnte Gefühl des Genres sollten er und sein Team zukünftig eher bewusst vermeiden. Sonst droht schnell die Belanglosigkeit. 

Heufer-Umlauf scheint beim traditionellen Stand-Up zwar nicht wirklich aufgeregt (immerhin hat er genug TV-Erfahrung), aber überraschend gehetzt. Witze über den Ort des Studios (Potsdam, nicht Berlin), Dorothee Bär (CSU) und das Liebesleben Gerhard Schröders (SPD) werden hastig abgearbeitet, die jeweiligen Themen werden für die ProSieben-Zuschauer mit ADS im Hintergrund via Schrift eingeblendet. Bei „Trump trifft Kim“ bemerkt der gelernte Friseur Heufer-Umlauf, dass beim kommenden diplomatischen Treffen wohl ein Bad Hair Day anstehe. Zum Glück wurde das Studiopublikum auf exzessives Gelächter bei jeder noch so kleinen Pointe geeicht.

Anne Will im Sessel, Casper auf der Bühne

Klaas Heufer-Umlauf

Der politische Anspruch der Show wird bereits beim Intro deutlich, als Nachrichtensprecherfetzen Trump oder die SPD ins Spiel bringen. Heufer-Umlauf will nicht nur Klamauk, er will die politischen Themen der Woche. Und eben ein bisschen Quatsch dazu, sonst darf er auf ProSieben wahrscheinlich nicht mit seinem Format auf Sendung gehen. Immerhin weiß der Sender um Restzuschauer von „Circus Halligalli“, dem ehemaligen Erfolgsformat von Joko & Klaas, das nach dem Ende 2017 eine Lücke ins Programm gerissen hat. Passenderweise sitzen nun auch Teile der Halligalli-Redaktion mit Klaas im Studio oder Arbeiten spürbar hinter den Kulissen. Machen gewohnt witzige Bauchbinden für Studiogäste (Anne Will auf dem Sessel, Casper auf der Bühne) und kopieren ihre eigenen Formate von „früher“.

Das Centerpiece der Auftaktepisode bildet die Nachstellung der Regierungsbildung. Das Wahlvolk darf sich ausmalen, wie wohl Gespräche zwischen Steinmeier und Schulz, Merkel und Seehofer, Özdemir und Lindner in den vergangenen Monaten abliefen. Das „Late Night Berlin“-Team stellt die Szenen dann nach, so wie es bei „Circus Halligalli“ eben üblich war, als Besoffene zum Beispiel einen „Tatort“ erdachten. Das sogenannte „Laberinth der Macht“ ist also nicht neu, was aber durch Gastauftritte von Heinz Strunk als Bundespräsident oder Juso-Chef Kevin Kühnert als Kevin Kühnert aufgefangen wird. Am Ende des Stücks, das sogar (Halligalli-mäßig!) in zwei Teile aufsplittet wird, tanzt Klaas Heufer-Umlauf als Martin Schulz verkleidet zu Kendrick Lamars „Humble“. Muss man mögen.

Hohe Gag- und geringe Trefferquote

Die Sendezeit verfliegt, obwohl eigentlich nicht viel passiert. Den wöchentlichen Sendeplatz nutzt ein charmanter Heufer-Umlauf, um schon einmal vorsorglich Witze über die anstehenden relevanten Ereignisse der Woche (zum Event von Volkswagen: „Stromstärke von E-Autos wird zukünftig auch an Affen getestet“) zu machen und erhöht die Gag-Quote der Show damit auf ein Maximum. Die Trefferquote allerdings nicht zwingend.

Anne Will darf als Talk-Gast den offensichtlich sehr bequemen Sessel neben dem Moderatorentisch einweihen und erzählt, dass sie als Kind eigentlich Schreinerin werden wollte. Und nach all den Jahren Talk noch mehr Respekt vor Politikern hat. Man fragt sich in solchen Momenten und der nachfolgenden Werbepause, ob man wirklich eine Late Night Show auf ProSieben benötigt. In der Werbung dann die Antwort: Jan Böhmermann, der eine ähnliche Sendung im ZDF hat, sitzt plötzlich feixend da und bewirbt eine Autovermietung und seine eigene Show.

Ja doch, eine Alternative im Genre zu haben ist schon ganz nett. Nur ein bisschen irrer darf „Late Night Berlin“ gern werden.

ProSieben

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